Das ZEW-Konjunkturbarometer für Deutschland ist im Oktober erstmals seit Monaten gesunken, was auf eine nachlassende Dynamik des wirtschaftlichen Aufschwungs hindeutet. Zwar wird die aktuelle Lage positiv bewertet, doch der Aufschwung ist noch nicht selbsttragend.
Wichtige Punkte im Detail:
- Rückgang der Erwartungen: Das Barometer für die Konjunkturerwartungen der nächsten sechs Monate fiel um 6,6 Punkte auf 28,1 Zähler. Dies ist der erste Rückgang nach fünf aufeinanderfolgenden Anstiegen und liegt unter den Prognosen von Reuters-Ökonomen (30,0 Punkte).
- Positive Ist-Lage: Gleichzeitig schätzen Experten die aktuelle wirtschaftliche Situation so gut ein wie seit über drei Jahren nicht mehr. Die deutsche Wirtschaft wächst seit drei Quartalen in Folge, vor allem getrieben durch Exporte und staatliche Investitionen.
- Wachstumsprognose angehoben: Aufgrund dieser Entwicklung haben die Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,3 Prozent erhöht (zuvor ca. 0,5 Prozent).
- Hindernisse für eine nachhaltige Erholung:
- Schwache Binnennachfrage: Privater Konsum und private Investitionen bleiben schwach.
- Hohe Kosten: Hohe Energiepreise drücken die Realeinkommen, erhöhen Produktionskosten und halten die Inflation hoch.
- Zinsen: Gestiegene Kapitalmarktzinsen verteuern langfristige Finanzierungen für Unternehmen.
- Logistikprobleme: Niedrige Pegelstände in deutschen Flüssen unterbrechen Lieferketten.
- Inflation: Die Teuerung bleibt ein großes Problem. Im September stiegen die Verbraucherpreise um 3,3 Prozent – der stärkste Anstieg seit knapp drei Jahren. Die Bundesbank erwartet, dass die Inflationsrate auch im nächsten Jahr merklich erhöht bleibt; die Rückkehr zur 2‑Prozent-Marke wird Zeit brauchen.
- Expertenkommentare:
- Achim Wambach (ZEW-Präsident): „Der Aufschwung trägt sich nicht selbst.“
- Thomas Gitzel (VP Bank): Verweist auf hohe Zinsen und niedrige Flusspegel als Hürden.
- Alexander Krüger (Bethmann Bank): Sieht das Wachstum im zweiten Halbjahr geringer als im ersten und betont die Notwendigkeit von Strukturreformen für eine dynamische Wende. Derzeit sei die Erholung noch künstlich durch Fiskalpolitik angetrieben.
Fazit:
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase der langsamen Erholung aus der Stagnation, unterstützt durch starke Exporte und staatliche Ausgaben. Allerdings hemmen hohe Inflation, Energiekosten, Zinsen und logistische Probleme eine breite, selbsttragende Binnennachfrage. Ohne Strukturreformen bleibt die Erholung fragil.