Anlei­hen im Zins­wan­del: Wo sich der Ein­stieg lohnt und wel­che Risi­ken Anle­ger unter­schät­zen

Nach einer lan­gen Pha­se his­to­risch nied­ri­ger Zin­sen sind Anlei­hen wie­der zu einer ernst zu neh­men­den Anla­ge­al­ter­na­ti­ve gewor­den. Staats- und Unter­neh­mens­an­lei­hen guter Boni­tät bie­ten Ren­di­ten, die über vie­le Jah­re kaum vor­stell­bar waren. Was auf den ers­ten Blick wie eine Rück­kehr zu nor­ma­len Ver­hält­nis­sen aus­sieht, ist aller­dings Aus­druck eines tief­grei­fen­den Wan­dels an den Kapi­tal­märk­ten. Hohe Staats­schul­den, ein wach­sen­der glo­ba­ler Finan­zie­rungs­be­darf und struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen der Welt­wirt­schaft sor­gen dafür, dass Anle­ger für die Bereit­stel­lung von Kapi­tal höhe­re Zin­sen ver­lan­gen. Damit eröff­nen sich neue Ertrags­chan­cen, zugleich stei­gen jedoch die Anfor­de­run­gen an die Aus­wahl geeig­ne­ter Anlei­hen.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist nicht mehr, ob Anlei­hen wie­der attrak­tiv sind, son­dern wel­che Risi­ken Anle­ger ein­ge­hen müs­sen, um die ange­bo­te­nen Ren­di­ten zu erzie­len. Denn eine hohe Ver­zin­sung ist kei­nes­wegs auto­ma­tisch ein Zei­chen für eine güns­ti­ge Anla­ge. Sie kann eben­so Aus­druck gestie­ge­ner Unsi­cher­heit sein. Wer heu­te in fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re inves­tiert, soll­te des­halb genau­er zwi­schen lau­fen­den Zins­er­trä­gen, mög­li­chen Kurs­ver­än­de­run­gen und tat­säch­li­chen Aus­fall­ri­si­ken unter­schei­den.

War­um die Anlei­he­ren­di­ten stei­gen

Der Anstieg der Anlei­he­ren­di­ten lässt sich nicht allein mit der Infla­ti­on oder der Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken erklä­ren. Zuneh­mend bestim­men fun­da­men­ta­le Ver­än­de­run­gen von Kapi­tal­an­ge­bot und Kapi­tal­nach­fra­ge die Preis­bil­dung. Welt­weit müs­sen Staa­ten immer grö­ße­re Schul­den­be­stän­de refi­nan­zie­ren und gleich­zei­tig zusätz­li­che Haus­halts­de­fi­zi­te finan­zie­ren. Ins­be­son­de­re die USA ste­hen vor der Her­aus­for­de­rung, erheb­li­che Men­gen neu­er Staats­an­lei­hen am Markt unter­zu­brin­gen. Auch in Euro­pa wach­sen die Finan­zie­rungs­an­for­de­run­gen, wäh­rend die poli­ti­schen Spiel­räu­me zur Kon­so­li­die­rung der öffent­li­chen Haus­hal­te begrenzt blei­ben.

Gleich­zei­tig steigt der Kapi­tal­be­darf der Pri­vat­wirt­schaft. Die gewal­ti­gen Inves­ti­tio­nen in künst­li­che Intel­li­genz, Rechen­zen­tren, Halb­lei­ter und Ener­gie­infra­struk­tur füh­ren dazu, dass selbst gro­ße und finanz­star­ke Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne ver­stärkt als Kre­dit­neh­mer auf­tre­ten. Unter­neh­men, die frü­her über­schüs­si­ge Liqui­di­tät am Kapi­tal­markt anleg­ten, kon­kur­rie­ren nun teil­wei­se selbst mit Staa­ten um die Erspar­nis­se der Inves­to­ren.

Die­ses zusätz­li­che Ange­bot an Anlei­hen muss auf eine ent­spre­chend gro­ße Nach­fra­ge tref­fen. Bleibt die­se aus, kön­nen neue Emis­sio­nen nur mit höhe­ren Ren­di­ten erfolg­reich plat­ziert wer­den. Die stei­gen­den Finan­zie­rungs­kos­ten sind damit nicht aus­schließ­lich eine Reak­ti­on auf geld­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen, son­dern auch Aus­druck eines ver­schärf­ten Wett­be­werbs um ver­füg­ba­res Kapi­tal.

Beson­ders bemer­kens­wert ist die Ent­wick­lung der Real­zin­sen, also der um die erwar­te­te Infla­ti­on berei­nig­ten Ren­di­ten. Wenn nomi­na­le Anlei­he­ren­di­ten stei­gen, ohne dass die Infla­ti­ons­er­war­tun­gen im glei­chen Aus­maß zuneh­men, erhöht sich die rea­le Ver­zin­sung. Anle­ger erhal­ten dann eine höhe­re Ent­schä­di­gung für den Ver­zicht auf gegen­wär­ti­gen Kon­sum und die lang­fris­ti­ge Bin­dung ihres Kapi­tals. Dahin­ter kön­nen opti­mis­ti­sche­re Wachs­tums­er­war­tun­gen ste­hen, aber eben­so ein höhe­rer Finan­zie­rungs­be­darf, ver­än­der­te Anle­ger­prä­fe­ren­zen oder zusätz­li­che Risi­ko­prä­mi­en.

