Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) | 8. Oktober 2026
1. Kernaussage
Die Bundesregierung erwartet für 2026 eine deutlich stärkere wirtschaftliche Erholung als bisher angenommen. Allerdings dürfte sich das Wachstum in den kommenden Jahren wieder abschwächen.
Die Erholung wird vor allem durch Exporte, staatliche Ausgaben und öffentliche Investitionen getragen. Der private Konsum und die Investitionstätigkeit der Unternehmen bleiben dagegen schwach.
2. Die wichtigsten Wirtschaftskennzahlen
Veränderung gegenüber dem Vorjahr, soweit nicht anders angegeben
| Kennzahl | 2026 | 2027 | 2028 |
|---|---|---|---|
| Reales BIP-Wachstum | +1,3 % | +1,1 % | +0,6 % |
| Inflation | 2,7 % | 3,0 % | 2,2 % |
| Arbeitslosenquote | 6,4 % | 6,4 % | 6,2 % |
| Erwerbstätige | −0,5 % | −0,4 % | −0,2 % |
| Privater Konsum (real) | +0,3 % | +0,5 % | +0,5 % |
| Staatskonsum (real) | +2,6 % | +1,2 % | +0,8 % |
| Investitionen (real) | +0,6 % | +2,7 % | +1,4 % |
| Exporte (real) | +3,7 % | +2,1 % | +1,1 % |
3. Wesentliche Entwicklungen
Wirtschaftswachstum: Die Prognose für 2026 wurde gegenüber dem Frühjahr um 0,8 Prozentpunkte auf 1,3 % angehoben. Für 2027 und 2028 wird jedoch eine abnehmende Wachstumsdynamik erwartet.
Außenhandel: Exporte sind 2026 der wichtigste Wachstumstreiber. Besonders die internationale Nachfrage nach energieintensiven Gütern aus Deutschland sorgt vorübergehend für zusätzliche Impulse.
Staatliche Ausgaben: Sondervermögen, Verteidigungsausgaben und öffentliche Investitionen stabilisieren die Konjunktur. Die Bedeutung staatlicher Nachfrage bleibt damit hoch.
Privater Konsum: Trotz steigender Reallöhne konsumieren die Haushalte zurückhaltend. Höhere Energiepreise und die Inflation reduzieren die Kaufkraft.
Unternehmensinvestitionen: Hohe Finanzierungskosten, geopolitische Unsicherheit, geringe Kapazitätsauslastung und strukturelle Probleme bremsen Investitionen. Eine schrittweise Erholung wird erst 2027 erwartet.
Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt voraussichtlich bis 2028 weiter ab. Die Arbeitslosenquote bleibt zunächst bei 6,4 % und sinkt erst 2028 leicht.
Bundesministerin Reiche stellt Herbstprojektion der Bundesregierung vor
4. Größte Risiken
Die Bundesregierung sieht insbesondere drei Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung:
- Anhaltende geopolitische Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine.
- Weiter steigende Energie- und Rohstoffpreise.
- Strukturelle Schwächen und eine dauerhaft geringe private Investitionstätigkeit.
Eine Entspannung der Konflikte und sinkende Energiepreise könnten dagegen die Erholung beschleunigen.
5. Einordnung und Fazit
Die Herbstprojektion zeichnet ein gemischtes Bild der deutschen Wirtschaft:
2026 fällt das Wachstum besser aus als erwartet. Die wirtschaftliche Erholung ist allerdings stark von Exporten und staatlichen Ausgaben abhängig. Der private Konsum bleibt schwach, die Beschäftigung sinkt und die Inflation könnte 2027 wieder auf 3,0 % steigen.
Besonders auffällig ist, dass das BIP-Wachstum trotz geplanter staatlicher Investitionsimpulse bis 2028 auf lediglich 0,6 % zurückgehen soll.
Fazit: Deutschland befindet sich nach Einschätzung der Bundesregierung in einer konjunkturellen Erholung. Eine breit getragene, selbsttragende Wachstumsdynamik ist aus den Prognosedaten jedoch noch nicht erkennbar. Langfristig bleiben die Stärkung privater Investitionen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Energiepreise entscheidende Faktoren.
Die Projektion bildet außerdem eine wichtige Grundlage für die kommende Steuerschätzung und die Haushaltsplanungen von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen.