Mie­ten­re­ports 2026

Die Woh­nungs­kri­se in Deutsch­land hat sich zu einer Sozi­al­staats­kri­se ent­wi­ckelt. Stei­gen­de Mie­ten, hohe Neben­kos­ten und der Man­gel an bezahl­ba­rem Wohn­raum belas­ten nicht nur die Haus­hal­te direkt, son­dern füh­ren zu einem mas­si­ven Anstieg der Aus­ga­ben für sozi­al­staat­li­che Leis­tun­gen wie Wohn­geld und Kos­ten der Unter­kunft. Der Sozi­al­staat sub­ven­tio­niert damit einen dys­funk­tio­na­len Woh­nungs­markt.

Zen­tra­le Befun­de

1. Aktu­el­le Sor­gen der Mie­ter (Befra­gung Juni/Juli 2026)

  • 58 % der Mie­ter berich­ten von gestie­ge­nen Wohn­kos­ten im letz­ten Jahr.
  • 50 % sor­gen sich, im Bedarfs­fall kei­ne bezahl­ba­re Ersatz­woh­nung zu fin­den.
  • 29 % haben gro­ße oder sehr gro­ße Sor­gen, die Mie­te künf­tig nicht mehr zah­len zu kön­nen.
  • Finan­zi­el­le Reser­ven: Mehr als jeder vier­te Mie­ter (28 %) könn­te bei einem plötz­li­chen Ein­kom­mens­ver­lust (z. B. Arbeits­lo­sig­keit) die Mie­te höchs­tens drei Mona­te wei­ter­zah­len; 10 % sogar weni­ger als einen Monat.
  • Spar­ef­fek­te: Wegen gestie­ge­ner Wohn­kos­ten wird vor allem an Rücklagen/Altersvorsorge (52 %), Frei­zeit (49 %) und not­wen­di­gen Anschaf­fun­gen (46 %) gespart.

2. Mie­ter im Über­blick & Sozia­le Spal­tung

  • Deutsch­land bleibt mit einer Miet­quo­te von 52,8 % das „Mie­ter­land Nr. 1“ in Euro­pa (EU-Durch­schnitt: 31,5 %).
  • Sozia­le Pola­ri­sie­rung: Fast vier von fünf armuts­be­trof­fe­nen Men­schen (78,4 %) woh­nen zur Mie­te. Wohn­ei­gen­tum wird zuneh­mend zum Pri­vi­leg ein­kom­mens­star­ker Haus­hal­te.
  • Nur 14 % der armuts­be­trof­fe­nen Haus­hal­te leben in ver­güns­tig­ten Woh­nun­gen; die Mehr­heit zahlt vol­le Markt­mie­te.

3. Wohn­kos­ten­über­las­tung

  • 11,2 % der Bevöl­ke­rung gel­ten als extrem wohn­kos­ten­über­las­tet (geben mehr als 40 % ihres Ein­kom­mens für Woh­nen aus). Bei armuts­be­trof­fe­nen Haus­hal­ten liegt die­se Quo­te bei alar­mie­ren­den 35 %.
  • Ener­gie­ar­mut: Haus­hal­te mit den nied­rigs­ten Ein­kom­men geben durch­schnitt­lich 12 % ihres Net­to­ein­kom­mens allein für Wär­me­en­er­gie aus. Sie woh­nen oft in ener­ge­tisch schlech­ten Gebäu­den und zah­len pro Qua­drat­me­ter die höchs­ten Heiz­kos­ten.
  • Zah­lungs­rück­stän­de: 2,2 % der Bevöl­ke­rung haben Rück­stän­de bei Miete/Hypotheken, 4,6 % bei Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men (Strom/Gas/Wasser). Beson­ders betrof­fen sind Fami­li­en mit Kin­dern.