Die zuneh­men­de Staats­ver­schul­dung ver­stärkt ins­be­son­de­re die soge­nann­te Lauf­zeit­prä­mie. Inves­to­ren ver­lan­gen einen Auf­schlag, wenn sie ihr Kapi­tal über vie­le Jah­re ver­lei­hen und sich damit lang­fris­tig gegen­über Inflations‑, Zins- und Haus­halts­ri­si­ken expo­nie­ren. Selbst wenn die Zen­tral­ban­ken ihre Leit­zin­sen künf­tig sen­ken soll­ten, müs­sen die Ren­di­ten lang­fris­ti­ger Staats­an­lei­hen des­halb nicht zwangs­läu­fig im glei­chen Umfang zurück­ge­hen. Kurz­fris­ti­ge Geld­markt­zin­sen und lang­fris­ti­ge Kapi­tal­markt­zin­sen wer­den von unter­schied­li­chen Kräf­ten beein­flusst.

Hohe Ren­di­ten bedeu­ten nicht auto­ma­tisch hohe Erträ­ge

Eine der wich­tigs­ten Beson­der­hei­ten von Anlei­hen besteht im gegen­läu­fi­gen Zusam­men­hang zwi­schen Markt­zin­sen und Anlei­he­kur­sen. Stei­gen die am Markt ver­lang­ten Ren­di­ten, ver­lie­ren bereits aus­ge­ge­be­ne fest­ver­zins­li­che Anlei­hen an Wert. Sin­ken die Ren­di­ten, stei­gen ihre Kur­se. Wie aus­ge­prägt die­se Ver­än­de­run­gen aus­fal­len, hängt wesent­lich von der Rest­lauf­zeit, der Höhe des Kupons und der soge­nann­ten Dura­ti­on ab.

Die Dura­ti­on beschreibt ver­ein­facht die Zins­sen­si­ti­vi­tät einer Anlei­he. Bei einer modi­fi­zier­ten Dura­ti­on von acht Jah­ren führt ein Anstieg der Markt­ren­di­te um einen Pro­zent­punkt nähe­rungs­wei­se zu einem Kurs­ver­lust von acht Pro­zent. Eine Anlei­he mit einer Dura­ti­on von zwei Jah­ren wür­de unter ver­gleich­ba­ren Bedin­gun­gen ledig­lich rund zwei Pro­zent ver­lie­ren. Die tat­säch­li­chen Kurs­ver­än­de­run­gen kön­nen auf­grund der Kon­ve­xi­tät und ande­rer Markt­ein­flüs­se davon abwei­chen, doch die Grö­ßen­ord­nung ver­deut­licht das Risi­ko län­ge­rer Zins­bin­dun­gen.

Gera­de bei sehr lang­fris­ti­gen Staats­an­lei­hen kön­nen die Kurs­schwan­kun­gen erheb­lich sein. Eine drei­ßig­jäh­ri­ge Anlei­he hoher Boni­tät mag hin­sicht­lich ihrer Rück­zah­lung als ver­gleichs­wei­se sicher gel­ten. Ihr Markt­wert kann zwi­schen­zeit­lich den­noch so stark schwan­ken, dass erheb­li­che Ver­lus­te ent­ste­hen. Boni­täts­si­cher­heit ist des­halb nicht mit Kurs­si­cher­heit gleich­zu­set­zen.

Aller­dings muss zwi­schen Anle­gern unter­schie­den wer­den, die eine Anlei­he vor­zei­tig ver­kau­fen möch­ten, und sol­chen, die sie bis zur End­fäl­lig­keit hal­ten kön­nen. Wer eine klas­si­sche fest­ver­zins­li­che Anlei­he zu einer bekann­ten Ren­di­te kauft und bis zur Rück­zah­lung hält, kann bei aus­blei­ben­dem Zah­lungs­aus­fall die ver­trag­lich zuge­sag­ten Zah­lungs­strö­me ver­ein­nah­men. Zwi­schen­zeit­li­che Kurs­ver­lus­te ver­än­dern die­se nomi­na­len Zah­lungs­an­sprü­che grund­sätz­lich nicht. Sie blei­ben den­noch wirt­schaft­lich rele­vant, weil sich Oppor­tu­ni­täts­kos­ten erge­ben und ein vor­zei­ti­ger Ver­kauf unter Umstän­den nur mit Ver­lust mög­lich ist.

