1. Das Novum: Ein Doppel-Kader mit 44 Spielern
- Aufteilung in zwei Kader: Klopp nominiert insgesamt 44 Spieler, aufgeteilt auf zwei Blöcke für die vier Spiele innerhalb von zwei Wochen (Auftakt in Amsterdam gegen die Niederlande).
- Begründung: Enge Termindichte, minimale Regenerationszeiten (oft nur 1,5 Trainingseinheiten vor den Spielen) und Belastungssteuerung für die Vereine vor dem Start der Europapokal-Wettbewerbe. Zudem möchte Klopp nach elf Jahren im Ausland möglichst viele Spieler persönlich und im Training/Spiel kennenlernen.
- Ausnahmen (in beiden Kadern):
- Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala und Serge Gnabry bleiben die vollen zwei Wochen beim Team, um nach schwierigeren Phasen Spiel- und Trainingsrhythmus aufzubauen.
- Torwart Finn Dahmen steht ebenfalls in beiden Aufgeboten.
2. Schlüsselpositionen & Führungsachse
- Torhüter: Marc-André ter Stegen ist die klare Nummer 1 für das erste Spiel. Klopp lobt seine Klasse und Erfahrung (u. a. bei Ajax Amsterdam). Dahinter soll die nächste Generation herangeführt werden (u. a. Urbig, Nübel, Atubolu, Dahmen). Oliver Baumann wurde aus Gründen des Generationenwechsels nicht nominiert.
- Joshua Kimmich: Wird von Klopp explizit als zentraler Mittelfeldspieler eingeplant (nicht als Rechtsverteidiger) und bleibt Kapitän des ersten Kaders. Klopp erwartet von ihm Führungsqualitäten und Spitzenleistungen im Vereinsrhythmus.
- Florian Wirtz: Klopp lobt dessen herausragende Laufbereitschaft (inzwischen bei Liverpool) und will den Druck von ihm nehmen: Wirtz soll nicht an Einzelszenen oder Scorerpunkten gemessen werden, sondern im funktionierenden Mannschaftsgefüge aufgehen.
3. Taktische Ausrichtung: Defensive als Basis
- Ballorientierte Raumdeckung: Klopp erteilt der im Vereinsfußball teils praktizierten Manndeckung über den ganzen Platz eine Absage. Er setzt auf sein bewährtes Prinzip der ballorientierten Raumdeckung.
- Stabilität vor Offensive: Die Defensive ist das „Trampolin und Fangnetz“. Da wenig Trainingszeit vorhanden ist, rechnet Klopp anfangs mit einem gewissen „organisierten Chaos“, fordert jedoch sofortige Lebendigkeit und maximale defensive Bereitschaft von allen Spielern.
4. Neue Gesichter, Überraschungen und Absagen
- Überraschende Nominierungen & Debütanten:
- Junge Talente: Lennart Karl und Tom Bischof (beide FC Bayern; Bischof spielt zuerst bei der U21, stößt im zweiten Block dazu), Mika Baur, Felix Keidel, Bamba Conté, Hennes Behrens, Finn Jeltsch (VfB Stuttgart).
- Freiburg-Block & Profilspieler: Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Max Rosenfelder sowie Josha Vagnoman.
- Sturm: Farès/Junis (Eintracht Frankfurt, nach starker Entwicklung aus Elversberg) und Jonathan Burkardt neben etablierten Kräften wie Kai Havertz und Kevin Schade.
- Nicht im Kader / Fehlende Spieler:
- Antonio Rüdiger: Ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.
- Leroy Sané & Dennis Undav: Haben noch keinen Rhythmus/Form in der neuen Saison gefunden (Tür bleibt offen).
- Verletzungen: Leon Goretzka, Jamie Leweling, Angelo Stiller (Knieprobleme) und Assan Ouédraogo (Schulteroperation nötig).
- Sonderfälle:
- Nicolo Tresoldi: Noch keine Verbandsentscheidung (Deutschland vs. Italien); Klopp will dem Stürmer Zeit geben und keinen Druck ausüben.
- Paris Brunner: Aktuell Thema für die U21.
5. Philosophie, Gesellschaft & Arbeitsweise
- Motto-Kappe „Einer/Eine von 83 Millionen“: Klopp verteilte Caps an die Journalisten. Er plädiert für einen „positiven Patriotismus“, möchte das Zeigen der Landesfahne normalisieren und das Gemeinschaftsgefühl sowie den Spaß am Sport wieder in den Vordergrund rücken („Wir dürfen den Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“).
- Umgang mit Daten: Klopp bezeichnet sich als eher „oldschool“. Daten wie Topspeed (z. B. 34–38 km/h) sind für ihn nur Zusatzinformationen; entscheidend bleiben das persönliche Auge, Spielintelligenz, Charakter und das direkte Gespräch.
Aktivistischer Bundestrainer
Der Begriff „positiver Patriotismus“ fällt in der Pressekonferenz tatsächlich wörtlich. Jürgen Klopp nutzt ihn bei der Beantwortung einer Frage von Journalist Christian Falk (Sport Bild).
Hier ist der genaue Kontext und wie Klopp diesen Gedanken ausführt:
1. Die Herkunft des Begriffs im Gespräch
Klopp spricht darüber, dass er nach den jüngsten Wahlen und gesellschaftlichen Stimmungen nachdenklich geworden sei und erklärt:
„Ich hatte auch mal den Gedanken für mich im Kopf, ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen, um ehrlich zu sein. Aber ich weiß nicht, ob man das Wort überhaupt so benutzen darf, da bin ich mir gar nicht sicher, ohne dass es falsch verstanden wird. Das wurde mir dann gesagt, man könne es als positiven Patriotismus bezeichnen. Gerne, ist mir egal.“
2. Was Klopp inhaltlich darunter versteht
Klopp umschreibt seine Haltung anhand mehrerer Punkte:
- „Die Fahne zurückholen“:
Er wünscht sich, dass man die Deutschlandfahne schwenken kann, ohne dass andere direkt misstrauisch reagieren („dass niemand denkt: was ist mit dir nicht in Ordnung?“). - Dankbarkeit und Inklusion:
Es gehe um das Gefühl, glücklich darüber zu sein, in diesem Land leben zu dürfen – egal ob man hier „geboren, aufgewachsen oder zugezogen“ ist. - Kein Widerspruch zu Weltoffenheit:
Für Klopp schließt das eine das andere nicht aus: „Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? All diese Dinge? Ich bin hundertprozentig sicher: Ja.“ - Die Kappe als Symbol:
Passend dazu hat er Kappen mit dem Aufdruck „Einer von 83 Millionen“ (bzw. „Eine von 83 Millionen“) mitgebracht, um den Sport als verbindendes Element und Gemeinschaftsgefühl greifbar zu machen.
Anscheinend können Schönheitsoperationen auch bei Männern dem Gehirn schaden.