Ex-Sta­si-Mit­ar­bei­ter im Bun­des­dienst

Prä­senz ehe­ma­li­ger haupt­amt­li­cher und inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter des Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit der DDR im öffent­li­chen Dienst des Bun­des

Wor­um es geht

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der AfD zur Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang ehe­ma­li­ge haupt­amt­li­che oder inof­fi­zi­el­le Mit­ar­bei­ter des DDR-Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit (MfS) heu­te im öffent­li­chen Dienst des Bun­des tätig sind – und wie damit umge­gan­gen wird.

Kern­punk­te der Regie­rungs­ant­wort

Kei­ne zen­tra­le Sta­tis­tik über MfS-Ver­gan­gen­heit

  • Es exis­tie­ren kei­ne zen­tral geführ­ten Daten dar­über, wie vie­le Beschäf­tig­te des Bun­des eine MfS-Ver­gan­gen­heit haben.
  • Grund: Eine sol­che Erfas­sung wäre mit unzu­mut­ba­rem Auf­wand ver­bun­den (umfang­rei­che Akten­prü­fung, teils nur hän­disch mög­lich).

Recht­li­che Grund­la­ge: Sta­si-Unter­la­gen-Gesetz (StUG)

  • Seit über 30 Jah­ren wer­den Über­prü­fun­gen gemäß StUG durch­ge­führt.
  • Die Bun­des­re­gie­rung sieht dar­in eine aus­rei­chen­de Trans­pa­renz.

Zah­len zu Über­prü­fungs­er­su­chen (2021–2026)

  • Sehr gerin­ge Fall­zah­len:
    • 2021: 0
    • 2022: 1
    • 2023: 0
    • 2024: 2
    • 2025: 0
    • 2026 (bis Juli): 0
  • Die­se Über­prü­fun­gen wur­den von ein­zel­nen Minis­te­ri­en oder Behör­den ver­an­lasst.

Kei­ne Anga­ben zu posi­ti­ven Ergeb­nis­sen oder Kon­se­quen­zen

  • Die Bun­des­re­gie­rung ver­wei­gert die Beant­wor­tung der Fra­gen zu:
    • posi­ti­ven Über­prü­fungs­er­geb­nis­sen
    • dienst­recht­li­chen Kon­se­quen­zen
  • Begrün­dung:
    • Unzu­mut­ba­rer Auf­wand
    • Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te
    • Gefahr der Iden­ti­fi­zier­bar­keit ein­zel­ner Per­so­nen auf­grund gerin­ger Fall­zah­len

Bewer­tung mög­li­cher Risi­ken

  • Erkennt­nis­se über MfS-Ver­gan­gen­heit flie­ßen in Sicher­heits­über­prü­fun­gen ein.
  • Ob ein Sicher­heits­ri­si­ko besteht, wird im Ein­zel­fall bewer­tet.
  • Ent­schei­dung liegt bei der jeweils zustän­di­gen Stel­le.

Kei­ne zusätz­li­chen inter­nen Richt­li­ni­en

  • Über StUG hin­aus exis­tie­ren kei­ne wei­ter­ge­hen­den Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zur Bewer­tung einer MfS-Ver­gan­gen­heit.

Kei­ne Zah­len zu MfS-Ver­gan­gen­heit in poli­ti­scher Bil­dung

  • Auch hier ver­weist die Bun­des­re­gie­rung auf feh­len­de Daten und den unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand.

Exter­ne Bera­ter / Hono­rar­do­zen­ten

  • Es gibt kei­ne ein­heit­li­che sys­te­ma­ti­sche Über­prü­fung.
  • Ob eine Prü­fung erfolgt, hängt vom Ein­zel­fall und den jewei­li­gen Rechts­grund­la­gen ab (u. a. § 12 Abs. 4 SÜG).

Kurz­fa­zit

Die Bun­des­re­gie­rung macht deut­lich, dass:

  • kei­ne umfas­sen­den Daten zur MfS-Ver­gan­gen­heit im Bun­des­dienst exis­tie­ren,
  • eine detail­lier­te Erhe­bung prak­tisch nicht mach­bar und recht­lich pro­ble­ma­tisch wäre,
  • Über­prü­fun­gen nur anlass­be­zo­gen und im Rah­men bestehen­der Geset­ze statt­fin­den,
  • die Fall­zah­len der letz­ten Jah­re mini­mal sind.

Kri­tik an der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung

  • Weit­ge­hen­de Ver­wei­ge­rung von Aus­künf­ten (Vor­be­halt der Zumut­bar­keit):
    Die Bun­des­re­gie­rung ver­wei­gert die Beant­wor­tung der zen­tra­len Fra­gen (1, 4, 5, 8 und 9). Mit dem Ver­weis auf einen „unzu­mut­ba­ren Auf­wand“ und feh­len­de zen­tra­le Sta­tis­ti­ken ent­zieht sie sich in wei­ten Tei­len der inhalt­li­chen Kon­trol­le durch das Par­la­ment.
  • Ableh­nung selbst ver­trau­li­cher Aus­künf­te (Geheim­schutz­stel­le):
    Beson­ders bemer­kens­wert ist, dass die Bun­des­re­gie­rung es ablehnt, die Infor­ma­tio­nen zu den Fra­gen 4 und 5 auch nur als Ver­schluss­sa­che (VS) an die Geheim­schutz­stel­le des Bun­des­ta­ges zu über­mit­teln. Nor­ma­ler­wei­se ist die Ein­stu­fung das vor­ge­se­he­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Instru­ment, um par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­rech­te und Geheim­hal­tungs­be­dürf­nis­se bzw. Per­sön­lich­keits­rech­te in Ein­klang zu brin­gen.
  • Man­geln­de sta­tis­ti­sche Erfas­sung:
    Kri­ti­ker aus dem Bereich der Auf­ar­bei­tung bemän­geln, dass der Bund bis heu­te kei­ne sys­te­ma­ti­schen oder digi­ta­len Über­sich­ten dar­über führt, wie oft Über­prü­fun­gen posi­tiv aus­fie­len und wel­che arbeits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen gezo­gen wur­den.
  • Pas­si­ve Über­prü­fungs­pra­xis:
    Die Ant­wort auf Fra­ge 3 offen­bart, dass in über fünf Jah­ren (2021 bis Juli 2026) in der gesam­ten Bun­des­ver­wal­tung ledig­lich drei Über­prü­fungs­er­su­chen beim Sta­si-Unter­la­gen-Archiv gestellt wur­den. Kri­ti­ker könn­ten argu­men­tie­ren, dass die bestehen­den gesetz­li­chen Instru­men­te des Sta­si-Unter­la­gen-Geset­zes (StUG) in der Pra­xis kaum noch aktiv genutzt wer­den.
  • Kei­ne Stan­dards bei exter­nen Akteu­ren (Fra­ge 10):
    Dass es bei Dozen­ten, Gut­ach­tern oder Zuwen­dungs­emp­fän­gern (z. B. der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung) kei­ne sys­te­ma­ti­sche Über­prü­fungs­pra­xis gibt, wird von den Fra­ge­stel­lern als Sicher­heits- und Inte­gri­täts­lü­cke gewer­tet.

Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7818

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