Bei Anlei­he­fonds und Anlei­he-ETFs ist die Situa­ti­on anders. Vie­le die­ser Pro­duk­te hal­ten ein fort­lau­fend erneu­er­tes Port­fo­lio, des­sen durch­schnitt­li­che Dura­ti­on inner­halb bestimm­ter Gren­zen sta­bil bleibt. Für Anle­ger gibt es dann kei­nen ein­heit­li­chen Rück­zah­lungs­ter­min, an dem sämt­li­che ursprüng­lich erwor­be­nen Anlei­hen zum Nenn­wert fäl­lig wer­den. Dafür ermög­li­chen sol­che Pro­duk­te eine brei­te Streu­ung, lau­fen­de Wie­der­an­la­gen und eine ver­gleichs­wei­se ein­fa­che Anpas­sung des Port­fo­li­os.

Die Wahl zwi­schen Ein­zel­an­lei­hen und Fonds hängt daher nicht allein von Kos­ten oder Ren­di­te­er­war­tun­gen ab. Ent­schei­dend ist auch, ob ein Anle­ger bestimm­te zukünf­ti­ge Aus­ga­ben finan­zie­ren möch­te oder sein Ver­mö­gen dau­er­haft am Kapi­tal­markt inves­tiert bleibt.

Die Lauf­zeit ent­schei­det über das Ver­hält­nis von Chan­ce und Risi­ko

Beson­ders inter­es­sant erscheint gegen­wär­tig der mitt­le­re Lauf­zeit­be­reich. Anlei­hen mit Rest­lauf­zei­ten zwi­schen etwa fünf und zwölf Jah­ren kön­nen einen attrak­ti­ven Kom­pro­miss aus lau­fen­der Ver­zin­sung, Zins­sen­si­ti­vi­tät und Pla­nungs­si­cher­heit bie­ten. Sie ermög­li­chen eine län­ger­fris­ti­ge Fest­schrei­bung des Zins­ni­veaus, ohne die aus­ge­präg­ten Kurs­schwan­kun­gen sehr lang­lau­fen­der Papie­re voll­stän­dig über­neh­men zu müs­sen.

Eine all­ge­mein­gül­ti­ge opti­ma­le Lauf­zeit exis­tiert aller­dings nicht. Die Ent­schei­dung hängt von den indi­vi­du­el­len Anla­ge­zie­len, dem Liqui­di­täts­be­darf und der jewei­li­gen Zins­struk­tur­kur­ve ab. Wer sein Kapi­tal in zwei oder drei Jah­ren benö­tigt, soll­te nicht allein wegen einer etwas höhe­ren Ren­di­te in zehn­jäh­ri­ge Anlei­hen inves­tie­ren. Für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anle­ger kön­nen dage­gen län­ge­re Lauf­zei­ten sinn­voll sein, ins­be­son­de­re wenn sie mit sin­ken­den Markt­zin­sen rech­nen oder zukünf­ti­ge Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen absi­chern möch­ten.

Die Attrak­ti­vi­tät ver­schie­de­ner Lauf­zei­ten muss anhand der tat­säch­lich erziel­ba­ren Ren­di­te­dif­fe­ren­zen beur­teilt wer­den. Liegt die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Anlei­hen nur gering­fü­gig über der Ver­zin­sung zwei­jäh­ri­ger Papie­re, fällt die zusätz­li­che Ent­schä­di­gung für das höhe­re Zins­än­de­rungs­ri­si­ko mög­li­cher­wei­se zu nied­rig aus. Ist der Ren­di­te­auf­schlag dage­gen aus­ge­prägt, kann eine län­ge­re Bin­dung loh­nen­der sein.

Hin­zu kommt das Wie­der­an­la­ge­ri­si­ko. Wer aus­schließ­lich kurz­lau­fen­de Anlei­hen hält, pro­fi­tiert zunächst von hoher Fle­xi­bi­li­tät. Fal­len die Zin­sen jedoch deut­lich, muss das zurück­flie­ßen­de Kapi­tal zu ungüns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen reinves­tiert wer­den. Län­ge­re Anlei­hen sichern das aktu­el­le Ren­di­te­ni­veau über einen grö­ße­ren Zeit­raum, erkau­fen die­sen Vor­teil aber durch höhe­re zwi­schen­zeit­li­che Kurs­schwan­kun­gen.

Eine prak­ti­ka­ble Mög­lich­keit besteht dar­in, ver­schie­de­ne Fäl­lig­kei­ten mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren. Eine sol­che Anlei­he­lei­ter ver­teilt das Kapi­tal auf meh­re­re Lauf­zeit­seg­men­te. Regel­mä­ßig fäl­li­ge Papie­re schaf­fen Liqui­di­tät und eröff­nen neue Wie­der­an­la­ge­mög­lich­kei­ten, wäh­rend län­ger lau­fen­de Posi­tio­nen einen Teil der heu­ti­gen Ren­di­ten sichern. Auf die­se Wei­se ver­rin­gert sich die Abhän­gig­keit von einer ein­zel­nen Pro­gno­se über die künf­ti­ge Zins­ent­wick­lung.

Staats­an­lei­hen: Nicht jede höhe­re Ren­di­te ist eine attrak­ti­ve Gele­gen­heit

Die zuneh­men­den Unter­schie­de zwi­schen den Staats­an­lei­he­märk­ten zei­gen, dass die Boni­tät eines Lan­des wie­der stär­ker in den Mit­tel­punkt der Bewer­tung rückt. Hohe Schul­den­stän­de sind dabei nicht auto­ma­tisch mit einem unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Zah­lungs­aus­fall gleich­zu­set­zen. Sie kön­nen jedoch die finanz­po­li­ti­sche Fle­xi­bi­li­tät ein­schrän­ken und Anle­ger dazu ver­an­las­sen, höhe­re Risi­ko­prä­mi­en zu ver­lan­gen.

Beson­ders deut­lich wird die­ses Span­nungs­ver­hält­nis am Bei­spiel Frank­reichs. Die Kom­bi­na­ti­on aus hoher Staats­ver­schul­dung, ange­spann­ten Haus­hal­ten und poli­ti­schen Schwie­rig­kei­ten bei der Durch­set­zung struk­tu­rel­ler Refor­men hat die Wahr­neh­mung fran­zö­si­scher Staats­an­lei­hen ver­än­dert. Stei­gen­de Ren­di­te­auf­schlä­ge gegen­über deut­schen Bun­des­an­lei­hen spie­geln die Ein­schät­zung wider, dass Anle­ger für das zusätz­li­che Risi­ko eine höhe­re Ent­schä­di­gung benö­ti­gen.

Dar­aus erge­ben sich zwei mög­li­che Sicht­wei­sen. Einer­seits kön­nen hohe Ren­di­te­auf­schlä­ge eine Kauf­ge­le­gen­heit dar­stel­len, wenn die Märk­te poli­ti­sche und fis­ka­li­sche Risi­ken über­mä­ßig pes­si­mis­tisch bewer­ten. Ande­rer­seits sind sie mög­li­cher­wei­se Aus­druck einer dau­er­haft ver­schlech­ter­ten Schul­den­trag­fä­hig­keit. In die­sem Fall könn­ten die Ren­di­te­auf­schlä­ge wei­ter stei­gen und zusätz­li­che Kurs­ver­lus­te ver­ur­sa­chen.

Ein staat­li­cher Zah­lungs­aus­fall inner­halb der Euro­zo­ne erscheint zwar auf­grund der insti­tu­tio­nel­len Ver­flech­tun­gen und der geld­po­li­ti­schen Instru­men­te der Euro­päi­schen Zen­tral­bank weni­ger wahr­schein­lich, als es iso­lier­te Schul­den­kenn­zah­len ver­mu­ten las­sen könn­ten. Aus­ge­schlos­sen ist er aber nicht. Anders als ein sou­ve­rä­ner Staat mit voll­stän­di­ger Kon­trol­le über sei­ne eige­ne Wäh­rung kann Frank­reich nicht eigen­stän­dig unbe­grenzt neu­es Zen­tral­bank­geld zur Finan­zie­rung sei­ner Schul­den schaf­fen. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank han­delt nach gemein­sa­men Regeln und ist nicht ver­pflich­tet, jeden Anstieg natio­na­ler Finan­zie­rungs­kos­ten zu ver­hin­dern.

Zudem ist ein Zah­lungs­aus­fall nicht das ein­zi­ge rele­van­te Risi­ko. Bereits eine anhal­ten­de Aus­wei­tung der Ren­di­te­auf­schlä­ge kann für Anle­ger erheb­li­che Markt­wert­ver­lus­te bedeu­ten. Selbst wenn eine euro­päi­sche Inter­ven­ti­on eine aku­te Kri­se ver­hin­dern wür­de, könn­ten Inves­to­ren zuvor län­ge­re Pha­sen hoher Vola­ti­li­tät erle­ben.

Auch Ita­li­en bleibt auf­grund sei­nes hohen Schul­den­stands anfäl­lig für stei­gen­de Refi­nan­zie­rungs­kos­ten. Eine ver­gleichs­wei­se sta­bi­le­re poli­ti­sche Ent­wick­lung oder eine bes­se­re Haus­halts­dis­zi­plin kön­nen das Ver­trau­en stär­ken, besei­ti­gen aber nicht die struk­tu­rel­len Belas­tun­gen aus einem gro­ßen Schul­den­be­stand.

Für eine fun­dier­te Bewer­tung kommt es des­halb auf mehr an als auf die abso­lu­te Höhe der ange­bo­te­nen Ren­di­te. Ent­schei­dend sind die Schul­den­trag­fä­hig­keit, das Wirt­schafts­wachs­tum, die Zins­last, die durch­schnitt­li­che Rest­lauf­zeit der Staats­ver­schul­dung und die poli­ti­sche Bereit­schaft zu einer lang­fris­tig trag­fä­hi­gen Finanz­po­li­tik.

