Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung in den Paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten

Struk­tur­bil­den­de Über­gangs­hil­fe, Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven in den Paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge von Abge­ord­ne­ten von Bünd­nis 90/Die Grü­nen zu Wie­der­auf­bau, Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven und Über­gangs­hil­fe in den Paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten.

Wich­tigs­te Punk­te:

  • Die Bun­des­re­gie­rung betont, dass deut­sche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit in Gaza und im West­jor­dan­land dar­auf aus­ge­rich­tet ist, Lebens­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern, staat­li­che Struk­tu­ren zu stär­ken und lang­fris­tig zu einer ver­han­del­ten Zwei­staa­ten­lö­sung bei­zu­tra­gen.
  • Für Gaza kon­zen­triert sich das BMZ der­zeit auf soge­nann­te Ear­ly-Reco­very-Maß­nah­men (frü­he Wie­der­her­stel­lung von Lebens­grund­la­gen und Infra­struk­tur). Ein umfas­sen­der Wie­der­auf­bau sei unter den aktu­el­len Bedin­gun­gen noch nicht mög­lich.
  • Als zen­tra­le Hin­der­nis­se nennt die Bun­des­re­gie­rung:
    • Ein­fuhr­be­schrän­kun­gen und Zugangs­pro­ble­me,
    • ein­ge­schränk­te Bewe­gungs­frei­heit,
    • Gewalt extre­mis­ti­scher israe­li­scher Sied­ler,
    • Ent­wick­lun­gen hin zu einer fak­ti­schen Anne­xi­on von Tei­len des West­jor­dan­lands.
  • Die Bun­des­re­gie­rung hält einen nach­hal­ti­gen Wie­der­auf­bau nur dann für rea­lis­tisch, wenn er in einen poli­ti­schen Frie­dens­pro­zess ein­ge­bet­tet ist. Sie bekräf­tigt ihre Unter­stüt­zung einer Zwei­staa­ten­lö­sung auf Grund­la­ge der Gren­zen von 1967. Anne­xi­on und Ver­trei­bung wer­den aus­drück­lich abge­lehnt.
  • Deutsch­land setzt sich gegen­über Isra­el nach eige­nen Anga­ben für bes­se­re huma­ni­tä­re Zugän­ge, die Ein­fuhr benö­tig­ter Güter und die Arbeits­fä­hig­keit inter­na­tio­na­ler Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ein.
  • Die Ver­ein­ten Natio­nen und ihre Orga­ni­sa­tio­nen wer­den von der Bun­des­re­gie­rung als zen­tra­le Akteu­re für huma­ni­tä­re Hil­fe und künf­ti­gen Wie­der­auf­bau ange­se­hen. Deutsch­land finan­ziert zahl­rei­che ent­spre­chen­de Pro­gram­me.
  • Zur„Team Gaza Initia­ti­ve“ der EU trägt Deutsch­land unter ande­rem bei:
    • 38 Mio. € für Unter­künf­te und Basis­ver­sor­gung,
    • 17 Mio. € für Was­ser- und Abwas­ser­sys­te­me,
    • 18 Mio. € für Ernäh­rungs­si­che­rung,
    • wei­te­re Mit­tel für Gover­nan­ce, Gesund­heit und mul­ti­sek­to­ra­le Maß­nah­men.
  • Eine inter­na­tio­na­le Wie­der­auf­bau­kon­fe­renz für Gaza wird der­zeit noch nicht durch­ge­führt, weil die Rah­men­be­din­gun­gen vor Ort aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung kei­nen Wie­der­auf­bau zulas­sen.
  • Die Bun­des­re­gie­rung erkennt das paläs­ti­nen­si­sche Selbst­be­stim­mungs­recht aus­drück­lich an und will paläs­ti­nen­si­sche Insti­tu­tio­nen, Kom­mu­nen, Unter­neh­men und die Zivil­ge­sell­schaft in Pla­nun­gen für Ent­wick­lung und Wie­der­auf­bau ein­be­zie­hen.
  • Für die Jah­re 2026 bis 2030 sind Mit­tel für Ear­ly-Reco­very-Pro­gram­me über Orga­ni­sa­tio­nen wie GIZ, KfW, UNDP, UNICEF, UNRWA, WFP und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen vor­ge­se­hen. Gleich­zei­tig warnt die Bun­des­re­gie­rung, dass Kür­zun­gen im BMZ-Haus­halt die Reich­wei­te sol­cher Maß­nah­men ein­schrän­ken wer­den.
  • Im Bereich Bil­dung, psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung und Kin­der­schutz finan­ziert Deutsch­land unter ande­rem tem­po­rä­re Klas­sen­räu­me, Lern­ma­te­ria­li­en, Inklu­si­ons­pro­gram­me für Men­schen mit Behin­de­run­gen und psy­cho­lo­gi­sche Hilfs­an­ge­bo­te.
  • Abschlie­ßend bekräf­tigt die Bun­des­re­gie­rung ihre For­de­rung nach einer nach­hal­ti­gen Waf­fen­ru­he, nach unein­ge­schränk­tem huma­ni­tä­rem Zugang und nach einem Stopp des völ­ker­rechts­wid­ri­gen Sied­lungs­aus­baus im West­jor­dan­land.

Kurz­fa­zit: Die Bun­des­re­gie­rung sieht der­zeit den Schwer­punkt nicht im eigent­li­chen Wie­der­auf­bau Gazas, son­dern in Über­gangs- und Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men. Sie macht Fort­schrit­te ins­be­son­de­re von einer Waf­fen­ru­he, bes­se­ren Zugangs­be­din­gun­gen und einem poli­ti­schen Pro­zess hin zu einer Zwei­staa­ten­lö­sung abhän­gig.


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