Die Pre-Mor­tem-Metho­de

Grund­idee

Ein Post-Mor­tem ist eine Ana­ly­se nach einem Miss­erfolg: Was ist schief­ge­lau­fen? Das Pre-Mor­tem dreht die­se Logik um. Man führt die Ana­ly­se vor Pro­jekt­be­ginn durch und tut so, als sei das Schei­tern bereits ein­ge­tre­ten.

Die zen­tra­le Fra­ge lau­tet nicht „Was könn­te schief­ge­hen?“, son­dern:

„Stellt euch vor, wir sind ein Jahr in der Zukunft. Das Pro­jekt ist kom­plett geschei­tert. Was ist pas­siert?“

Die Metho­de wur­de vom Psy­cho­lo­gen Gary Klein ent­wi­ckelt und 2007 im Har­vard Busi­ness Review bekannt gemacht. Sie stützt sich auf For­schung zur „pro­s­pec­ti­ve hind­sight“ (vor­weg­ge­nom­me­ne Rück­schau): Wenn Men­schen sich ein Ereig­nis als bereits gesche­hen vor­stel­len, fin­den sie deut­lich mehr und kon­kre­te­re Ursa­chen dafür, als wenn sie nur über Mög­lich­kei­ten nach­den­ken.

Ablauf

  1. Vor­be­rei­tung: Das Team kennt den Plan bzw. die Ent­schei­dung.
  2. Schei­tern anneh­men: Die Mode­ra­ti­on ver­kün­det: „Das Pro­jekt ist geschei­tert, und zwar spek­ta­ku­lär.“
  3. Ein­zeln Grün­de notie­ren: Jede Per­son schreibt eini­ge Minu­ten lang still auf, war­um es geschei­tert sein könn­te. Das ver­hin­dert gegen­sei­ti­ge Beein­flus­sung.
  4. Grün­de sam­meln: Reih­um nennt jede Per­son einen Grund, bis alle erfasst sind.
  5. Prio­ri­sie­ren: Wel­che Risi­ken sind am wahr­schein­lichs­ten oder am gra­vie­rends­ten?
  6. Gegen­maß­nah­men ent­wi­ckeln: Der Plan wird ange­passt, und Früh­warn­si­gna­le wer­den fest­ge­legt.
  7. Spä­ter über­prü­fen: Die Lis­te wird im Pro­jekt­ver­lauf erneut her­an­ge­zo­gen.

War­um es funk­tio­niert

  • Kri­tik wird legi­ti­miert: Wer Beden­ken äußert, gilt nicht als Brem­ser, son­dern erfüllt die Auf­ga­be.
  • Opti­mis­mus wird gedämpft: Die Metho­de wirkt gegen den Plan­ning Fall­a­cy (Pla­nungs­fehl­schluss) und über­mä­ßi­ge Zuver­sicht.
  • Lei­se Stim­men kom­men zu Wort: Durch das stil­le Notie­ren betei­li­gen sich auch zurück­hal­ten­de oder hier­ar­chisch nied­ri­ge­re Team­mit­glie­der.

Unter­schie­de zum Devil’s‑Advocate-Prinzip

AspektDevil’s Advo­ca­tePre-Mor­tem
Wer kri­ti­siert?Meist eine bestimm­te Per­sonAlle Teil­neh­men­den
Zeit­per­spek­ti­veGegen­wart: „Ist die­se Posi­ti­on rich­tig?“Gedach­te Zukunft: „War­um ist es geschei­tert?“
Grund­an­nah­meDie Idee könn­te falsch seinDie Idee ist geschei­tert (gedank­lich gesetzt)
Art der Kri­tikGegen­ar­gu­men­te, oft abs­trakt und logischKon­kre­te Schei­terns­sze­na­ri­en und Ursa­chen
Sozia­le Dyna­mikKann kon­fron­ta­tiv wir­ken, eine Per­son steht gegen die Grup­peKoope­ra­tiv, alle suchen gemein­sam nach Risi­ken
FokusPrü­fung von Argu­men­ten, Annah­men und Ent­schei­dun­genUmset­zungs­ri­si­ken bei Pro­jek­ten und Plä­nen
Ergeb­nisGeschärf­te oder revi­dier­te Posi­ti­onLis­te von Risi­ken und Gegen­maß­nah­men
Ein­satz­zeit­punktJeder­zeit in Dis­kus­sio­nenTypi­scher­wei­se nach der Pla­nung, vor dem Start

Der Kern­un­ter­schied

  • Der Devil’s Advo­ca­te fragt: „Stimmt das über­haupt?“ Er stellt die Ent­schei­dung selbst infra­ge.
  • Das Pre-Mor­tem fragt: „Wor­an wird es schei­tern?“ Es akzep­tiert die Ent­schei­dung zunächst und sucht nach Schwach­stel­len in der Umset­zung.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt: Beim Devil’s Advo­ca­te wis­sen alle, dass die Kri­tik gespielt ist. Des­halb wird sie leich­ter abge­tan. Beim Pre-Mor­tem äußern die Teil­neh­men­den oft ech­te, bis­her unaus­ge­spro­che­ne Beden­ken, weil der Rah­men sie dazu ein­lädt.

Gemein­sam­kei­ten

Bei­de Metho­den

  • wir­ken gegen Grup­pen­den­ken und Bestä­ti­gungs­feh­ler,
  • insti­tu­tio­na­li­sie­ren Kri­tik, damit sie nicht vom Mut Ein­zel­ner abhängt,
  • zie­len auf robus­te­re Ent­schei­dun­gen.

Wann was?

  • Devil’s Advo­ca­te: wenn es um die Fra­ge geht, ob man etwas tun soll­te, etwa bei stra­te­gi­schen Wei­chen­stel­lun­gen, The­sen oder Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen.
  • Pre-Mor­tem: wenn die Ent­schei­dung im Grund­satz steht und es dar­um geht, wie man sie erfolg­reich umsetzt, etwa bei Pro­jekt­starts, Pro­dukt­ein­füh­run­gen oder Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen.

Kom­bi­niert ergän­zen sie sich gut: Zuerst prüft der Devil’s Advo­ca­te, ob der Weg rich­tig ist. Danach deckt das Pre-Mor­tem auf, wo auf die­sem Weg die Stol­per­stei­ne lie­gen.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater