Anlei­hen und hybri­de Anla­ge­for­men

Anlei­he­for­men im Über­blick

Akti­en­an­lei­hen sind struk­tu­rier­te Wert­pa­pie­re, die einen fes­ten, oft rela­tiv hohen Zins zah­len, deren Rück­zah­lung aber von der Ent­wick­lung einer bestimm­ten Aktie abhängt. Sie sind also kei­ne klas­si­schen Unter­neh­mens­an­lei­hen, son­dern kom­bi­nie­ren eine Zins­zah­lung mit einer Wet­te auf einen Akti­en­kurs.

Das Prin­zip: Sie inves­tie­ren zum Bei­spiel 1.000 Euro in eine Akti­en­an­lei­he auf Sie­mens Ener­gy. Der Kupon von im Arti­kel genann­ten 15,25 % wird unab­hän­gig von der Kurs­ent­wick­lung der Aktie gezahlt. Ent­schei­dend ist aber die Rück­zah­lung am Ende der Lauf­zeit. Bleibt die Aktie ober­halb einer fest­ge­leg­ten Schwel­le, erhal­ten Sie in der Regel Ihr Kapi­tal zurück. Fällt sie stark genug – im Bei­spiel um 20 % oder mehr –, bekom­men Sie statt der voll­stän­di­gen Rück­zah­lung Akti­en bzw. deren Gegen­wert und tra­gen damit den Kurs­ver­lust.

Ver­ein­facht:

Aktie sta­bil oder steigt → hoher Zins + Kapi­tal­rück­zah­lung.
Aktie fällt mode­rat → je nach Bedin­gun­gen meist wei­ter­hin Kapi­tal­rück­zah­lung.
Aktie fällt unter die Bar­rie­re → hoher Zins bleibt, aber auf das ein­ge­setz­te Kapi­tal kön­nen erheb­li­che Ver­lus­te ent­ste­hen.

Der hohe Kupon ist des­halb kei­ne „Gra­tis­ren­di­te“, son­dern die Ent­schä­di­gung dafür, dass der Anle­ger einen Teil des Akti­en­ri­si­kos über­nimmt. Beson­ders pas­send sind Akti­en­an­lei­hen laut Arti­kel für Anle­ger, die nicht unbe­dingt mit wei­ter stark stei­gen­den Kur­sen rech­nen, aber davon aus­ge­hen, dass die zugrun­de lie­gen­de Aktie zumin­dest unge­fähr sta­bil bleibt.

Wich­tig ist außer­dem: Bei einer Akti­en­an­lei­he auf Sie­mens Ener­gy ist nicht Sie­mens Ener­gy der Schuld­ner der Anlei­he, son­dern bei­spiels­wei­se die her­aus­ge­ben­de Bank. Man trägt daher zusätz­lich das Boni­täts­ri­si­ko des Emit­ten­ten

Kurz gesagt: Akti­en­an­lei­hen eig­nen sich eher für die Erwar­tung „seit­wärts bis leicht auf­wärts“ als für eine star­ke Akti­en­hausse. Dafür bekommt man einen hohen Kupon, begrenzt aber zugleich sein Gewinn­po­ten­zi­al und über­nimmt bei star­ken Kurs­ver­lus­ten erheb­li­ches Risi­ko.


Unter­neh­mens­an­lei­hen sind Schuld­ver­schrei­bun­gen von Unter­neh­men. Ver­ein­facht gesagt: Du leihst einem Unter­neh­men Geld, und das Unter­neh­men ver­pflich­tet sich, dir dafür Zin­sen zu zah­len und dein Kapi­tal am Ende der Lauf­zeit zurück­zu­zah­len.

Bei­spiel: Ein Unter­neh­men gibt eine Anlei­he über 1.000 Euro mit 4 % Zins und fünf Jah­ren Lauf­zeit aus. Dann erhältst du nor­ma­ler­wei­se jedes Jahr 40 Euro Zin­sen und nach fünf Jah­ren die 1.000 Euro zurück.

Der ent­schei­den­de Unter­schied zur Aktie: Mit einer Aktie bist du Mit­ei­gen­tü­mer des Unter­neh­mens. Mit einer Unter­neh­mens­an­lei­he bist du Gläu­bi­ger. Du hast also grund­sätz­lich einen ver­trag­li­chen Anspruch auf Zins und Rück­zah­lung, aber kei­ne Betei­li­gung am Unter­neh­mens­ge­winn und nor­ma­ler­wei­se kein Stimm­recht.

Das wich­tigs­te Risi­ko ist die Boni­tät des Unter­neh­mens. Gerät der Emit­tent in finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten oder wird insol­vent, kön­nen Zins­zah­lun­gen aus­fal­len und im schlimms­ten Fall Tei­le des ein­ge­setz­ten Kapi­tals ver­lo­ren gehen. Des­halb zah­len Unter­neh­men mit höhe­rem Aus­fall­ri­si­ko meist höhe­re Zin­sen.

Zusätz­lich gibt es ein Zins­än­de­rungs­ri­si­ko: Stei­gen die all­ge­mei­nen Markt­zin­sen, sinkt typi­scher­wei­se der Kurs bereits bestehen­der Anlei­hen mit nied­ri­ge­rem Kupon. Wer die Anlei­he aber bis zur Fäl­lig­keit hält und der Emit­tent zah­lungs­fä­hig bleibt, erhält nor­ma­ler­wei­se den ver­ein­bar­ten Rück­zah­lungs­be­trag.

Im Zusam­men­hang mit dem Arti­kel ist wich­tig: Wan­del­an­lei­hen sind eine beson­de­re Form von Unter­neh­mens­an­lei­hen, weil sie zusätz­lich das Recht ent­hal­ten, die Anlei­he unter bestimm­ten Bedin­gun­gen in Akti­en umzu­wan­deln.

Wenn du willst, kann ich dir als Nächs­tes auch den Unter­schied zwi­schen Unter­neh­mens­an­lei­hen, Staats­an­lei­hen, Wan­del­an­lei­hen und Akti­en­an­lei­hen in einer ein­fa­chen Tabel­le erklä­ren.


Wan­del­an­lei­hen sind Unter­neh­mens­an­lei­hen mit einem zusätz­li­chen Recht: Der Anle­ger kann die Anlei­he inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums zu vor­her fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen in Akti­en des Unter­neh­mens umwan­deln.

Dadurch ver­bin­den sie Anlei­he und Aktie. Solan­ge nicht gewan­delt wird, erhält der Anle­ger grund­sätz­lich den ver­ein­bar­ten Kupon und hat den Rück­zah­lungs­an­spruch der Anlei­he. Steigt die zugrun­de lie­gen­de Aktie stark, wird das Wan­del­recht wert­vol­ler und damit meist auch die Wan­del­an­lei­he.

Ein­fa­ches Bei­spiel: Eine Wan­del­an­lei­he kann zu einem fest­ge­leg­ten Preis von 100 Euro je Aktie umge­tauscht wer­den. Steigt die Aktie spä­ter auf 140 Euro, kann die Wand­lung attrak­tiv sein. Liegt die Aktie dage­gen nur bei 80 Euro, wäre eine Wand­lung unat­trak­tiv; dann bleibt eher die Anlei­he­kom­po­nen­te im Vor­der­grund.

Der Arti­kel beschreibt die­sen Schutz­me­cha­nis­mus als „Bond Flo­or“: Fes­ter Rück­zah­lungs­preis und Zins­zah­lun­gen begren­zen das Ver­lust­ri­si­ko gegen­über einer rei­nen Aktie. Die­ser Schutz ist aber nicht abso­lut. Wenn der Akti­en­kurs stark gestie­gen ist und die Wan­del­an­lei­he dadurch sehr akti­en­ähn­lich gewor­den ist, kann auch ihr Kurs deut­lich fal­len.

Kurz gesagt:

Unter­neh­mens­an­lei­he: Zins + Rück­zah­lung.
Wan­del­an­lei­he: Zins + Rück­zah­lung plus Mög­lich­keit, von stei­gen­den Akti­en­kur­sen zu pro­fi­tie­ren.

Des­halb lie­gen Wan­del­an­lei­hen vom Risi­ko und Ertrag typi­scher­wei­se zwi­schen klas­si­scher Unter­neh­mens­an­lei­he und Aktie. Der Arti­kel betont aller­dings, dass sie kom­plex sind und ins­be­son­de­re Wan­del­be­din­gun­gen, Boni­tät, Akti­en­op­ti­on und Kurs­ri­si­ko beur­teilt wer­den müs­sen.

Hier ist der Unter­schied mög­lichst ein­fach zusam­men­ge­fasst:

Anla­ge­formWer schul­det dir das Geld?Was bekommst du?Abhän­gig­keit vom Akti­en­kursTypi­sches Risi­ko
Staats­an­lei­heStaatZin­sen + Rück­zah­lungKei­ne direk­teZah­lungs­fä­hig­keit des Staa­tes, Zins­än­de­run­gen
Unter­neh­mens­an­lei­heUnter­neh­menZin­sen + Rück­zah­lungKei­ne direk­teZah­lungs­fä­hig­keit des Unter­neh­mens, Zins­än­de­run­gen
Wan­del­an­lei­heUnter­neh­menZin­sen + Rück­zah­lung oder Mög­lich­keit zur Wand­lung in Akti­enJa, über das Wan­del­rechtMischung aus Anlei­he- und Akti­en­ri­si­ko
Akti­en­an­lei­heMeist eine BankHoher Kupon; Rück­zah­lung hängt von einer Aktie abStarkBei stark fal­len­der Aktie erheb­li­che Ver­lus­te

Der wesent­li­che Unter­schied zwi­schen Unter­neh­mens­an­lei­he und Wan­del­an­lei­he ist das Wan­del­recht. Bei einer Wan­del­an­lei­he kannst du unter vor­her fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen die Anlei­he in Akti­en umtau­schen. Steigt die Aktie deut­lich, kann die­ses Recht wert­voll wer­den.

Eine Akti­en­an­lei­he funk­tio­niert dage­gen prak­tisch in die ande­re Rich­tung: Der hohe Zins ist attrak­tiv, aber dafür über­nimmst du das Risi­ko eines Kurs­rück­gangs der zugrun­de lie­gen­den Aktie. Im Sie­mens-Ener­gy-Bei­spiel des Arti­kels betrug der Kupon 15,25 %. Fällt die Aktie jedoch stark genug, kann der Anle­ger statt einer voll­stän­di­gen Kapi­tal­rück­zah­lung Akti­en bezie­hungs­wei­se deren ent­spre­chend nied­ri­ge­ren Gegen­wert erhal­ten.

Ein guter Merk­satz ist daher:

Staats­an­lei­he: „Ich lei­he einem Staat Geld.“
Unter­neh­mens­an­lei­he: „Ich lei­he einem Unter­neh­men Geld.“
Wan­del­an­lei­he: „Ich lei­he einem Unter­neh­men Geld und kann even­tu­ell Aktio­när wer­den.“
Akti­en­an­lei­he: „Ich lei­he einer Bank Geld und über­neh­me zusätz­lich das Risi­ko einer bestimm­ten Aktie.“

Bei Wan­del­an­lei­hen liegt das Chan­ce-Risi­ko-Pro­fil des­halb häu­fig zwi­schen klas­si­scher Anlei­he und Aktie. Der Arti­kel weist aller­dings dar­auf hin, dass der Anlei­hen­schutz begrenzt ist und eine stark akti­en­ori­en­tier­te Wan­del­an­lei­he eben­falls erheb­lich im Kurs fal­len kann.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater