Woher stammt der Reich­tum der reichs­ten Deut­schen?

Der Reich­tum der reichs­ten Deut­schen stammt über­wie­gend aus Unter­neh­mens­be­sitz und gro­ßen Betei­li­gun­gen – oft über Jahr­zehn­te auf­ge­baut oder inner­halb von Fami­li­en wei­ter­ge­ge­ben. Das Mana­ger Maga­zin (2026) zählt dabei unter ande­rem Fir­men­an­tei­le, Akti­en, Immo­bi­li­en und sons­ti­ge Ver­mö­gens­wer­te; die Wer­te sind Schät­zun­gen.

Bei den zehn reichs­ten Ein­zel­per­so­nen (2026) sieht es so aus:

  • Die­ter Schwarz – 53,7 Mrd. €: Schwarz-Grup­pe mit Lidl, Kauf­land, Pre­Ze­ro und Schwarz Digits. Er über­nahm das Fami­li­en­un­ter­neh­men und bau­te ins­be­son­de­re Lidl mas­siv aus.
  • Andre­as von Bech­tols­heim – 27,7 Mrd. €: Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men und Invest­ments – Mit­grün­der von Sun Micro­sys­tems und Aris­ta Net­works, außer­dem sehr frü­her Goog­le-Inves­tor.
  • Wolf­gang Mar­guer­re – 6,5 Mrd. €: Grün­der und Eigen­tü­mer des Phar­ma­kon­zerns Octa­phar­ma, spe­zia­li­siert auf Medi­ka­men­te aus Blut­plas­ma.
  • Tobi­as Lüt­ke – 6,3 Mrd. €: Mit­grün­der und Groß­ak­tio­när des E‑Com­mer­ce-Soft­ware­kon­zerns Shop­i­fy.
  • Fried­helm Loh – 5,7 Mrd. €: Fried­helm Loh Group, vor allem der Schalt­schrank­her­stel­ler Rit­t­al; das Unter­neh­men über­nahm er bereits mit 28 Jah­ren.
  • Erich Wes­jo­hann – 5,1 Mrd. €: EW Group, welt­weit täti­ge Geflü­gel­zucht; her­vor­ge­gan­gen aus dem Fami­li­en­un­ter­neh­men sei­ner Eltern.
  • Hans-Peter Wild – 3,5 Mrd. €: Vor allem Capri-Sun; das Unter­neh­men wur­de von sei­nem Vater gegrün­det und von ihm inter­na­tio­nal aus­ge­baut.
  • Ralph Dom­mer­muth – 3,2 Mrd. €: Grün­der und Groß­ak­tio­när von United Inter­net mit Mar­ken wie 1&1, GMX und Web.de.
  • Ernst Frei­ber­ger – 2,8 Mrd. €: Star­te­te mit Tief­kühl­piz­za, ver­kauf­te das Unter­neh­men spä­ter an Süd­zu­cker und inves­tiert heu­te unter ande­rem in Immo­bi­li­en, Kli­ni­ken und Hotels.
  • Hei­de­ma­rie Engel­horn – 2,5 Mrd. €: Ererb­tes bzw. fami­liä­res Phar­ma­ver­mö­gen aus Boeh­rin­ger Mann­heim; die Fami­li­en­hol­ding Coran­ge wur­de 1997 für rund 11 Mrd. Dol­lar an Roche ver­kauft.

Das Mus­ter: Der größ­te Teil des Ver­mö­gens kommt nicht aus Gehäl­tern, son­dern aus Eigen­tum an Unter­neh­men. Eini­ge sind Grün­der bzw. haben Fir­men selbst stark aus­ge­baut – Bech­tols­heim, Lüt­ke, Dom­mer­muth oder Mar­guer­re. Ande­re star­te­ten mit einem bereits bestehen­den Fami­li­en­un­ter­neh­men oder Fami­li­en­ver­mö­gen, etwa Schwarz, Wild, Wes­jo­hann oder Engel­horn. Ins­ge­samt wird die deut­sche Reichs­ten­lis­te stark von Fami­li­en­ver­mö­gen domi­niert.

Unter­schied zur ame­ri­ka­ni­schen Mil­lar­dä­ren

Ähn­lich, aber noch stär­ker bör­sen- und tech­no­lo­gie­ge­trie­ben.

