Deut­sche Wirt­schaft fasst wie­der Tritt – doch der Auf­schwung bleibt fra­gil

Die deut­sche Wirt­schaft sen­det zum Herbst zuneh­mend posi­ti­ve Signa­le. Nach einem schwa­chen Som­mer und einer vor­aus­sicht­li­chen Sta­gna­ti­on im drit­ten Quar­tal meh­ren sich die Hin­wei­se dar­auf, dass die Kon­junk­tur zum Jah­res­en­de wie­der an Dyna­mik gewinnt. Die Stim­mung in den Unter­neh­men hat sich im Okto­ber erneut ver­bes­sert. Der Geschäfts­kli­ma­in­dex stieg von 89,9 auf 90,2 Punk­te und damit bereits den sechs­ten Monat in Fol­ge. Vor allem die Erwar­tun­gen für die kom­men­den Mona­te hell­ten sich auf, wäh­rend die aktu­el­le Geschäfts­la­ge etwas zurück­hal­ten­der beur­teilt wur­de.

Beson­ders deut­lich zeigt sich die Ver­bes­se­rung in der Indus­trie. Im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be leg­ten sowohl die Ein­schät­zung der gegen­wär­ti­gen Lage als auch die Erwar­tun­gen spür­bar zu. Erst­mals seit mehr als drei Jah­ren beweg­ten sich bei­de Indi­ka­to­ren wie­der im posi­ti­ven Bereich. Gleich­zei­tig nahm die Zahl der Neu­auf­trä­ge zu, sodass zahl­rei­che Unter­neh­men mit einer stei­gen­den Pro­duk­ti­on rech­nen. Vor allem die Elek­tro­in­dus­trie und der Maschi­nen­bau ent­wi­ckeln sich ver­gleichs­wei­se robust. Schwie­ri­ger bleibt die Lage dage­gen in ener­gie­in­ten­si­ven Bran­chen, die wei­ter­hin unter hohen Kos­ten und schwa­cher Nach­fra­ge lei­den.

In den übri­gen Wirt­schafts­be­rei­chen fällt das Bild weni­ger ein­deu­tig aus. Im Dienst­leis­tungs­sek­tor trüb­te sich die Stim­mung etwas ein, weil die Unter­neh­men ihre lau­fen­den Geschäf­te kri­ti­scher bewer­te­ten. Die Erwar­tun­gen ver­bes­ser­ten sich zwar, konn­ten den Rück­gang bei der Lage­ein­schät­zung jedoch nicht voll­stän­dig aus­glei­chen. Eine posi­ti­ve Aus­nah­me bil­den IT-Dienst­leis­ter. Im Han­del blieb das Geschäfts­kli­ma ins­ge­samt unver­än­dert. Wäh­rend die aktu­el­le Lage schwä­cher beur­teilt wur­de, ver­bes­ser­ten sich die Erwar­tun­gen leicht. Etwas güns­ti­ger ent­wi­ckel­te sich das Bau­haupt­ge­wer­be, wo sich sowohl die Beur­tei­lung der lau­fen­den Geschäf­te als auch der Blick auf die kom­men­den Mona­te auf­hell­ten.

Damit ver­dich­ten sich die Anzei­chen, dass die deut­sche Wirt­schaft ihre lan­ge Schwä­che­pha­se all­mäh­lich hin­ter sich las­sen könn­te. Nach einem vor­aus­sicht­lich sta­gnie­ren­den drit­ten Quar­tal spricht die Ent­wick­lung der Unter­neh­mens­stim­mung für ein bes­se­res Schluss­quar­tal. Von einem kräf­ti­gen Auf­schwung kann aller­dings noch kei­ne Rede sein. Die Erho­lung bleibt lang­sam und anfäl­lig für Rück­schlä­ge.

Ein wesent­li­cher Belas­tungs­fak­tor ist die wei­ter­hin hohe Infla­ti­on. Sie schmä­lert die Kauf­kraft der Ver­brau­cher und dämpft deren Bereit­schaft zu grö­ße­ren Aus­ga­ben. Auch im kom­men­den Jahr dürf­te der Preis­auf­trieb ver­gleichs­wei­se hoch blei­ben. Damit fällt der pri­va­te Kon­sum vor­erst als ent­schei­den­der Wachs­tums­mo­tor aus. Zugleich begren­zen hohe Finan­zie­rungs­kos­ten und anhal­ten­de Unsi­cher­heit die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft vie­ler Unter­neh­men.

Hin­zu kom­men erheb­li­che außen­wirt­schaft­li­che und geo­po­li­ti­sche Risi­ken. Hohe Ener­gie­kos­ten, inter­na­tio­na­le Kon­flik­te und wirt­schaft­li­che Pro­ble­me wich­ti­ger Han­dels­part­ner kön­nen die Erho­lung jeder­zeit brem­sen. Beson­ders die Ent­wick­lung im Nahen Osten und die ange­spann­te wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Lage in Frank­reich gel­ten als Unsi­cher­heits­fak­to­ren. Für die export­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft sind sol­che Ent­wick­lun­gen von beson­de­rer Bedeu­tung, da sie unmit­tel­bar auf Nach­fra­ge, Inves­ti­tio­nen und Unter­neh­mens­ver­trau­en durch­schla­gen kön­nen.

Sta­bi­li­siert wird die Kon­junk­tur der­zeit vor allem durch stei­gen­de staat­li­che Aus­ga­ben für Infra­struk­tur und Ver­tei­di­gung. Auch zusätz­li­che Nach­fra­ge nach deut­schen Vor­leis­tungs­gü­tern im Zusam­men­hang mit dem Aus­bau von KI-Infra­struk­tur sorgt für Impul­se. Für das Gesamt­jahr 2026 wird des­halb mit einem Wirt­schafts­wachs­tum von mehr als einem Pro­zent gerech­net. Aller­dings beru­hen wesent­li­che Tei­le die­ser Erho­lung auf öffent­li­chen Aus­ga­ben. Die pri­va­ten Inves­ti­tio­nen blei­ben ver­hal­ten, sodass noch nicht von einem selbst­tra­gen­den Auf­schwung gespro­chen wer­den kann.

Die deut­sche Wirt­schaft befin­det sich damit in einer Über­gangs­pha­se. Die tiefs­te kon­junk­tu­rel­le Schwä­che scheint über­wun­den, und ins­be­son­de­re die Indus­trie lie­fert erst­mals seit län­ge­rer Zeit wie­der deut­lich posi­ti­ve­re Signa­le. Gleich­zei­tig feh­len noch jene Kräf­te, die einen brei­ten und nach­hal­ti­gen Auf­schwung tra­gen könn­ten. Hohe Infla­ti­on, zurück­hal­ten­der Kon­sum, schwa­che pri­va­te Inves­ti­tio­nen und zahl­rei­che inter­na­tio­na­le Risi­ken begren­zen das Wachs­tums­po­ten­zi­al. Die Rich­tung stimmt, doch aus der vor­sich­ti­gen Erho­lung ist noch kei­ne ech­te Auf­bruch­stim­mung gewor­den.


Quel­le: ifo

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