War­um begann die indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on in Groß­bri­tan­ni­en?

Die Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on lässt sich nicht auf eine ein­zel­ne Erfin­dung oder Ursa­che zurück­füh­ren. Sie ent­stand aus dem Zusam­men­wir­ken tech­ni­scher, wirt­schaft­li­cher, geo­gra­fi­scher, poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lun­gen.

James Watt gilt häu­fig als Schlüs­sel­fi­gur, erfand die Dampf­ma­schi­ne jedoch nicht. Schon zu Beginn des 18. Jahr­hun­derts pump­ten New­co­men-Maschi­nen Was­ser aus Berg­wer­ken. Watt ver­bes­ser­te die­se Tech­nik – vor allem durch den sepa­ra­ten Kon­den­sa­tor – erheb­lich: Sei­ne Maschi­nen arbei­te­ten deut­lich ener­gie­ef­fi­zi­en­ter und lie­ßen sich viel­sei­ti­ger ein­set­zen.

Ein wich­ti­ger Vor­teil Groß­bri­tan­ni­ens war der Zugang zu umfang­rei­chen und leicht erreich­ba­ren Koh­le­vor­kom­men. Koh­le lie­fer­te weit mehr Ener­gie als die tra­di­tio­nel­len Quel­len Holz, Wind, Was­ser sowie mensch­li­che und tie­ri­sche Mus­kel­kraft. Zugleich ent­las­te­te sie die begrenz­ten Land­flä­chen, die auch für Acker­bau, Vieh­hal­tung und die Gewin­nung von Brenn­holz benö­tigt wur­den.

Eine ein­fluss­rei­che wirt­schafts­his­to­ri­sche Erklä­rung stellt das bri­ti­sche Ver­hält­nis von Löh­nen und Ener­gie­prei­sen in den Mit­tel­punkt: Im 18. Jahr­hun­dert waren die Löh­ne in Tei­len Groß­bri­tan­ni­ens hoch, Koh­le hin­ge­gen bil­lig. Dar­aus ergab sich ein star­ker Anreiz, Maschi­nen zu ent­wi­ckeln, die Arbeit durch Kapi­tal und Ener­gie ersetz­ten. In ande­ren wirt­schaft­lich fort­ge­schrit­te­nen Regio­nen – etwa im chi­ne­si­schen Jang­tse-Del­ta – waren Arbeits­kräf­te dage­gen güns­tig und grö­ße­re Koh­le­vor­kom­men weit ent­fernt; ener­gie­in­ten­si­ve, arbeits­spa­ren­de Maschi­nen ren­tier­ten sich dort unter den dama­li­gen Bedin­gun­gen sel­te­ner. Die­se soge­nann­te Hoch­lohn­the­se ist in der For­schung aller­dings umstrit­ten.

Hin­zu kamen wei­te­re Fak­to­ren: Han­del, ver­läss­li­che Insti­tu­tio­nen, hand­werk­li­ches und wis­sen­schaft­li­ches Wis­sen, Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten, gut aus­ge­bau­te Ver­kehrs­we­ge sowie poli­ti­sche Sta­bi­li­tät. Auch Kolo­nia­lis­mus und Atlan­tik­han­del tru­gen zur Indus­tria­li­sie­rung bei: Die Kolo­nien lie­fer­ten Roh­stof­fe wie Baum­wol­le und boten Absatz­märk­te für bri­ti­sche Waren. Wie ent­schei­dend Kolo­nia­lis­mus und Skla­ve­rei für den Beginn der Indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on waren, wird jedoch kon­tro­vers dis­ku­tiert.

Die Indus­tria­li­sie­rung Groß­bri­tan­ni­ens beruh­te dem­nach nicht auf einem ein­zi­gen „Start­schuss“, son­dern auf einer beson­de­ren Kom­bi­na­ti­on aus güns­ti­ger Ener­gie­ver­sor­gung, wirt­schaft­li­chen Anrei­zen, tech­ni­schem Wis­sen, Han­del, Insti­tu­tio­nen und impe­ria­len Ver­flech­tun­gen.


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