Bei vie­len ame­ri­ka­ni­schen Mil­li­ar­dä­ren steckt der Groß­teil des Ver­mö­gens in Akti­en­pa­ke­ten an Unter­neh­men, die sie gegrün­det oder früh auf­ge­baut haben. Typi­sche Bei­spie­le sind Elon Musk mit Tesla/SpaceX, Jeff Bezos mit Ama­zon, Mark Zucker­berg mit Meta, Lar­ry Elli­son mit Ora­cle sowie Lar­ry Page und Ser­gey Brin mit Alphabet/Google.

Dane­ben gibt es gro­ße Ver­mö­gen aus Finanz­in­vest­ments und Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten – etwa War­ren Buf­fett über Berkshire Hat­ha­way – sowie erheb­li­che Erb- und Fami­li­en­ver­mö­gen, zum Bei­spiel bei den Walt­on-Erben von Walm­art oder der Mars-Fami­lie.

Der wich­ti­ge Unter­schied zu Deutsch­land ist des­halb weni­ger „Unter­neh­mens­be­sitz ver­sus etwas ande­res“, son­dern die Struk­tur die­ses Unter­neh­mens­be­sit­zes: In Deutsch­land domi­nie­ren rela­tiv vie­le nicht bör­sen­no­tier­te Fami­li­en­un­ter­neh­men wie Aldi, Schwarz, Boeh­rin­ger oder Merck. In den USA lie­gen vie­le der größ­ten Ver­mö­gen in bör­sen­no­tier­ten Tech-Kon­zer­nen. Dadurch schwan­ken ame­ri­ka­ni­sche Mil­li­ar­den­ver­mö­gen häu­fig stär­ker mit den Akti­en­kur­sen.

Auch in den USA ent­steht extrem gro­ßer Reich­tum über­wie­gend durch Eigen­tum, nicht durch Ein­kom­men. Ent­schei­dend ist, einen gro­ßen Anteil an einem Unter­neh­men zu besit­zen, des­sen Wert stark steigt.

Die Gewin­ner und Ver­lie­rer des Jah­res?

Kurz, bezo­gen auf die zehn reichs­ten Ein­zel­per­so­nen:

Größ­te Gewin­ner 2026: Andre­as von Bech­tols­heim +9,5 Mrd. € auf 27,7 Mrd. €, vor allem dank sei­ner Betei­li­gung an Aris­ta Net­works und dem KI-Boom. Die­ter Schwarz leg­te +7,2 Mrd. € auf 53,7 Mrd. € zu.

Wei­te­re Gewin­ner: Erich Wes­jo­hann +1,4 Mrd. €, Tobi­as Lüt­ke +1,1 Mrd. €, Wolf­gang Mar­guer­re +0,7 Mrd. €.

Ver­lie­rer: Unter die­sen zehn fällt vor allem Ernst Frei­ber­ger auf: −0,3 Mrd. € auf 2,8 Mrd. €. Ralph Dom­mer­muth und Hei­de­ma­rie Engel­horn blie­ben unver­än­dert.

Über die gesam­te Top-500-Lis­te ist das Bild gemischt: Gewin­ner, Ver­lie­rer und weit­ge­hend unver­än­der­te Ver­mö­gen hal­ten sich laut Mana­ger Maga­zin unge­fähr die Waa­ge. Gleich­zei­tig gibt es mit 257 Mil­li­ar­dä­ren einen neu­en Rekord.

Die auf­fäl­ligs­ten Bewe­gun­gen:

  • Größ­ter Gewin­ner: Fami­lie Merck: von 24,5 auf 50,7 Mrd. €, also +26,2 Mrd. €.
  • Danach Andre­as von Bech­tols­heim: +9,5 Mrd. € auf 27,7 Mrd. € und Die­ter Schwarz: +7,2 Mrd. € auf 53,7 Mrd. €.
  • Größ­ter klar aus­ge­wie­se­ner Ver­lie­rer im Spit­zen­feld: Fami­lie Por­sche: −3,1 Mrd. € auf 12,4 Mrd. €.
  • Eben­falls deut­lich: Klatten/Quandt −2,8 Mrd. €, Fami­lie Rei­mann −2,5 Mrd. €, Has­so Platt­ner −2,1 Mrd. €, Diet­mar Hopp −1,9 Mrd. €.

Kurz gesagt: Phar­ma und Tech gehö­ren 2026 zu den gro­ßen Gewin­nern; Auto/­Volks­wa­gen-Betei­li­gun­gen und SAP haben meh­re­re sehr gro­ße Ver­mö­gen belas­tet. Das Maga­zin nennt aus­drück­lich die Bör­sen­rück­gän­ge von Volks­wa­gen und SAP als Belas­tungs­fak­tor.

*Die Lis­te vom Mana­ger Maga­zin ist als fun­dier­te Schät­zung, nicht als exak­te Ver­mö­gens­bi­lanz zu lesen. Das Mana­ger Maga­zin recher­chiert in Regis­tern und Archi­ven und spricht mit Ver­mö­gens­ver­wal­tern, Anwäl­ten, Ban­kern und den Betrof­fe­nen. Bör­sen­no­tier­te Betei­li­gun­gen las­sen sich rela­tiv gut bewer­ten; pri­va­te Unter­neh­men wer­den dage­gen anhand von Umsatz, Pro­fi­ta­bi­li­tät und Markt­stel­lung geschätzt. Das Maga­zin sagt selbst, dass es kon­ser­va­tiv bewer­tet.

Es ist durch­aus mög­lich, dass ein­zel­ne Per­so­nen oder Fami­li­en tat­säch­lich rei­cher sind als aus­ge­wie­sen – oder zeit­wei­se ganz feh­len. Ein sehr deut­li­ches Bei­spiel lie­fert die Lis­te selbst: Die Gesell­schaf­ter­fa­mi­lie von Boeh­rin­ger Ingel­heim, 2026 mit geschätz­ten 66,7 Mrd. € sogar Num­mer 1, fehl­te vie­le Jah­re. Grund war laut Mana­ger Maga­zin eine Ver­ein­ba­rung aus den Anfangs­jah­ren der Reichs­ten­lis­te. Erst inzwi­schen akzep­tie­re die Fami­lie die Auf­nah­me; das Maga­zin ver­weist dar­auf, dass die Recht­mä­ßig­keit sol­cher Lis­ten inzwi­schen gericht­lich bestä­tigt sei.

Das ist wich­tig: Man kann sich heu­te offen­bar nicht ein­fach durch Wider­spruch von der Lis­te „abmel­den“, sofern die Redak­ti­on genü­gend belast­ba­re Infor­ma­tio­nen hat. Aber sehr dis­kre­te Pri­vat­ver­mö­gen kön­nen schwer erfass­bar sein. Gera­de bei nicht bör­sen­no­tier­ten Fir­men, kom­ple­xen Betei­li­gungs­struk­tu­ren, Stif­tun­gen, Immo­bi­li­en oder Aus­lands­ver­mö­gen bleibt erheb­li­che Unsi­cher­heit. Das Maga­zin räumt selbst ein, dass neue Infor­ma­tio­nen spä­ter zu gro­ßen Neu­be­wer­tun­gen füh­ren kön­nen.

Des­halb wür­de ich die Rang­fol­ge etwa so lesen: „bes­te öffent­lich recher­chier­ba­re Schät­zung der größ­ten deut­schen Ver­mö­gen“, nicht „voll­stän­di­ge amt­li­che Lis­te“. Ob bei­spiels­wei­se Rang 7 tat­säch­lich rei­cher ist als Rang 8, ist weni­ger belast­bar als die Aus­sa­ge, dass bei­de grob in der­sel­ben Ver­mö­gen­s­klas­se lie­gen.

Inter­es­sant ist gera­de Merck 2026: Der Sprung von 24,5 auf 50,7 Mrd. € muss nicht bedeu­ten, dass die Fami­lie in einem Jahr real 26,2 Mrd. € ver­dient hat. Sol­che Sprün­ge kön­nen laut Metho­dik auch durch bes­se­re Infor­ma­tio­nen bzw. Neu­be­wer­tun­gen ent­ste­hen.

