416 Mil­lio­nen für Pis­to­ri­us Dienst­sitz

Der Ber­li­ner Dienst­sitz des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums soll umfas­send erwei­tert wer­den. Am Reich­piet­schu­fer ent­steht nach dem Ent­wurf des Archi­tek­tur­bü­ros Sau­er­bruch Hut­ton ein neu­er Gebäu­de­kom­plex mit zusätz­li­chen Büros, einer Kan­ti­ne und Tief­ga­ra­gen. Die ver­an­schlag­ten Kos­ten lie­gen bei min­des­tens 416 Mil­lio­nen Euro. Das ist eine enor­me Sum­me – gemes­sen an ande­ren gro­ßen Bau­vor­ha­ben des Bun­des wirkt sie jedoch bei­na­he mode­rat.

In der öffent­li­chen Debat­te wer­den für die Erneue­rung des Ber­li­ner Dienst­sit­zes des Bun­des­prä­si­den­ten sowie für Bau­vor­ha­ben des Bun­des­ta­ges inzwi­schen Sum­men bis in die Grö­ßen­ord­nung von einer Mil­li­ar­de Euro genannt. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint das Pro­jekt des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums zunächst ver­gleichs­wei­se güns­tig. Dabei han­delt es sich aller­dings nicht um einen klei­nen Anbau: Die Erwei­te­rung soll rund 35.000 Qua­drat­me­ter umfas­sen. Damit wäre allein die zusätz­li­che Flä­che deut­lich grö­ßer als die bebau­te Flä­che des Reichs­tags­ge­bäu­des.

Ein wesent­li­cher Kos­ten­trei­ber dürf­ten die beson­de­ren Sicher­heits­an­for­de­run­gen sein. Das Vor­ha­ben ist von Beginn an als Ver­schluss­sa­che ein­ge­stuft. An dem Archi­tek­tur­wett­be­werb durf­ten sich nur Büros mit Sitz in Deutsch­land betei­li­gen. Die Pla­nungs­un­ter­la­gen dür­fen wäh­rend der gesam­ten Bau­pha­se nicht ins Aus­land gebracht wer­den. Für Mit­ar­bei­ter mit bestimm­ten dop­pel­ten Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten gel­ten zusätz­li­che Aus­schluss­re­geln. Die Sicher­heits­auf­la­gen ent­spre­chen laut Bericht den stren­gen Bedin­gun­gen beim Aus­bau des Bun­des­kanz­ler­am­tes.

Neben neu­en Arbeits­plät­zen soll das gesam­te Are­al neu geord­net wer­den. Geplant sind unter ande­rem eine neue Kan­ti­ne, begrün­te Innen­be­rei­che und ein Para­de­platz zwi­schen Staats­gäs­te­trep­pe und Ehren­mal. Der his­to­ri­sche Bend­ler­block bleibt dabei das Zen­trum der Lie­gen­schaft. Er wird seit 1993 als zwei­ter Dienst­sitz des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums genutzt und ist zugleich ein bedeu­ten­der Erin­ne­rungs­ort an den mili­tä­ri­schen Wider­stand gegen Hit­ler.

Ob die bis­lang genann­ten 416 Mil­lio­nen Euro am Ende aus­rei­chen, bleibt aller­dings offen. Der Betrag wird aus­drück­lich als Min­dest­kos­ten bezeich­net, und ein Ter­min für den Bau­start steht noch nicht fest. Je län­ger sich Pla­nung und Bau ver­zö­gern, des­to grö­ßer wird das Risi­ko stei­gen­der Material‑, Per­so­nal- und Finan­zie­rungs­kos­ten. Auch zusätz­li­che Sicher­heits­an­for­de­run­gen oder nach­träg­li­che Pla­nungs­än­de­run­gen könn­ten die Rech­nung erhö­hen.

Des­halb ist das Pro­jekt zwar im Ver­gleich zu den dis­ku­tier­ten Mil­li­ar­den­vor­ha­ben ande­rer Ver­fas­sungs­or­ga­ne rela­tiv güns­tig. Von einem Schnäpp­chen kann den­noch kei­ne Rede sein. Die ent­schei­den­de Fra­ge wird nicht sein, ob der Neu­bau anfangs mit 416 Mil­lio­nen Euro kal­ku­liert wur­de, son­dern ob die­ser Kos­ten­rah­men bis zur Fer­tig­stel­lung tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wer­den kann.


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