
Mothin Ali ist ein britischer Politiker der Green Party of England and Wales. Seit September 2025 ist er gemeinsam mit Rachel Millward einer der beiden stellvertretenden Parteivorsitzenden. Zuvor wurde er im Mai 2024 für Gipton and Harehills in Leeds in den Stadtrat gewählt – als erster Green-Councillor dieses Wahlbezirks. Beruflich ist er laut Partei Buchhalter; daneben ist er seit Jahren in Gemeinwesenarbeit und Gartenbau/Permakultur aktiv und gründete die Initiative „Dig It Out“ gegen Rassismus im Gartenbau.
Überregional bekannt wurde Ali allerdings vor allem durch Kontroversen rund um Israel, Gaza und den 7. Oktober 2023.
- Seine Siegesrede 2024: Nach seiner Wahl in Leeds erklärte Ali unter anderem, sein Wahlsieg sei ein Sieg „for the people of Gaza“, sagte, man werde die Stimme Gazas und Palästinas erheben, und rief anschließend „Allahu Akbar“. Das führte zu erheblicher medialer und politischer Kritik. Wichtig für den Kontext: „Allahu Akbar“ („Gott ist der Größte“) ist für sich genommen eine gewöhnliche muslimische religiöse Wendung. Ali argumentierte später selbst, die Empörung über die Formulierung sei teilweise islamophob motiviert. Die eigentliche politische Kontroverse entstand vor allem dadurch, dass er seinen kommunalen Wahlsieg ausdrücklich mit Gaza verknüpfte.
- Äußerungen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023: Ali veröffentlichte damals Äußerungen, wonach „indigenous people have the right to fight back“. Kritiker interpretierten dies als Rechtfertigung oder Verharmlosung des Hamas-Angriffs. Ali bestreitet diese Interpretation: Er erklärte später, er habe ein allgemeines Recht von Menschen auf Widerstand gegen Besatzung gemeint und nicht die Tötung israelischer Zivilisten unterstützt. Später entschuldigte er sich für die „short sightedness“ dieser Wortwahl beziehungsweise für den dadurch verursachten Ärger.
- Auseinandersetzung um einen Rabbiner aus Leeds: Weitere Kritik entstand durch Äußerungen Alis über einen jüdischen Hochschulrabbiner aus Leeds, der als israelischer Reservist nach Israel gegangen war. Ali bezeichnete ihn unter anderem als „creep“ und erhob schwere Vorwürfe gegen dessen Tätigkeit für die israelischen Streitkräfte. Der Rabbiner und seine Familie erhielten später massive Drohungen; Ali wurde wegen seiner Äußerungen von jüdischen Organisationen und anderen Kritikern scharf angegriffen. Die Green Party leitete 2024 wegen seiner Gaza-bezogenen Äußerungen eine Untersuchung ein, suspendierte ihn damals aber nicht.
Ali erklärte seinerseits ausdrücklich: „I do not support violence on either side“, forderte einen sofortigen Waffenstillstand und die Freilassung aller Geiseln und sagte, Teile der Berichterstattung stellten seine Position falsch dar.
Es gibt daneben eine andere Seite seiner öffentlichen Wahrnehmung: Bei den Unruhen in Harehills im Juli 2024 war Ali vor Ort und versuchte nach übereinstimmenden Berichten, die Situation zu deeskalieren. Er stellte sich zwischen Beteiligte und Polizei, entfernte Gegenstände aus einem Feuer bzw. verhinderte, dass weiteres Material hineingeworfen wurde, und rief öffentlich zu Ruhe auf. Im Internet kursierten anschließend auch Behauptungen, er habe selbst an den Ausschreitungen teilgenommen; der Guardian berichtete dagegen, dass Bildmaterial ihn beim Deeskalieren und Feuerlöschen zeigte.
Aktuell, im Oktober 2026, steht Ali erneut im Zentrum einer innerparteilichen Kontroverse. Auf dem Parteitag beschlossen die Greens mit 1.022 zu 813 Stimmen eine Resolution, die Zionismus als eine Form von Rassismus einordnet und eine Ein-Staat-Lösung für Israel/Palästina unterstützt. Ali unterstützte die Resolution. Mehrere prominente Greens und jüdische Organisationen kritisierten sie scharf; vier der fünf Green-Abgeordneten im Unterhaus lehnten sie ab. Damit gehört Ali momentan zu den sichtbarsten Vertretern des stark pro-palästinensischen Flügels der Partei.
Kurz gesagt: Ali ist vom lokalen Community-Aktivisten in Leeds innerhalb von gut zwei Jahren in die nationale Parteiführung aufgestiegen. Bekannt wurde er einerseits durch lokale Sozial- und Deeskalationsarbeit, andererseits – deutlich stärker – durch seine sehr pointierten Positionen zu Israel/Palästina. Gerade seine Äußerungen unmittelbar nach dem 7. Oktober und gegenüber einem jüdischen Rabbiner haben Vorwürfe ausgelöst, seine Rhetorik überschreite die Grenze von scharfer Israelkritik zu antisemitischen Mustern. Ali weist diese Interpretation zurück und stellt seine Position als antikolonial, pro-palästinensisch und gegen Gewalt gerichtet dar.
Politische Kontroverse bei der grünen Partei in England und Wales (Green Party of England and Wales):
Der betreffende Parteitag fand am Sonntag, den 4. Oktober 2026 in Brighton statt.
1. Der Beschluss
Auf einem Parteitag der britischen Grünen stimmten die Mitglieder mit 1.022 zu 813 Stimmen für einen Grundsatzbeschluss, der Zionismus offiziell mit Rassismus gleichsetzt und fordert, den Staat Israel durch einen gemeinsamen palästinensischen Staat zu ersetzen.
2. Die Nachwahl (By-Election)
Parteichef Zack Polanski verpasste die Abstimmung auf dem Parteitag selbst, weil er im Wahlkampf für eine wichtige Parlamentsnachwahl im Londoner Wahlkreis Holborn and St Pancras unterwegs war.Infolge der heftigen öffentlichen Kritik und der Debatten rund um den Parteitagsbeschluss verloren die Grünen diese Nachwahl.
3. Die Spaltung der Partei
Der Beschluss führte zu tiefen Gräben innerhalb der Partei:
- Parteilinie vs. Parlamentsfraktion:Vier der fünf grünen Abgeordneten im britischen Unterhaus lehnten den Antrag ab.Sie äußerten sich öffentlich besorgt und zutiefst betrübt über den Beschluss.
- Antisemitismus-Debatte:Kritiker bezeichneten die Resolution (u. a. gemäß der IHRA-Definition) als antisemitisch, da sie das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes abspreche. Jüdische Parteimitglieder befürchteten Disziplinarmaßnahmen.
Der Vorfall stoppe den bisherigen politischen Aufwärtstrend der britischen Grünen und löste eine schwere interne Krise aus.