Finan­zie­rung von NGOs

Finan­zie­rung von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen in den Haus­halts­jah­ren 2024 und 2025

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zur Finan­zie­rung von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) in den Haus­halts­jah­ren 2024 und 2025.

1. Vor­be­mer­kun­gen und Grund­sätz­li­ches

  • Hin­ter­grund: Die Fra­ge­stel­ler beru­fen sich auf vor­he­ri­ge Anfra­gen und kri­ti­sie­ren, dass die Bun­des­re­gie­rung bis­her nur Über­sich­ten mit „zumut­ba­rem Auf­wand“ gelie­fert habe. Sie for­dern eine detail­lier­te, titel­schar­fe Auf­lis­tung aller direk­ten und indi­rek­ten För­de­run­gen.
  • Defi­ni­ti­on pro­ble­ma­tisch: Die Bun­des­re­gie­rung weist wie­der­holt dar­auf hin, dass es kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge recht­li­che Defi­ni­ti­on des Begriffs „Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on“ (NGO) gibt. Die Ein­schät­zung, ob eine Orga­ni­sa­ti­on als NGO gilt, obliegt den ein­zel­nen Res­sorts. Daher kön­nen Fra­gen zu Zah­lun­gen an „NGOs im All­ge­mei­nen“ oft nicht pau­schal beant­wor­tet wer­den, son­dern nur für spe­zi­fisch benann­te Orga­ni­sa­tio­nen.
  • Res­sort­prin­zip: Die Ant­wort wur­de res­sort­wei­se erstellt. Jedes Minis­te­ri­um hat für sei­nen Geschäfts­be­reich Daten gelie­fert.
  • Daten­zu­gang: Da eine zen­tra­le, maschi­nell aus­wert­ba­re Über­sicht über alle NGOs fehlt, ver­wei­sen eini­ge Minis­te­ri­en (wie das BMZ) auf ihre Trans­pa­renz­por­ta­le (z. B. IATI-Stan­dard), wo Fil­ter nach Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen gesetzt wer­den kön­nen.

2. Kern­in­hal­te der Ant­wor­ten nach Fra­gen

Fra­ge 1 & 2: Wel­che NGOs (national/international) wer­den geför­dert?

Die detail­lier­ten Lis­ten sind den Anla­gen 1 (nationale/in Deutsch­land akti­ve NGOs) und 2 (inter­na­tio­na­le NGOs) bei­gefügt. Die Ant­wort nennt hun­der­te von Orga­ni­sa­tio­nen. Wich­ti­ge Beob­ach­tun­gen aus den Anla­gen:

  • Groß­emp­fän­ger: Zu den größ­ten Emp­fän­gern gehö­ren häu­fig die poli­ti­schen Stif­tun­gen (Fried­rich-Ebert-Stif­tung, Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung, Hein­rich-Böll-Stif­tung, Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung, Hanns-Sei­del-Stif­tung, Rosa-Luxem­burg-Stif­tung). Die­se erhal­ten sowohl insti­tu­tio­nel­le För­de­rung (oft über das BMI oder AA) als auch Pro­jekt­mit­tel.
  • Wohl­fahrts­ver­bän­de: Gro­ße Sum­men flie­ßen an die Spit­zen­ver­bän­de der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge (AWO, Cari­tas, Dia­ko­nie, DRK, Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band, ZWST), ins­be­son­de­re für Migra­ti­ons­be­ra­tung (MBE) und Asyl­ver­fah­rens­be­ra­tung.
  • Kul­tur- und Gedenk­stät­ten: Zahl­rei­che För­de­run­gen gehen an Muse­en, Gedenk­stät­ten (z. B. Stif­tung Flucht, Ver­trei­bung und Ver­söh­nung, Jüdi­sche Gemein­den, Zen­tral­rat der Juden) und Kul­tur­ver­ei­ne.
  • Umwelt- und Natur­schutz: Orga­ni­sa­tio­nen wie der NABU, BUND, Schutz­ge­mein­schaft Deut­scher Wald sowie zahl­rei­che loka­le Agen­da-21-Netz­wer­ke erhal­ten Mit­tel (oft vom BKAmt oder BMLEH).
  • Sport und Inte­gra­ti­on: Vie­le Mit­tel flie­ßen über das BMI und BMLEH in Pro­gram­me wie „Inte­gra­ti­on durch Sport“ oder „Zusam­men­halt durch Teil­ha­be“. Emp­fän­ger sind oft Lan­des­sport­bün­de, aber auch vie­le klei­ne loka­le Sport­ver­ei­ne und Initia­ti­ven.
  • Spe­zi­fi­sche Pro­gram­me:
    • Reh­kitz­ret­tung: Auf­fäl­lig ist eine sehr gro­ße Anzahl klei­ne­rer Ver­ei­ne, die über das BMLEH Mit­tel für Droh­nen zur Reh­kitz­ret­tung erhal­ten (oft Beträ­ge um 3.000–4.000 Euro pro Ver­ein).
    • Extremismusprävention/Demokratieförderung: Orga­ni­sa­tio­nen wie die Ama­deu Anto­nio Stif­tung, Demo­kra­tie-Insti­tu­te, Bil­dungs­stät­ten (z. B. Anne Frank Zen­trum) und Netz­wer­ke gegen Rassismus/Antisemitismus erhal­ten erheb­li­che Mit­tel, vor allem vom BMI und BMFSFJ (bzw. den zustän­di­gen Nach­fol­geres­sorts).

Fra­ge 3: Wel­che För­der­richt­li­ni­en lie­gen zugrun­de?

Es wird auf die Anla­gen ver­wie­sen. Genann­te Rechts­grund­la­gen sind häu­fig:

  • §§ 23, 44 der Bun­des­haus­halts­ord­nung (BHO).
  • Das Stif­tungs­ge­setz (Stift­FinG) für poli­ti­sche Stif­tun­gen.
  • Spe­zi­fi­sche Richt­li­ni­en wie die „För­der­richt­li­nie zur Durch­füh­rung der Asyl­ver­fah­rens­be­ra­tung“, das Bun­des­pro­gramm „Zusam­men­halt durch Teil­ha­be“, das Bun­des­pro­gramm „Länd­li­che Ent­wick­lung Plus“ oder Richt­li­ni­en zur För­de­rung der bio­lo­gi­schen Viel­falt.
  • Völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge oder Ver­wal­tungs­ab­kom­men (z. B. für Min­der­hei­ten­för­de­rung wie beim Bund Deut­scher Nord­schles­wi­ger oder der Domo­wi­na).

Fra­ge 4: Wei­ter­lei­tung von Mit­teln (Durch­lei­tung)

  • Die Bun­des­re­gie­rung stellt fest, dass eine zen­tra­le Über­sicht über Durch­lei­tun­gen (Erst­emp­fän­ger lei­tet Geld an Letzt­emp­fän­ger wei­ter) nicht exis­tiert.
  • Recht­lich ist der Erst­emp­fän­ger ver­ant­wort­lich. Eine Wei­ter­lei­tung muss im Zuwen­dungs­be­scheid erlaubt sein.
  • In den Anla­gen ist bei vie­len Ein­trä­gen ver­merkt, ob es sich um Erst‑, Zwi­schen- oder Letzt­emp­fän­ger han­delt. Bei gro­ßen Ver­bän­den (wie Cari­tas oder Dia­ko­nie) sind oft loka­le Glie­de­run­gen als Letzt­emp­fän­ger auf­ge­führt, wäh­rend der Bun­des­ver­band das Geld ver­wal­tet.

Fra­ge 5: Gibt es ver­bes­ser­te Über­sich­ten?

  • Nein. Die Bun­des­re­gie­rung ver­weist auf frü­he­re Ant­wor­ten. Es lie­gen kei­ne neu­en, zen­tra­li­sier­ten und ver­bes­ser­ten Gesamt­über­sich­ten vor, da die dezen­tra­le Struk­tur der Haus­halts­voll­zie­hung dies erschwert und der Begriff NGO unscharf ist.