Staats­an­lei­hen aus Län­dern mit soli­de­ren Haus­halts­struk­tu­ren kön­nen eine sinn­vol­le Alter­na­ti­ve dar­stel­len. Aller­dings ent­steht bei Anla­gen außer­halb des Euro­raums häu­fig ein zusätz­li­ches Wäh­rungs­ri­si­ko. Höhe­re nomi­na­le Ren­di­ten in US-Dol­lar, aus­tra­li­schen oder neu­see­län­di­schen Dol­lar kön­nen durch Wech­sel­kurs­ver­lus­te teil­wei­se oder voll­stän­dig auf­ge­zehrt wer­den. Eine Wäh­rungs­ab­si­che­rung redu­ziert die­ses Risi­ko, ver­ur­sacht aber Kos­ten und ver­än­dert die tat­säch­lich erziel­ba­re Ren­di­te.

Unter­neh­mens­an­lei­hen: Gute Boni­tät gewinnt an Bedeu­tung

Bei Unter­neh­mens­an­lei­hen stellt sich neben dem all­ge­mei­nen Zins­än­de­rungs­ri­si­ko die Fra­ge, wie ange­mes­sen der Markt das indi­vi­du­el­le Kre­dit­ri­si­ko ver­gü­tet. Der Ren­di­te­auf­schlag gegen­über ver­gleich­ba­ren Staats­an­lei­hen wird als Cre­dit Spread bezeich­net. Er ent­schä­digt unter ande­rem für Aus­fall­ri­si­ken, Liqui­di­täts­ri­si­ken und die Unsi­cher­heit über die zukünf­ti­ge wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Emit­ten­ten.

Beson­ders inter­es­sant sind Unter­neh­men mit guter bis sehr guter Kre­dit­wür­dig­keit, deren Anlei­hen dem soge­nann­ten Invest­ment-Gra­de-Seg­ment zuge­ord­net wer­den. Die­se Unter­neh­men ver­fü­gen in der Regel über eine soli­de­re finan­zi­el­le Aus­gangs­la­ge als Emit­ten­ten des spe­ku­la­ti­ven Hoch­zins­seg­ments. Den­noch unter­schei­den sich auch inner­halb des Invest­ment-Gra­de-Mark­tes Ver­schul­dungs­grad, Geschäfts­mo­dell, Cash­flow-Sta­bi­li­tät und Refi­nan­zie­rungs­be­darf erheb­lich.

Die gro­ße Zahl neu­er Unter­neh­mens­an­lei­hen kann für Anle­ger vor­teil­haft sein. Wenn zahl­rei­che Unter­neh­men gleich­zei­tig Kapi­tal auf­neh­men möch­ten, müs­sen sie mög­li­cher­wei­se höhe­re Ren­di­ten anbie­ten, um aus­rei­chend Nach­fra­ge zu gewin­nen. Damit kön­nen sich auch bei wirt­schaft­lich robus­ten Emit­ten­ten attrak­ti­ve Ein­stiegs­mög­lich­kei­ten erge­ben.

Gro­ße Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne wie Ama­zon und Alpha­bet pro­fi­tie­ren von diver­si­fi­zier­ten Geschäfts­mo­del­len, hohen ope­ra­ti­ven Zah­lungs­strö­men und grund­sätz­lich guter Kapi­tal­markt­fä­hig­keit. Ihre Anlei­hen kön­nen des­halb inter­es­san­te Bau­stei­ne eines hoch­wer­ti­gen Unter­neh­mens­an­lei­he­port­fo­li­os dar­stel­len. Die Qua­li­tät des Unter­neh­mens allein garan­tiert aller­dings noch kei­ne attrak­ti­ve Bewer­tung. Auch eine finan­zi­ell star­ke Gesell­schaft kann Anlei­hen aus­ge­ben, deren Ren­di­te­auf­schlag im Ver­hält­nis zur Lauf­zeit und zum Markt­ri­si­ko wenig über­zeu­gend ist.

Bei Unter­neh­men mit hohen Inves­ti­ti­ons­aus­ga­ben, schwä­che­rer Bilanz­struk­tur oder zuneh­men­der Ver­schul­dung ist grö­ße­re Vor­sicht gebo­ten. Der Kapi­tal­be­darf für den Aus­bau der KI-Infra­struk­tur kann selbst bei eta­blier­ten Kon­zer­nen die finan­zi­el­le Fle­xi­bi­li­tät redu­zie­ren. Ent­schei­dend ist, ob die zusätz­li­chen Inves­ti­tio­nen künf­tig aus­rei­chend ope­ra­ti­ve Erträ­ge gene­rie­ren, um Zins­zah­lun­gen, Til­gun­gen und wei­te­re Wachs­tums­pro­jek­te zuver­läs­sig zu finan­zie­ren.

Im Hoch­zins­seg­ment wer­den Anle­ger zwar durch höhe­re Ren­di­ten ange­lockt. Die­se sind jedoch nur dann attrak­tiv, wenn sie mög­li­che Zah­lungs­aus­fäl­le und Kurs­ver­lus­te ange­mes­sen kom­pen­sie­ren. Beson­ders pro­ble­ma­tisch kann die Situa­ti­on wer­den, wenn Kre­dit­ri­si­ko­auf­schlä­ge nied­rig blei­ben, obwohl sich die kon­junk­tu­rel­len Aus­sich­ten ver­schlech­tern. In einem sol­chen Umfeld besit­zen hoch­wer­ti­ge Unter­neh­mens­an­lei­hen häu­fig das über­zeu­gen­de­re Ver­hält­nis von Ertrags­po­ten­zi­al und Risi­ko.

Infla­ti­ons­ge­schütz­te Anlei­hen als ergän­zen­der Bau­stein

Eine beson­de­re Rol­le kön­nen infla­ti­ons­in­de­xier­te Staats­an­lei­hen spie­len. Anders als klas­si­sche nomi­na­le Anlei­hen pas­sen sie ihre ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Zah­lungs­strö­me an die Ent­wick­lung eines bestimm­ten Preis­in­dex an. US-ame­ri­ka­ni­sche Tre­asu­ry Infla­ti­on-Pro­tec­ted Secu­ri­ties, kurz TIPS, bie­ten bei­spiels­wei­se einen Infla­ti­ons­aus­gleich auf Basis des US-Ver­brau­cher­preis­in­dex.

Für Anle­ger ist dar­an inter­es­sant, dass die Ren­di­te einer infla­ti­ons­ge­schütz­ten Anlei­he stär­ker als rea­le Ver­zin­sung ver­stan­den wer­den kann. Wer ein sol­ches Papier zu einer attrak­ti­ven Real­ren­di­te erwirbt und bis zur Fäl­lig­keit hält, kann sich unter den jewei­li­gen Ver­trags­be­din­gun­gen eine posi­ti­ve rea­le Ver­zin­sung gegen­über dem zugrun­de lie­gen­den Preis­in­dex sichern.

Aller­dings sind infla­ti­ons­ge­schütz­te Anlei­hen kein uni­ver­sel­ler Schutz gegen Kurs­ver­lus­te. Ihre Markt­prei­se reagie­ren auf Ver­än­de­run­gen der Real­zin­sen. Stei­gen die­se, kön­nen auch TIPS deut­lich an Wert ver­lie­ren. Für Euro­an­le­ger ent­steht zusätz­lich ein Wäh­rungs­ri­si­ko, wenn die Anla­ge in US-Dol­lar erfolgt. Außer­dem bil­det der ame­ri­ka­ni­sche Ver­brau­cher­preis­in­dex nicht zwangs­läu­fig die per­sön­li­che Infla­ti­on eines euro­päi­schen Haus­halts ab.

Die rela­ti­ve Attrak­ti­vi­tät nomi­na­ler und infla­ti­ons­ge­schütz­ter Anlei­hen lässt sich unter ande­rem anhand der soge­nann­ten Brea­k­e­ven-Infla­ti­ons­ra­te beur­tei­len. Sie beschreibt ver­ein­facht die Infla­ti­ons­ra­te, bei der eine nomi­na­le und eine ver­gleich­ba­re infla­ti­ons­in­de­xier­te Anlei­he eine ähn­li­che Ren­di­te erzie­len wür­den. Liegt die tat­säch­lich rea­li­sier­te Infla­ti­on über die­ser Schwel­le, kann die infla­ti­ons­ge­schütz­te Anla­ge im Vor­teil sein. Bei nied­ri­ge­rer Infla­ti­on ist häu­fig die nomi­na­le Anlei­he attrak­ti­ver. Risi­ko­prä­mi­en und Liqui­di­täts­un­ter­schie­de kön­nen die­sen Ver­gleich aller­dings beein­flus­sen.

Infla­ti­ons­ge­schütz­te Anlei­hen eig­nen sich des­halb vor allem als geziel­te Ergän­zung eines brei­ter diver­si­fi­zier­ten Port­fo­li­os und nicht als unein­ge­schränk­ter Ersatz für klas­si­sche Staats­an­lei­hen.

Der unter­schätz­te Ein­fluss der künst­li­chen Intel­li­genz

Der Aus­bau künst­li­cher Intel­li­genz könn­te den Anlei­he­markt über vie­le Jah­re prä­gen. Kurz­fris­tig erhöht die Inves­ti­ti­ons­wel­le die Nach­fra­ge nach Kapi­tal, Ener­gie, Infra­struk­tur und spe­zia­li­sier­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten. Damit kann sie sowohl die Finan­zie­rungs­kos­ten als auch bestimm­te Prei­se nach oben trei­ben. Eine zusätz­li­che Belas­tung ent­steht, wenn Staa­ten und Unter­neh­men gleich­zei­tig erheb­li­che Inves­ti­tio­nen täti­gen und dafür auf den­sel­ben Kapi­tal­markt zugrei­fen.