4. Wohn­ver­hält­nis­se

  • Über­be­le­gung: Knapp jeder fünf­te Mie­ter lebt in einer über­be­leg­ten Woh­nung. Bei armuts­be­trof­fe­nen Per­so­nen sind es 27,4 %.
  • Unter­be­le­gung: Im Gegen­satz dazu leben 54,9 % der Eigen­tü­mer in unter­be­leg­ten Woh­nun­gen (mehr Raum als nötig). Dies zeigt eine extre­me Ungleich­ver­tei­lung des Wohn­raums.
  • Wohn­qua­li­tät: Jede ach­te armuts­be­trof­fe­ne Per­son kann ihre Woh­nung nicht aus­rei­chend behei­zen. 14,7 % der Bevöl­ke­rung kön­nen sich den Ersatz abge­wohn­ter Möbel nicht leis­ten (bei Armuts­be­trof­fe­nen: 36,3 %).

5. Woh­nen und Sozi­al­staat

  • Wohn­geld: Die Zahl der Wohn­geld­haus­hal­te hat sich seit 2020 ver­dop­pelt (ca. 1,2 Mio. Ende 2023). Die Aus­ga­ben stie­gen auf 4,7 Mrd. Euro (2024). Wohn­geld ver­hin­dert Armut, ist aber eine Fol­ge zu hoher Mie­ten, kei­ne Lösung des Ange­bots­pro­blems. Geplan­te Kür­zun­gen wer­den vom Mie­ter­bund abge­lehnt.
  • Kos­ten der Unter­kunft (Grund­si­che­rung): Im April 2026 bezo­gen ca. 2,49 Mio. Bedarfs­ge­mein­schaf­ten Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung. Die­se Leis­tun­gen glei­chen struk­tu­rell hohe Mie­ten aus.
  • Sozia­ler Woh­nungs­bau: Der Bestand an Sozi­al­woh­nun­gen ist 2025 auf einen his­to­ri­schen Tief­stand von 1,03 Mil­lio­nen gesun­ken, da mehr Bin­dun­gen aus­lau­fen als neue geschaf­fen wer­den. Es feh­len schät­zungs­wei­se 1,4 Mil­lio­nen Woh­nun­gen ins­ge­samt.

For­de­run­gen des Deut­schen Mie­ter­bun­des

Der Report for­dert einen poli­ti­schen Kurs­wech­sel, da Woh­nungs­po­li­tik heu­te Sozi­al­po­li­tik ist:

  1. Mie­ten­an­stieg stop­pen: Bun­des­wei­ter Mie­ten­stopp, Ver­schär­fung der Miet­preis­brem­se, Abschaf­fung von Umge­hungs­mo­del­len (z. B. Möblie­rungs­zu­schlä­ge).
  2. Sozi­al­woh­nun­gen ver­dop­peln: Ziel sind min­des­tens 2 Mil­lio­nen Sozi­al­woh­nun­gen bis 2030 („Ein­mal Sozi­al­woh­nung – immer Sozi­al­woh­nung“) sowie jähr­lich 60.000 neue bezahl­ba­re Miet­woh­nun­gen.
  3. Mie­ter­schutz stär­ken: Ein­schrän­kung von Eigen­be­darfs­kün­di­gun­gen und Umwand­lun­gen in Eigen­tum.
  4. Wohn­kos­ten sen­ken: Kei­ne Kür­zun­gen beim Wohn­geld, fai­re Ver­tei­lung der Kos­ten von Kli­ma­schutz­maß­nah­men.
  5. Gemein­wohl­ori­en­tie­rung: Woh­nen als Grund­recht im Grund­ge­setz ver­an­kern, Boden­spe­ku­la­ti­on ein­däm­men.

Fazit: Eine nach­hal­ti­ge Ent­las­tung des Sozi­al­staats gelingt nicht durch Leis­tungs­kür­zun­gen, son­dern nur durch wirk­sa­men Mie­ter­schutz und einen mas­si­ven Aus­bau des gemein­wohl­ori­en­tier­ten Woh­nungs­be­stands.


Quel­le: Mietenreport-2026.pdf

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