Voll­zugs­de­fi­zi­te bei der Durch­set­zung des Aufenthalts‑, Asyl- und Staats­an­ge­hö­rig­keits­rechts

Wor­um es ins­ge­samt geht

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zu angeb­li­chen Voll­zugs­de­fi­zi­ten im Aufenthalts‑, Asyl- und Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht. Die Fra­gen bezie­hen sich stark auf ein Schrei­ben der Deut­schen Poli­zei­ge­werk­schaft (DPolG), die ver­schie­de­ne Refor­men gefor­dert hat­te.

Die Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung blei­ben über­wie­gend all­ge­mein, ver­wei­sen häu­fig auf bestehen­de Zustän­dig­kei­ten der Län­der, lau­fen­de Prüf­pro­zes­se oder den Koali­ti­ons­ver­trag.

Zen­tra­le Aus­sa­gen der Bun­des­re­gie­rung

Bewer­tung der DPolG-For­de­run­gen

  • Die Bun­des­re­gie­rung nimmt die Stel­lung­nah­me „zur Kennt­nis“.
  • Vor­schlä­ge wer­den wie üblich in Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen.
  • Kon­kre­te Reform­zu­sa­gen wer­den nicht gemacht.

Geprüf­te Reform­maß­nah­men

  • Die Bun­des­re­gie­rung prüft Gesetz­ge­bung fort­lau­fend.
  • Kei­ne detail­lier­ten Ergeb­nis­se zu ein­zel­nen Vor­schlä­gen.
  • Ver­weis auf Ant­wort zu Fra­ge 1.

Umset­zung bis Ende 2026

  • Kei­ne kon­kre­ten Maß­nah­men genannt.
  • Regie­rung ori­en­tiert sich am Koali­ti­ons­ver­trag.

Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht

  • DPolG hat laut Bun­des­re­gie­rung kei­ne kon­kre­ten Vor­schlä­ge gemacht.
  • Daher kei­ne Bewer­tung.

Aus­wei­sung von Straftätern/Gefährdern

  • Ände­rungs­be­darf wird „fort­lau­fend geprüft“.
  • Regie­rung ver­weist auf Gewal­ten­tei­lung: lau­fen­de Ent­schei­dungs­pro­zes­se sind nicht aus­forsch­bar.

§ 73b AsylG (Hei­ma­trei­sen)

  • Kein zusätz­li­cher Hand­lungs­be­darf über Koali­ti­ons­ver­trag hin­aus.

Aktu­el­le Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren

  • Gesetz zum Ein­satz künst­li­cher Intel­li­genz in der Migra­ti­ons­ver­wal­tung (beschlos­sen am 29. Juli 2026).
  • Wei­te­re Vor­ha­ben wer­den nicht offen­ge­legt.

Voll­zugs­de­fi­zi­te bei Rück­füh­run­gen

  • Län­der sind zustän­dig für Rück­füh­run­gen.
  • Bund unter­stützt u. a. bei Pass­ersatz­pa­pie­ren, Sicher­heits­be­glei­tung, Rück­kehr­zen­tren.
  • EU-Ebe­ne: Unter­stüt­zung eines effek­ti­ven Rück­kehr­sys­tems und „Return Hubs“.

Sta­tis­ti­ken zu Straftätern/Gefährdern

  • AZR erfasst die abge­frag­ten Daten nicht.
  • Daher kei­ne Zah­len ver­füg­bar.

Bun­des­ein­heit­li­che Sta­tis­ti­ken

  • Bun­des­re­gie­rung lehnt ab: kein Mehr­wert, Res­sour­cen wür­den gebun­den.

Dau­er von Rück­füh­run­gen

  • Kei­ne Daten vor­han­den.

Maß­nah­men zur Besei­ti­gung von Voll­zugs­hin­der­nis­sen

  • Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Rück­füh­rung (Febru­ar 2024).
  • Pflicht­bei­stand bei Abschie­bungs­haft abge­schafft.

Wesent­li­che Voll­zugs­hemm­nis­se

  • Pass­lo­sig­keit.
  • Unge­klär­te Iden­ti­tät.
  • Rechts­mit­tel.
  • Orga­ni­sa­to­ri­scher Auf­wand (z. B. medi­zi­ni­sche Bedar­fe).
  • Feh­len­de Flug­ver­bin­dun­gen.

Dau­er von Wider­rufs-/Rück­nah­me­ver­fah­ren

  • Nur BAMF-Daten ver­füg­bar:
    • 2023: Ø 19,1 Mona­te
    • 2024: Ø 30,3 Mona­te
    • 2025: Ø 38,2 Mona­te
      1. Halb­jahr 2026: Ø 33,9 Mona­te

Aus­wei­sungs­ver­fü­gun­gen

  • Gesamt 2023–1. Halb­jahr 2026: 29.904 Ver­fü­gun­gen.
  • Kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Aus­wei­sungs­ar­ten ver­füg­bar.

Hei­ma­trei­sen von Schutz­be­rech­tig­ten

  • Anzahl der ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren:
    • 2023: 2.172
    • 2024: 3.459
    • 2025: 6.362
      1. Halb­jahr 2026: 3.307

Iden­ti­täts­fest­stel­lung & Mehr­fach­iden­ti­tä­ten

  • Viel­zahl von Instru­men­ten im BAMF:
    • Fin­ger­ab­drü­cke, Regis­ter­ab­glei­che, SIS, Asyl­Kon
    • PTU-Doku­men­ten­prü­fung
    • Daten­trä­ger­aus­wer­tung
    • Dia­lekt­ana­ly­se (DIAS)
    • Bild­bio­me­trie (LiBi­As)
    • OSINT-Recher­chen
    • Sprach- und Text­ana­ly­se
  • Euro­dac wur­de zur umfas­sen­den Migra­ti­ons­da­ten­bank aus­ge­baut.
  • Gesetz­li­che Erwei­te­run­gen zur Durch­su­chung und Digi­ta­li­sie­rung.

Zusam­men­ar­beit mit Her­kunfts­staa­ten

  • Kein sta­tis­ti­scher Über­blick über ver­wei­ger­te Rück­nah­men.
  • Aus­tausch mit Her­kunfts­staa­ten wird fort­lau­fend inten­si­viert.
  • EU: visum­be­schrän­ken­de Maß­nah­men nach Art. 25a Visa­ko­dex mög­lich.

Behör­den­zu­sam­men­ar­beit

  • Regel­mä­ßi­ge Pro­zess­prü­fun­gen.
  • Opti­mie­run­gen wer­den bei Bedarf umge­setzt.

Geplan­te Maß­nah­men bis Ende 2026

  • Kei­ne kon­kre­ten Anga­ben.
  • Ver­weis auf Koali­ti­ons­ver­trag und lau­fen­de Abstim­mun­gen.

Kurz­fa­zit

Die Bun­des­re­gie­rung ant­wor­tet über­wie­gend aus­wei­chend, ver­weist häu­fig auf:

  • Zustän­dig­keit der Län­der,
  • lau­fen­de Prü­fun­gen,
  • den Koali­ti­ons­ver­trag,
  • feh­len­de sta­tis­ti­sche Daten.

Kon­kre­te Reform­plä­ne oder Maß­nah­men wer­den nur sel­ten benannt. Die Ant­wor­ten blei­ben größ­ten­teils all­ge­mein und for­mal.


Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7752

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