Fra­ge 6: Pla­nung zur Fort­schrei­bung der Über­sich­ten?

  • Nein. Die Bun­des­re­gie­rung plant nicht, die manu­ell erstell­ten Über­sich­ten fort­zu­schrei­ben.
  • Begrün­dung: Die Aus­rei­chung der Zuwen­dun­gen erfolgt ohne­hin auf Grund­la­ge der haus­halts­recht­li­chen Regu­la­ri­en. Für die Steue­rung der Zuwen­dun­gen durch die Regie­rung sei eine sol­che geson­der­te, manu­el­le Fort­schrei­bung nicht erfor­der­lich. Das par­la­men­ta­ri­sche Infor­ma­ti­ons­recht wer­de durch die Ein­zel­aus­künf­te und die vor­han­de­nen Daten­ban­ken (wie beim BMZ) gewahrt.

3. Beson­der­hei­ten ein­zel­ner Res­sorts (aus den Anhän­gen)

  • Aus­wär­ti­ges Amt (AA): För­dert stark im Bereich der aus­wär­ti­gen Kul­tur- und Bil­dungs­po­li­tik sowie der huma­ni­tä­ren Hil­fe. Vie­le inter­na­tio­na­le NGOs (z. B. Danish Refu­gee Coun­cil, Nor­we­gi­an Refu­gee Coun­cil, HALO Trust) erhal­ten hohe Sum­men. Tei­le der Daten sind als VS-NfD (Ver­schluss­sa­che – Nur für den Dienst­ge­brauch) ein­ge­stuft, um Part­ner vor Ort nicht zu gefähr­den.
  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (BMI): För­dert schwer­punkt­mä­ßig im Bereich Zivil­ge­sell­schaft, Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on, Sport, Hei­mat­pfle­ge und Inte­gra­ti­on. Hier fin­den sich vie­le der poli­ti­schen Stif­tun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen der jüdi­schen Gemein­schaft.
  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Land­wirt­schaft, Ernäh­rung und Hei­mat (BMLEH): För­dert vie­le länd­li­che Pro­jek­te, Ernäh­rungs­be­ra­tung, Ver­brau­cher­schutz und Natur­schutz. Auf­fäl­lig die vie­len klei­nen För­de­run­gen für Jagdvereine/Drohnenprojekte.
  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF): Weist dar­auf hin, dass in der Lis­te auch Maß­nah­men der Stif­tung EVZ (Erin­ne­rung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft) und der Jewish Claims Con­fe­rence ent­hal­ten sind, obwohl die­se nicht bun­des­ei­ge­ne Unter­neh­men sind.

Fazit

Die Druck­sa­che zeigt das enor­me Spek­trum der staat­li­chen Finan­zie­rung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Akteu­re in Deutsch­land. Wäh­rend gro­ße Struk­tu­ren (Wohl­fahrts­ver­bän­de, poli­ti­sche Stif­tun­gen) insti­tu­tio­nell geför­dert wer­den, basiert ein gro­ßer Teil der För­de­rung auf pro­jekt­be­zo­ge­nen Zuwen­dun­gen für kon­kre­te Zwe­cke (Inte­gra­ti­on, Demo­kra­tie­för­de­rung, Natur­schutz, Kul­tur). Die Bun­des­re­gie­rung lehnt es ab, eine zen­tra­le, dyna­mi­sche “NGO-Daten­bank” zu füh­ren, da der Begriff recht­lich nicht fass­bar ist und der Ver­wal­tungs­auf­wand als unver­hält­nis­mä­ßig ange­se­hen wird. Statt­des­sen wird auf die ohne­hin vor­han­de­ne Trans­pa­renz der Haus­halts­da­ten und res­sort­spe­zi­fi­sche Por­ta­le ver­wie­sen.


Quel­le: Druck­sa­che 21/8307

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