Lang­fris­tig besteht dage­gen die Mög­lich­keit, dass künst­li­che Intel­li­genz die Pro­duk­ti­vi­tät erhöht und neue Wachs­tums­im­pul­se aus­löst. Höhe­res Wirt­schafts­wachs­tum könn­te die Steu­er­ein­nah­men stei­gern und die Trag­fä­hig­keit öffent­li­cher Schul­den ver­bes­sern. Unter­neh­men könn­ten von effi­zi­en­te­ren Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen und höhe­ren Gewinn­mar­gen pro­fi­tie­ren.

Ob die­se posi­ti­ven Effek­te aus­rei­chen, um den heu­ti­gen Inves­ti­ti­ons­auf­wand zu recht­fer­ti­gen, ist jedoch unge­wiss. Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schrit­te ent­ste­hen nicht auto­ma­tisch mit dem Auf­bau neu­er Infra­struk­tur. Sie set­zen vor­aus, dass die Tech­no­lo­gie wirt­schaft­lich erfolg­reich ein­ge­setzt wird und sich ihre Vor­tei­le breit in der Volks­wirt­schaft ent­fal­ten.

Dar­über hin­aus füh­ren höhe­re Pro­duk­ti­vi­tät und stär­ke­res Wachs­tum nicht zwin­gend zu nied­ri­ge­ren Anlei­he­ren­di­ten. Eine dyna­mi­sche­re Wirt­schaft kann auch höhe­re rea­le Zin­sen recht­fer­ti­gen. Der lang­fris­ti­ge Ein­fluss künst­li­cher Intel­li­genz auf den Anlei­he­markt bleibt des­halb offen und lässt sich nicht auf die Erwar­tung sin­ken­der Finan­zie­rungs­kos­ten redu­zie­ren.

Wie Anle­ger das ver­än­der­te Umfeld sinn­voll nut­zen kön­nen

Für die prak­ti­sche Geld­an­la­ge ist zunächst ent­schei­dend, wel­che Funk­ti­on Anlei­hen im Gesamt­port­fo­lio erfül­len sol­len. Wer kurz­fris­ti­ge Aus­ga­ben absi­chern oder eine jeder­zeit ver­füg­ba­re Liqui­di­täts­re­ser­ve vor­hal­ten möch­te, benö­tigt ande­re Instru­men­te als jemand, der sein Ver­mö­gen über zehn oder zwan­zig Jah­re auf­bau­en oder sta­bi­li­sie­ren will.

Für kurz­fris­ti­ge Liqui­di­täts­be­dürf­nis­se sind Geld­markt­an­la­gen und sehr kurz­lau­fen­de hoch­wer­ti­ge Anlei­hen häu­fig bes­ser geeig­net als lang­lau­fen­de Papie­re. Sie besit­zen eine gerin­ge­re Zins­sen­si­ti­vi­tät und kön­nen fle­xi­bel in neue Zins­um­fel­der reinves­tiert wer­den. Ihr Nach­teil liegt im Wie­der­an­la­ge­ri­si­ko, falls die kurz­fris­ti­gen Zin­sen deut­lich sin­ken.

Für einen mit­tel- bis lang­fris­ti­gen Anla­ge­ho­ri­zont bie­tet sich eine brei­te­re Lauf­zei­tenver­tei­lung an. Kurz­lau­fen­de Anlei­hen schaf­fen Fle­xi­bi­li­tät, wäh­rend mitt­le­re Lauf­zei­ten lau­fen­de Erträ­ge und eine län­ger­fris­ti­ge Zins­si­che­rung ermög­li­chen. Sehr lang­lau­fen­de Anlei­hen soll­ten dage­gen bewusst ein­ge­setzt wer­den, weil ihre hohen Kurs­schwan­kun­gen eine kla­re Risi­ko­to­le­ranz vor­aus­set­zen.

Bei der Aus­wahl zwi­schen Staats- und Unter­neh­mens­an­lei­hen emp­fiehlt sich eine Tren­nung der jewei­li­gen Risi­ko­funk­tio­nen. Hoch­wer­ti­ge Staats­an­lei­hen kön­nen einen ver­gleichs­wei­se defen­si­ven Port­fo­lio­bau­stein bil­den, wäh­rend Unter­neh­mens­an­lei­hen zusätz­li­che Ren­di­te­auf­schlä­ge und damit auch Kre­dit­ri­si­ken ein­brin­gen. Die rich­ti­ge Gewich­tung hängt davon ab, wie wich­tig lau­fen­de Erträ­ge, Kapi­tal­erhalt, Liqui­di­tät und Diver­si­fi­ka­ti­on sind.

Eben­so wich­tig ist ein rea­lis­ti­scher Blick auf die tat­säch­li­che Ren­di­te. Der aus­ge­wie­se­ne Kupon allein sagt wenig dar­über aus, wel­che Ver­zin­sung ein Käu­fer zum aktu­el­len Markt­preis erzie­len kann. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger ist bei klas­si­schen Anlei­hen die Effek­tiv­ver­zin­sung bis zur Fäl­lig­keit, sofern die zugrun­de lie­gen­den Zah­lun­gen wie ver­ein­bart erfol­gen. Bei Fonds sind zusätz­lich lau­fen­de Kos­ten, Port­fo­lio­um­schich­tun­gen und die Ent­wick­lung der ent­hal­te­nen Anlei­hen zu berück­sich­ti­gen.

