Erkenntnisse der Bundesregierung zu rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Fußball
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Fußball.
Wichtigste Aussagen:
- Die Bundesregierung erklärt mehrfach, dass viele der angefragten Daten zu rechtsextremen Straftaten in Fußballstadien oder im Umfeld von Spielen nicht zentral erfasst werden und deshalb keine automatisierte Auswertung möglich ist.
- Nach Angaben der Bundesregierung lässt sich aus den verfügbaren Daten keine generelle Zunahme rechtsextremistischer Gewalt im Fußballumfeld ableiten. Für Lagebilder wird insbesondere auf die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) verwiesen.
- Beim Abgleich der Datei„Gewalttäter Sport“ mit rechtsextremismusbezogenen Polizeidaten wurden 98 Personen identifiziert, die Überschneidungen aufweisen.
- Die Zahl rechtsextremistischer Ultras und Hooligans wird von der Bundesregierung als„niedrige dreistellige Zahl“ eingeschätzt; eine verlässliche Bezifferung sei jedoch nicht möglich.
- Konkrete Erkenntnisse über eine gezielte rechtsextreme Unterwanderung von Hooligan- oder Ultragruppen sowie über bestimmte rechtsextreme Fanorganisationen lägen der Bundesregierung weitgehend nicht vor oder könnten aus Gründen des Staatswohls nicht veröffentlicht werden.
- Als Beispiel für rechtsextreme Aktivitäten wird eine„Anti-CSD“-Demonstration in Bautzen am 10. August 2024 genannt, bei der das Auftreten der Teilnehmer teilweise an Fußballfanmärsche erinnerte. Eine eindeutige Zuordnung zu bestimmten Fan- oder Hooligangruppen sei jedoch nicht möglich.
- Die Bundesregierung hält es für möglich, dass die „Erlebniskultur Fußball“ für Rechtsextremisten ein Rekrutierungsfeld sein kann, verfügt aber nach eigener Aussage über keine Erkenntnisse zu einer gezielten Umsetzung. Als Gegenmaßnahmen verweist die Bundesregierung auf die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) sowie bundesweit 71 sozialpädagogische Fanprojekte, die Demokratie fördern und gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Extremismus arbeiten.
- Seit 2023 fördert der Bund zudem das„Bundes-/Präventionsprogramm gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport“, über das zahlreiche Fanprojekte Unterstützung erhalten.
- Eine bundesweite unabhängige Monitoringstelle für rassistische, antisemitische und rechtsextreme Vorfälle im Fußball wird von der Bundesregierung grundsätzlich begrüßt; über deren Einrichtung müssten jedoch Vereine und Verbände entscheiden.
Kurzfazit: Die Drucksache zeigt, dass die Bundesregierung rechtsextreme Einflüsse im Fußball als relevantes Thema anerkennt, zugleich aber betont, dass belastbare bundesweite Daten und zentrale Erfassungssysteme weitgehend fehlen. Statt repressiver Maßnahmen stehen in der Antwort vor allem Präventions‑, Fanprojekt- und Demokratieförderungsprogramme im Vordergrund.
Quelle: [Drucksache 21/8420]