War­um deut­sches Ver­mö­gen wie­der in die Schweiz strömt

Das Bank­ge­heim­nis ist Geschich­te, die deut­sche Weg­zugs­be­steue­rung ist ver­schärft, und doch erlebt die Schweiz einen Zufluss deut­schen Ver­mö­gens, wie ihn die Bran­che seit Jah­ren nicht mehr gese­hen hat. Mit dem alten Mus­ter, bei dem Schwarz­geld unter dem Schutz dis­kre­ter Ban­ker ver­steckt wur­de, hat das wenig zu tun. Die neue Moti­va­ti­on ist eine ande­re: Wer viel besitzt, will es absi­chern. Gefragt ist ein Plan B für den Fall, dass zu Hau­se etwas schief­geht.

Die Sor­gen der Ver­mö­gen­den sind viel­fäl­tig. Sie rei­chen von der Furcht vor Son­der­ab­ga­ben, Ent­eig­nun­gen und Wäh­rungs­re­for­men bis zu Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len. Hin­zu kommt die steu­er­po­li­ti­sche Debat­te in Deutsch­land. Vor­stö­ße etwa der SPD, die Erb­schaft­steu­er zu ver­schär­fen oder die Ver­mö­gen­steu­er wie­der­zu­be­le­ben, ver­un­si­chern vor allem Unter­neh­mer und Fami­li­en­un­ter­neh­men, deren Ver­mö­gen häu­fig im Betrieb gebun­den ist. Dazu kom­men ganz kon­kre­te recht­li­che Risi­ken. Schwei­zer Ban­ker berich­ten von Fäl­len, in denen Ver­mö­gen in Deutsch­land im Zuge von Ermitt­lungs­ver­fah­ren kurz­fris­tig ein­ge­fro­ren wur­de. Ein Aus­lands­kon­to dient dann als eine Art finan­zi­el­le Lebens­ver­si­che­rung, mit der man zah­lungs­fä­hig bleibt, wäh­rend hier­zu­lan­de nichts mehr geht.

Dahin­ter steht auch eine neue Men­ta­li­tät, die sich bei Super­rei­chen zuneh­mend durch­setzt. Ange­lehnt an ame­ri­ka­ni­sche Mil­li­ar­dä­re wie Peter Thiel oder Sam Alt­man, denen eine gewis­se Prep­per-Hal­tung nach­ge­sagt wird, set­zen auch ver­mö­gen­de deut­sche Fami­li­en ver­stärkt auf län­der­über­grei­fen­de Absi­che­rung. „Sove­reign Port­fo­li­os“ heißt das Schlag­wort: Ver­mö­gen und Wohn­sit­ze wer­den geo­gra­fisch gestreut, damit kein ein­zel­ner Staat Zugriff auf alles hat.

Die Schwei­zer Finanz­bran­che hat die­se Nach­fra­ge erkannt und bedient sie mit Ange­bo­ten, die auf die jewei­li­ge Ver­mö­gen­s­klas­se zuge­schnit­ten sind. Im Ein­stiegs- und Mit­tel­seg­ment mischt die DZ Pri­vat­bank Schweiz mit, die Toch­ter der deut­schen Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken. Sie wächst rasant: 2025 stieg der Rein­ge­winn um 89 Pro­zent, das ver­wal­te­te Ver­mö­gen klet­ter­te auf 9,7 Mil­li­ar­den Euro. Rechts­raum-Diver­si­fi­ka­ti­on, also die Ver­tei­lung des Ver­mö­gens auf meh­re­re Rechts­ord­nun­gen, gibt es dort bereits ab 60.000 Euro.

Deut­lich exklu­si­ver geht es bei den klas­si­schen Pri­vat­ban­ken zu. Reich­muth & Co. in Luzern bedient eine Kli­en­tel ab etwa zwei Mil­lio­nen Euro und ver­mark­tet das Kon­zept des „Not­fall­kof­fers“. Er ent­hält phy­si­sches Gold, Schwei­zer Fran­ken und Schwei­zer Staats­an­lei­hen und soll vor Sys­tem­kri­sen schüt­zen. Ganz oben in der Hoch­fi­nanz schließ­lich bewegt sich die UBP in Zürich, die sich an Kun­den mit 50 Mil­lio­nen Fran­ken und mehr rich­tet. Sie ver­steht sich als „Lebens­be­glei­ter“, der neben der Geld­an­la­ge auch Zugang zu Netz­wer­ken, Immo­bi­li­en und Kunst ver­mit­telt, eben­so wie zu schnel­ler Spit­zen­me­di­zin.

Der Andrang kommt kei­nes­wegs nur aus Deutsch­land. Die Schweiz ver­zeich­net auch einen star­ken Zulauf von Super­rei­chen aus dem Nahen Osten, nicht zuletzt wegen der geo­po­li­ti­schen Kon­flik­te in der Golf­re­gi­on. Die Kon­kur­renz um die sichers­ten Plät­ze ist also inter­na­tio­nal.

Gra­tis ist die Sicher­heit aller­dings nicht. Fran­ken­an­lei­hen wer­fen kaum Zin­sen ab, und Zen­tren wie Zürich oder Genf sind alles ande­re als steu­er­güns­tig. Wer sein Ver­mö­gen in die Schweiz bringt, zahlt für die Sta­bi­li­tät mit ent­gan­ge­ner Ren­di­te und hohen Lebens­hal­tungs­kos­ten. Zudem ist auch das Alpen­land nicht frei von poli­ti­schen Risi­ken. Auch dort wird über Umver­tei­lung gestrit­ten, etwa in Form von Initia­ti­ven zur Erb­schaft­steu­er, die zwar geschei­tert sind, die Sze­ne der Fami­ly-Offices aber auf­merk­sam und ner­vös beob­ach­tet.

So zeigt sich ein para­do­xes Bild: Die Schweiz pro­fi­tiert von einem Miss­trau­en, das sie selbst nicht voll­stän­dig aus­räu­men kann. Der siche­re Hafen ist teu­er, und nie­mand garan­tiert, dass er es auf Dau­er bleibt. Für vie­le Ver­mö­gen­de scheint das den Preis den­noch wert zu sein, denn ein Plan B ist für sie weni­ger eine Fra­ge der Ren­di­te als eine der Gelas­sen­heit.


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