Henkel-Halbjahresfinanzbericht 2026
Henkel erzielte im ersten Halbjahr 2026 trotz eines schwierigen geopolitischen und konjunkturellen Umfelds ein solides operatives Ergebnis. Das organische Wachstum beschleunigte sich deutlich, während Wechselkurseffekte und höhere Restrukturierungs- sowie Akquisitionskosten die berichteten Ergebnisse belasteten.
Zentrale Kennzahlen
Der Konzernumsatz lag bei 10,35 Mrd. Euro und damit nominal 0,5 % unter dem Vorjahr. Organisch, also ohne Wechselkurs- und Portfolioeffekte, wuchs Henkel jedoch um 3,2 %. Preissteigerungen trugen 1,1 Prozentpunkte und höhere Absatzmengen 2,1 Prozentpunkte bei. Negative Wechselkurseffekte belasteten den Umsatz mit 3,9 %.
Das bereinigte EBIT stieg leicht um 0,3 % auf 1,62 Mrd. Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich von 15,5 % auf 15,7 %. Das berichtete EBIT sank dagegen um 7,6 % auf 1,42 Mrd. Euro, insbesondere aufgrund höherer Restrukturierungs- und Akquisitionsaufwendungen. Der Halbjahresüberschuss ging um 11 % auf 998 Mio. Euro zurück. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie erhöhte sich auf 2,86 Euro beziehungsweise um 7,1 % bei konstanten Wechselkursen.
Entwicklung der Geschäftsbereiche
Adhesive Technologies war der stärkste Ergebnistreiber:
- Umsatz: 5,53 Mrd. Euro, nominal +2,2 %
- Organisches Wachstum: 4,5 %
- Bereinigtes EBIT: 982 Mio. Euro, +5,5 %
- Bereinigte EBIT-Marge: 17,7 %
Besonders stark entwickelte sich das Geschäftsfeld Mobilität & Elektronik mit 7,8 % organischem Wachstum. Das Wachstum beruhte sowohl auf höheren Preisen als auch auf steigenden Mengen.
Consumer Brands zeigte ein gemischtes Bild:
- Umsatz: 4,73 Mrd. Euro, nominal −3,5 %
- Organisches Wachstum: 1,7 %
- Bereinigtes EBIT: 724 Mio. Euro, −3,3 %
- Bereinigte EBIT-Marge: stabil bei 15,3 %
Das Geschäftsfeld Hair war mit 4,2 % organischem Wachstum der wesentliche Treiber. Laundry & Home Care wuchs organisch nur um 0,7 %, während die weiteren Konsumentengeschäfte um 2,1 % zurückgingen.
Regional entwickelten sich vor allem IMEA mit +14,9 % und Asien/Pazifik mit +10,3 % stark. Europa ging organisch um 1,5 % zurück.
Cashflow und Finanzierung
Der operative Cashflow erhöhte sich von 671 Mio. Euro auf 862 Mio. Euro. Der Free Cashflow stieg deutlich von 485 Mio. Euro auf 612 Mio. Euro, unter anderem aufgrund geringerer Mittelabflüsse im Nettoumlaufvermögen.
Der Cashflow aus Investitionstätigkeit betrug −1,56 Mrd. Euro, vor allem durch die getätigten Übernahmen. Zur Finanzierung der Akquisitionen emittierte Henkel Anleihen und Commercial Paper; dadurch entstand ein Finanzierungsmittelzufluss von 1,96 Mrd. Euro. Die liquiden Mittel stiegen auf 3,99 Mrd. Euro.
Die Verschuldungskennzahlen verschlechterten sich akquisitionsbedingt, bleiben jedoch solide:
- Leverage: von 0,3 auf 0,9
- Eigenkapitalquote: von 63,3 % auf 57,7 %
- Langfrist-Ratings weiterhin A/A2 mit stabilem Ausblick.
Akquisitionen und Kapitalmaßnahmen
Henkel setzte seine Portfolioexpansion fort:
- Erwerb von ATP Adhesive Systems, Spezialist für wasserbasierte Klebebänder
- Erwerb der nordamerikanischen Haarpflegemarke Not Your Mother’s
- Vereinbarung zur Übernahme des Beschichtungsspezialisten Stahl
- Erwerb von OLAPLEX im Juli 2026 nach dem Bilanzstichtag
- Abschluss eines Aktienrückkaufprogramms über rund 1 Mrd. Euro
- Dividendenerhöhung um 1,5 % auf 2,07 Euro je Vorzugsaktie.
Die Transaktionen stärken vor allem Spezialklebstoffe, Beschichtungen und das strategisch wichtige Haarpflegegeschäft.
Prognose für 2026
Aufgrund der guten Entwicklung im ersten Halbjahr hob Henkel die Umsatzprognose an:
- Organisches Konzernwachstum: 1,5 bis 3,5 %, zuvor 1,0 bis 3,0 %
- Adhesive Technologies: 2,0 bis 4,0 %
- Consumer Brands: 0,5 bis 2,5 %
- Bereinigte EBIT-Marge des Konzerns: weiterhin 14,5 bis 16,0 %
- Bereinigtes EPS bei konstanten Wechselkursen: Anstieg im niedrigen bis hohen einstelligen Prozentbereich.
Risiken und Gesamtbewertung
Henkel erwartet weiterhin schwaches globales Wachstum, volatile Währungen, hohe Inflation und einen Anstieg der direkten Materialkosten im hohen einstelligen Prozentbereich. Geopolitische Konflikte und die globale Handelspolitik bleiben zentrale Unsicherheitsfaktoren. Bestandsgefährdende Risiken sieht das Unternehmen jedoch nicht.
Fazit: Operativ verlief das Halbjahr besser, als der nominale Umsatz- und Gewinnrückgang vermuten lässt. Organisches Volumenwachstum, eine höhere bereinigte Marge und ein verbesserter Free Cashflow sprechen für ein robustes Kerngeschäft. Gleichzeitig erhöhen die umfangreichen Akquisitionen die Verschuldung, Integrationsrisiken und Finanzierungskosten. Der stärkste Bereich bleibt Adhesive Technologies; bei Consumer Brands hängt die Entwicklung zunehmend vom Haarpflegegeschäft und der erfolgreichen Integration der neuen Marken ab.