Auch der soge­nann­te Roll-down-Effekt kann zur Gesamt­ren­di­te bei­tra­gen. Wenn eine Anlei­he auf einer anstei­gen­den Zins­struk­tur­kur­ve in einen kür­ze­ren Lauf­zeit­be­reich hin­ein­wächst, kann dar­aus bei unver­än­der­ter Zins­kur­ve ein Kurs­ge­winn ent­ste­hen. Die­ser Effekt ist jedoch weder garan­tiert noch unab­hän­gig von der künf­ti­gen Zins­ent­wick­lung. Anle­ger soll­ten model­lier­te Roll-down-Erträ­ge des­halb nicht mit sicher ver­ein­nahm­ba­ren Zins­er­trä­gen gleich­set­zen.

Eine robus­te Anlei­he­stra­te­gie beruht letzt­lich nicht auf der mög­lichst prä­zi­sen Vor­her­sa­ge des nächs­ten Zins­schritts. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die gewähl­ten Wert­pa­pie­re auch dann zum eige­nen Anla­ge­ziel pas­sen, wenn sich die Markt­zin­sen anders ent­wi­ckeln als erwar­tet.

Fazit: Die Rück­kehr attrak­ti­ver Zin­sen ist eine Chan­ce, aber kein Frei­brief

Die gestie­ge­nen Ren­di­ten haben den Anlei­he­markt grund­le­gend ver­än­dert. Fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re kön­nen wie­der einen sub­stan­zi­el­len Bei­trag zum lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau und zur Sta­bi­li­sie­rung gemisch­ter Port­fo­li­os leis­ten. Gleich­zei­tig ist die frü­he­re Vor­stel­lung, hoch­wer­ti­ge Anlei­hen wür­den in jeder wirt­schaft­li­chen Kri­se auto­ma­tisch als sta­bi­ler Gegen­pol zu Akti­en wir­ken, nicht mehr unein­ge­schränkt halt­bar.

Die gro­ße Her­aus­for­de­rung liegt im Zusam­men­spiel von Staats­ver­schul­dung, struk­tu­rel­lem Kapi­tal­be­darf, Infla­ti­on und rea­len Zin­sen. Solan­ge Staa­ten und Unter­neh­men in gro­ßem Umfang neue Mit­tel auf­neh­men müs­sen, kann der Druck auf die Kapi­tal­markt­ren­di­ten bestehen blei­ben. Selbst sin­ken­de Leit­zin­sen garan­tie­ren unter die­sen Bedin­gun­gen kei­ne ent­spre­chen­de Erho­lung lang­fris­ti­ger Anlei­he­kur­se.

Beson­ders über­zeu­gend erscheint daher ein dis­zi­pli­nier­ter Ansatz, der hoch­wer­ti­ge Emit­ten­ten, eine ange­mes­se­ne Ver­tei­lung der Lauf­zei­ten und eine bewuss­te Begren­zung von Kredit‑, Wäh­rungs- und Zins­än­de­rungs­ri­si­ken mit­ein­an­der ver­bin­det. Mitt­le­re Lauf­zei­ten bie­ten dabei häu­fig einen sinn­vol­len Aus­gangs­punkt, soll­ten jedoch nicht unab­hän­gig vom indi­vi­du­el­len Anla­ge­ho­ri­zont und den jeweils ver­füg­ba­ren Ren­di­te­auf­schlä­gen bevor­zugt wer­den.

Die ent­schei­den­de Grö­ße ist nicht die höchs­te nomi­na­le Ver­zin­sung, son­dern die Ren­di­te, die nach Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Risi­ken tat­säch­lich zu erwar­ten ist. Ein Pro­zent­punkt zusätz­li­cher Zins kann attrak­tiv sein, wenn das zugrun­de lie­gen­de Risi­ko begrenzt bleibt. Der­sel­be Auf­schlag kann unzu­rei­chend sein, wenn dafür deut­lich höhe­re Kurs­ver­lus­te oder Kre­dit­ri­si­ken in Kauf genom­men wer­den müs­sen.

Gera­de dar­in liegt die neue Qua­li­tät des Anlei­he­mark­tes: Anle­ger erhal­ten wie­der eine spür­ba­re Ver­gü­tung für die Bereit­stel­lung ihres Kapi­tals. Sie müs­sen aber sorg­fäl­ti­ger denn je ent­schei­den, wel­che Risi­ken sie dafür über­neh­men wol­len. Wer nicht ver­sucht, den per­fek­ten Zeit­punkt für eine Zins­wen­de vor­her­zu­sa­gen, son­dern auf Boni­tät, Lauf­zei­ten und belast­ba­re Zah­lungs­strö­me ach­tet, kann die ver­bes­ser­ten Ren­di­te­chan­cen nut­zen, ohne den Anla­ge­er­folg von einer ein­zi­gen Markt­er­war­tung abhän­gig zu machen.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater