Konjunkturlage der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2026:
1. Gesamtwirtschaftliche Lage
- Stagnation im 3. Quartal 2026: Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im dritten Quartal stagniert haben, nachdem sie im ersten Halbjahr noch merklich gestiegen war. Die konjunkturelle Erholung wurde somit vorübergehend unterbrochen.
- Ursachen für die Schwäche: Temporäre Belastungsfaktoren waren ausschlaggebend, insbesondere:
- Niedrige Pegelstände am Rhein, die die Binnenschifffahrt und damit die Industrie beeinträchtigten.
- Auslaufende Wettbewerbsvorteile gegenüber ausländischen Konkurrenten (im Zusammenhang mit Lieferkettenproblemen durch den Krieg im Nahen Osten), was die Exporte schwächte.
- Sondereffekte durch den Tankrabatt, der zu zeitlichen Verschiebungen bei Kraftstoffkäufen führte und die Einzelhandelsumsätze drückte.
- Hohe Energiepreise belasteten die Kaufkraft der privaten Haushalte, sodass vom privaten Konsum kaum Wachstumsimpulse ausgingen.
- Geringe Kapazitätsauslastung in der Industrie dämpfte die Unternehmensinvestitionen.
- Positive Ausnahme: Der Baubereich wirkte stützend, wobei die Bauproduktion im August weiter stieg (begünstigt durch fiskalpolitische Lockerungen im Tiefbau).
- Ausblick Q4 2026: Für das vierte Quartal wird wieder ein spürbares Wachstum erwartet, gestützt durch verbesserte Stimmungsindikatoren (ifo Institut). Die weitere Entwicklung hängt jedoch stark vom Verlauf des Krieges im Nahen Osten ab.
2. Industrie
- Die Industrieproduktion erhielt im dritten Quartal einen Dämpfer. Zwar stieg sie im August saisonbereinigt leicht, blieb aber deutlich unter dem Niveau des Vorquartals.
- Hauptbelastungen:
- Schwache Automobilindustrie (u.a. durch unüblich viele Werksferien im August und Umstellung auf E‑Produktion).
- Rückgang in energieintensiven Branchen (Kokerei, Mineralölverarbeitung, Chemie) aufgrund von Niedrigwasserfolgen und ausgelaufenen Sondereffekten (Lageraufbau wegen Irakkrieg/Lieferkettenrisiken im Vorquartal).
- Ohne diese belasteten Bereiche lag die Produktion über dem Vorquartalsniveau, was auf die vorübergehende Natur der Schwäche hindeutet.
- Auftragslage: Der Auftragseingang ging im August stark zurück, vor allem aufgrund volatiler Großaufträge im Fahrzeugbau. Auch ohne Großaufträge gab es einen leichten Rückgang, wobei Inlandsbestellungen stabilisierend wirkten, Auslandsaufträge jedoch weiter sanken.
3. Privater Konsum
- Vom privaten Konsum gingen im dritten Quartal kaum positive Impulse aus.
- Reale Einzelhandelsumsätze blieben trotz eines Anstiegs im August deutlich unter dem Niveau des zweiten Quartals.
- Der Tankrabatt führte zu Verzerrungen: Käufe wurden aus September in den Oktober verschoben (Wiedereinführung des Rabatts), was die September-Umsätze drückte. Ähnliche Effekte gab es bereits im Juni/Juli.
- Stützend wirkten hingegen die gestiegenen privaten Zulassungen von Personenkraftwagen.
4. Arbeitsmarkt
- Verschlechterung: Die Zahl der Erwerbstätigen sank im August saisonbereinigt um 29.000 auf 45,62 Millionen. Besonders rückläufig waren geringfügige Beschäftigung und Selbstständigkeit. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ging leicht zurück (Fokus auf Verarbeitendes Gewerbe und Handel).
- Gegenläufiger Trend: Im Gesundheits- und Sozialwesen setzte sich der starke Beschäftigungsaufbau fort.
- Arbeitslosigkeit: Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg im September nur minimal auf 3,01 Millionen Personen; die Quote blieb bei 6,4 %.
- Ausblick: Frühindikatoren (ifo-Beschäftigungsbarometer, IAB-Barometer) deuten darauf hin, dass sich das Tempo des Beschäftigungsabbaus verringern könnte. Die Arbeitslosigkeit dürfte in den nächsten Monaten konstant bleiben.
5. Preise und Inflation
- Energierohstoffe: Die Preise stiegen im September und Oktober breit und kräftig an, getrieben durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten (eingeschränkte Exporte aus der Golfregion, höhere Frachtraten).
- Brent-Rohöl: Durchschnittlich 126 US-$ im Oktober.
- Europäisches Erdgas: Durchschnittlich 82 € je Megawattstunde im Oktober (mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor).
- Inflationsrate (HVPI): Stieg im September deutlich auf 3,3 % (nach 2,9 % im August). Dies ist der höchste Wert seit Ende 2023.
- Haupttreiber: Stark gestiegene Energiepreise (Kraftstoffe, Heizöl).
- Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel): Leicht gesunken auf 2,5 %.
- Prognose: Die Inflationsrate dürfte vorerst erhöht bleiben. Zu Beginn 2027 wird ein weiterer Anstieg erwartet, da dann die Gesundheitsreform (höhere Zuzahlungen) wirksam wird und der Tankrabatt ausläuft. Die Unsicherheit bezüglich der Energiepreisentwicklung bleibt hoch.
Quelle: Bundesbank