Über­sicht der 20 reichs­ten Per­so­nen und Fami­li­en (2026):

RangName / Fami­lieVer­mö­gen 2026Ver­än­de­rung zum Vor­jahrWich­tigs­te Unter­neh­men / Betei­li­gun­genBran­che
1.Gesell­schaf­ter­fa­mi­lie Boeh­rin­ger Ingel­heim66,7 Mrd. €–Boeh­rin­ger Ingel­heimPhar­ma
2.Die­ter Schwarz53,7 Mrd. €+7,2 Mrd. €Schwarz-Grup­pe (Lidl, Kauf­land), Pre­Ze­ro, Schwarz DigitsEin­zel­han­del, Ent­sor­gung, IT, Immo­bi­li­en
3.Fami­lie Merck50,7 Mrd. €+26,2 Mrd. €MerckPhar­ma, Che­mie
4.Fami­li­en Susan­ne Klat­ten und Ste­fan Quandt33,3 Mrd. €−2,8 Mrd. €BMW, Alt­a­na, SGL Car­bon, Aqton, Del­tonAuto, Betei­li­gun­gen
5.Fami­li­en Albrecht und Heis­ter29,8 Mrd. €+2,1 Mrd. €Aldi SüdEin­zel­han­del, Immo­bi­li­en
6.Andre­as von Bech­tols­heim27,7 Mrd. €+9,5 Mrd. €Aris­ta Net­works, vorm. Sun Micro­sys­temsNetz­werk­tech­nik, Betei­li­gun­gen
7.Fami­lie Rei­mann21,5 Mrd. €−2,5 Mrd. €JAB Hol­ding, Keu­rig Dr Pep­per, CotyGeträn­ke, Kos­me­tik, Haus­tier­be­darf
8.Fami­lie Hen­kel19,6 Mrd. €+0,1 Mrd. €Hen­kelKon­sum­gü­ter
9.Fami­li­en Theo Albrecht jr. und Babet­te Albrecht17,8 Mrd. €+0,2 Mrd. €Aldi Nord, Trader Joe’sEin­zel­han­del, Immo­bi­li­en, Grund­be­sitz
10.Fami­lie Has­so Platt­ner15,6 Mrd. €−2,1 Mrd. €SAPSoft­ware
11.Fami­lie Rein­hold Würth14,9 Mrd. €+0,5 Mrd. €Würth-Grup­pe, Liqui Moly, Int. Bank­haus Boden­seeWerk­zeug­han­del, Kunst, Che­mie, Finanz­dienst­leis­tun­gen
12.Fami­lie Viess­mann14,4 Mrd. €+0,2 Mrd. €Viess­mann Gene­ra­ti­ons Group, Car­ri­er Glo­balBetei­li­gun­gen, Old­ti­mer
13.Fami­lie von Sie­mens13,9 Mrd. €+1,5 Mrd. €Sie­mensIndus­trie
13.Fami­lie Diet­mar Hopp13,9 Mrd. €−1,9 Mrd. €SAP, Die­vi­ni, Cur­e­Vac, Motel OneSoft­ware, Bio­tech, Hotels, Betei­li­gun­gen
15.Fami­lie Knauf13,4 Mrd. €+0,7 Mrd. €Knauf GipsBau­zu­lie­fe­rer
16.Fami­lie Brenn­inkmei­jer12,7 Mrd. €−1,5 Mrd. €Cof­ra, C&AMode, Immo­bi­li­en, Betei­li­gun­gen
17.Fami­lie Por­sche12,4 Mrd. €−3,1 Mrd. €Por­sche, Volks­wa­genAuto, Betei­li­gun­gen
18.Fami­lie Andre­as Strüng­mann12,3 Mrd. €+1,3 Mrd. €Biontech, San­to-Hol­ding, Gru­po Mega­labsBio­tech, Phar­ma, Betei­li­gun­gen
18.Fami­lie Tho­mas Strüng­mann12,3 Mrd. €+1,3 Mrd. €Biontech, San­to-Hol­ding, Gru­po Mega­labsBio­tech, Phar­ma, Betei­li­gun­gen
20.Georg und Maria-Eli­sa­beth Schaeff­ler11,7 Mrd. €+1,6 Mrd. €Schaeff­ler Tech­no­lo­gies, Con­ti­nen­talMaschi­nen­bau, Auto­zu­lie­fe­rer


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater