Autor: Hendrik Bessembinder, Arizona State University Fassung: 27. September 2026 Untersuchungszeitraum: Januar 1926 bis Dezember 2025 Datenbasis: 29.754 Aktien von 29.081 Unternehmen an US-Börsen Umfang: 27 Seiten, einschließlich Tabellen und Literaturverzeichnis
100 Jahre US-Aktienmarkt (1926–2025)
Die 7 wichtigsten Ergebnisse
- 10,1 % Rendite p. a. erzielte der US-Aktienmarkt, gegenüber 3,3 % bei kurzfristigen Staatsanleihen.
- −6,87 % Medianrendite: Die typische Einzelaktie verlor über ihre jeweilige Börsenhistorie an Wert.
- Nur 27,6 % aller Aktien schlugen den Gesamtmarkt.
- 59,1 % aller Unternehmen vernichteten relativ zu Staatsanleihen Aktionärsvermögen.
- Nur 3,72 % der Unternehmen (1.082 von 29.081) erklären rechnerisch die gesamte Netto-Vermögensschaffung von 90,96 Billionen USD.
- 46 Unternehmen stehen für 50 % der Vermögensschaffung des gesamten Jahrhunderts.
- Zunehmende Konzentration: Von 2017 bis 2025 entfielen 61,2 % der Netto-Vermögensschaffung auf nur 30 Unternehmen.
Größte Vermögensschaffer (1926–2025)
| Unternehmen | Vermögensschaffung |
|---|---|
| Apple | 5,02 Bio. USD |
| Nvidia | 4,58 Bio. USD |
| Microsoft | 4,03 Bio. USD |
| Alphabet | 3,57 Bio. USD |
| Amazon | 2,27 Bio. USD |
Der langfristige Börsenerfolg wird von extrem wenigen Gewinnern getragen.
Die Studie spricht deshalb für breite Diversifikation statt konzentrierter Einzelaktienwetten: Wer die wenigen außergewöhnlichen Gewinner verpasst, riskiert eine massive Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt.
Nicht die durchschnittliche Aktie macht den Aktienmarkt erfolgreich, sondern die wenigen außergewöhnlichen Gewinner.
1. Kernaussage
Die Studie zeigt einen grundlegenden Unterschied zwischen der langfristigen Rendite des gesamten US-Aktienmarktes und den Ergebnissen einzelner Aktien.
Der US-Aktienmarkt hat über 100 Jahre außerordentlich hohe Renditen erzielt. Der überwiegende Teil der einzelnen Unternehmen hat jedoch weniger Vermögen geschaffen als eine kurzfristige Anlage in US-Staatsanleihen.
Die gesamte Netto-Vermögensschaffung konzentriert sich auf eine sehr kleine Minderheit besonders erfolgreicher Unternehmen. Diese Konzentration hat seit 2016 deutlich zugenommen.
Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Ergebnis |
|---|---|
| Untersuchte Unternehmen | 29.081 |
| Untersuchte Aktien | 29.754 |
| Untersuchungszeitraum | 100 Jahre |
| Annualisierte Rendite des US-Aktienmarktes | 10,1 % |
| Annualisierte Rendite kurzfristiger Staatsanleihen | 3,3 % |
| Medianrendite einzelner Aktien über ihre jeweilige Börsenhistorie | −6,87 % |
| Aktien mit positiver Gesamtrendite | 48,22 % |
| Aktien mit höherer Rendite als Staatsanleihen | 41,17 % |
| Aktien mit höherer Rendite als der Gesamtmarkt | 27,60 % |
| Gesamte Netto-Vermögensschaffung | 90,96 Bio. USD |
| Unternehmen mit negativer Vermögensschaffung | 59,13 % |
| Unternehmen, auf die rechnerisch die gesamte Netto-Vermögensschaffung entfällt | 1.082 bzw. 3,72 % |
Quellen: Seiten 5–6, 10–15; Tabellen 4 und 7.
2. Methodik: Was wurde gemessen?
Die Untersuchung verwendet die CRSP-Datenbank (Center for Research in Security Prices). Sie berücksichtigt börsennotierte US-Stammaktien einschließlich Dividenden und Delisting-Renditen.
Die Daten decken zwar ein Jahrhundert ab, die durchschnittliche Beobachtungsdauer einer einzelnen Aktie beträgt jedoch nur 11,7 Jahre. Der Median liegt bei 6,8 Jahren.
Bessembinder unterscheidet zwei zentrale Erfolgsgrößen.
2.1 Buy-and-Hold-Rendite
Gemessen wird die Gesamtrendite einer einmaligen Aktieninvestition, unter der Annahme, dass sämtliche Dividenden in dieselbe Aktie reinvestiert werden.
Diese Kennzahl beantwortet die Frage: Wie viel wäre aus einem ursprünglich investierten Dollar während der jeweiligen Börsenhistorie geworden?
2.2 Shareholder Wealth Creation (SWC)
Die zweite Kennzahl misst die zusätzliche Vermögensschaffung aller Aktionäre eines Unternehmens gegenüber einer alternativen Anlage in kurzfristigen US-Staatsanleihen.
Berücksichtigt werden insbesondere Aktienkursveränderungen, Dividenden, Aktienrückkäufe, Kapitalerhöhungen und andere Kapitaltransaktionen.
Die Ergebnisse werden als Dollarbeträge zum Jahresende 2025 ausgedrückt.
Wichtige Abgrenzung: Positive SWC bedeutet nicht lediglich einen steigenden Aktienkurs. Ein Unternehmen muss unter Berücksichtigung der Kapitalflüsse mehr Aktionärsvermögen schaffen als die risikofreie Vergleichsanlage.
Auch sind die 90,96 Billionen USD keine zusätzliche Marktkapitalisierung am Jahresende 2025, sondern ein historisch aggregiertes Maß der Vermögensschaffung.
3. Der Gesamtmarkt war erfolgreich – die typische Einzelaktie nicht
3.1 Marktrenditen von 1926 bis 2025
| Anlage | Annualisierte Rendite | Endvermögen aus 1 USD |
|---|---|---|
| Gesamter US-Aktienmarkt, wertgewichtet | 10,1 % | 15.041 USD |
| Kurzfristige US-Staatsanleihen | 3,3 % | 25,34 USD |
Die geometrische Renditedifferenz beträgt etwa 6,8 Prozentpunkte jährlich.
Damit dokumentiert die Studie eine erhebliche langfristige Aktienrisikoprämie.
3.2 Die Verteilung der Einzelaktienrenditen
Über die jeweils verfügbare Börsenhistorie beträgt:
- Die durchschnittliche kumulierte Einzelaktienrendite 30.621 %.
- Die mediane kumulierte Einzelaktienrendite −6,87 %.
- Nur 48,22 % aller Aktien liefern überhaupt eine positive Gesamtrendite.
- Nur 41,17 % übertreffen kurzfristige Staatsanleihen.
- Lediglich 27,60 % schlagen den wertgewichteten Gesamtmarkt über denselben Zeitraum.
Der extreme Unterschied zwischen Durchschnitt und Median ist ein zentrales Ergebnis.
Er zeigt, dass wenige außergewöhnliche Gewinner den Durchschnitt massiv nach oben verschieben, während die Mehrheit der Einzelaktien weit darunterliegt.
Bessembinder erklärt dies mit einer stark rechtsschiefen Renditeverteilung (positive skewness): Der Verlust einer Aktie ist grundsätzlich auf 100 % begrenzt, während ihr theoretisches Gewinnpotenzial unbegrenzt ist.
Quelle: Seiten 5–6.
4. Vermögensschaffung: Nur 3,72 % der Unternehmen erklären den gesamten Nettozuwachs
Über den Untersuchungszeitraum entstanden netto 90,96 Billionen USD zusätzliche Aktionärsvermögen gegenüber der Staatsanleihen-Benchmark.
Die Verteilung ist ausgesprochen ungleich.
| Unternehmen | Anzahl | Anteil | Vermögensschaffung |
|---|---|---|---|
| Mit positiver SWC | 11.884 | 40,87 % | +101,63 Bio. USD |
| Mit negativer SWC | 17.197 | 59,13 % | −10,67 Bio. USD |
| Gesamtergebnis | 29.081 | 100 % | +90,96 Bio. USD |
Von den 11.884 Unternehmen mit positiver SWC benötigten 10.802 zusammen ihre Vermögensbeiträge, um die Verluste der 17.197 Unternehmen mit negativer SWC auszugleichen.
Übrig bleiben 1.082 Unternehmen.
Diese Unternehmen repräsentieren lediglich 3,72 % aller untersuchten Unternehmen und erklären rechnerisch die vollständigen 90,96 Billionen USD Netto-Vermögensschaffung.
Dies bedeutet nicht, dass nur 1.082 Unternehmen positive Beiträge geleistet hätten. Vielmehr wird bei der Konzentrationsberechnung die positive Vermögensschaffung einer großen Gruppe durch die negative Vermögensschaffung anderer Unternehmen vollständig kompensiert.
Quelle: Seiten 14–15; Tabelle 7.
5. Welche Unternehmen haben am meisten Vermögen geschaffen?
Die Rangliste basiert auf absoluter Netto-Vermögensschaffung, nicht auf prozentualer Aktienrendite.
Die zehn größten Vermögensschaffer, 1926–2025
| Rang | Unternehmen | Vermögensschaffung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|
| 1 | Apple | 5,02 Bio. USD | 5,52 % |
| 2 | Nvidia | 4,58 Bio. USD | 5,03 % |
| 3 | Microsoft | 4,03 Bio. USD | 4,43 % |
| 4 | Alphabet | 3,57 Bio. USD | 3,93 % |
| 5 | Amazon | 2,27 Bio. USD | 2,49 % |
| 6 | Broadcom | 1,60 Bio. USD | 1,76 % |
| 7 | Exxon Mobil | 1,42 Bio. USD | 1,56 % |
| 8 | Meta Platforms | 1,39 Bio. USD | 1,53 % |
| 9 | Tesla | 1,30 Bio. USD | 1,43 % |
| 10 | Walmart | 1,20 Bio. USD | 1,32 % |
Die zehn Unternehmen erklären zusammen 28,99 % der Netto-Vermögensschaffung eines ganzen Jahrhunderts.
Die fünf führenden Unternehmen kommen bereits auf 21,39 %. Die 30 führenden Unternehmen erreichen 43,67 %.
Auffällig ist die Dominanz relativ junger Technologieunternehmen. Unternehmen wie Apple, Nvidia, Microsoft, Alphabet und Amazon haben trotz kürzerer Börsenhistorie höhere absolute Vermögensbeiträge geliefert als viele traditionsreiche Konzerne, die schon seit 1926 an der Börse notiert waren.
Quelle: Seite 25; Tabelle 5.
6. Die Konzentration hat seit 2016 erheblich zugenommen
Dies ist eine der wichtigsten neuen Erkenntnisse gegenüber Bessembinders ursprünglicher Untersuchung von 2018.
6.1 Vergleich der Konzentration
| Anteil an gesamter Netto-Vermögensschaffung | Benötigte Unternehmen 1926–2016 | Benötigte Unternehmen 1926–2025 |
|---|---|---|
| 10 % | 5 | 2 |
| 25 % | 20 | 8 |
| 50 % | 89 | 46 |
| 75 % | 295 | 208 |
| 100 % | 1.088 | 1.082 |
Der Rückgang von 89 auf 46 Unternehmen beim 50-%-Schwellenwert verdeutlicht die verstärkte Konzentration.
Noch deutlicher fällt sie aus, wenn ausschließlich die Jahre 2017 bis 2025 betrachtet werden.
6.2 Die letzten neun Jahre
| Kennzahl | 1926–2016 | 2017–2025 |
|---|---|---|
| Netto-Vermögensschaffung | 42,61 Bio. USD | 48,36 Bio. USD |
| Anteil der 30 größten Vermögensschaffer | 31,06 % | 61,19 % |
| Unternehmen für 50 % der Netto-Vermögensschaffung | 89 | 13 |
| Unternehmen für 75 % der Netto-Vermögensschaffung | 295 | 77 |
Die Vermögensbeiträge beider Teilperioden sind einheitlich zum Jahresende 2025 bewertet. Die Teilperioden enthalten zum Teil dieselben Unternehmen.
Bemerkenswert ist, dass in nur neun Jahren von 2017 bis 2025 insgesamt mehr Netto-Vermögen geschaffen wurde als in den vorangegangenen 91 Jahren zusammen.
Allerdings entfielen 61,19 % der jüngeren Netto-Vermögensschaffung auf gerade einmal 30 Unternehmen.
6.3 Nvidia als besonders ausgeprägter Fall
Allein Nvidia schuf zwischen 2017 und 2025 laut Studie:
4,51 Billionen USD, entsprechend 9,32 % der gesamten Netto-Vermögensschaffung dieses Zeitraums.
Im Zeitraum bis 2016 war Exxon Mobil mit 1,23 Billionen USD bzw. 2,89 % der größte einzelne Vermögensschaffer.
Die Konzentration auf ein einzelnes Unternehmen hat damit eine erheblich größere Größenordnung erreicht.
Der Autor verweist ergänzend darauf, dass Portfolios besonders großer Unternehmen bis 2013 gegenüber breiter diversifizierten Portfolios tendenziell zurückblieben. Zwischen 2013 und 2025 kehrte sich dieses Muster deutlich um.
Die Gründe dieses Strukturwandels untersucht die vorliegende Studie jedoch nicht kausal.
Quellen: Seiten 13–15; Tabellen 6–7.
7. Langfristiges Investieren: Entscheidend sind Rendite und Zeit
Die Studie analysiert zusätzlich die Aktien mit den höchsten kumulierten sowie den höchsten annualisierten Renditen.
Dabei zeigen sich zwei unterschiedliche Erfolgsprofile.
7.1 Höchste kumulierte Renditen über sehr lange Zeiträume
| Unternehmen | Zeitraum | Annualisierte Rendite | Endwert aus 1 USD |
|---|---|---|---|
| Altria Group | 100 Jahre | 16,53 % | 4.421.136 USD |
| Vulcan Materials | 100 Jahre | 14,03 % | 501.591 USD |
| Kansas City Southern | 95,9 Jahre | 14,24 % | 350.776 USD |
| IBM | 100 Jahre | 13,58 % | 337.812 USD |
| General Dynamics | 100 Jahre | 13,43 % | 298.081 USD |
Die 30 Aktien mit den höchsten kumulierten Renditen erzielten im Durchschnitt eine annualisierte Rendite von 13,00 %, bei einer durchschnittlichen Börsenhistorie von 93,9 Jahren.
Die außergewöhnlichen Endvermögen entstehen folglich weniger durch dauerhaft extreme Jahresrenditen als durch hohe, über sehr lange Zeiträume aufrechterhaltene Renditen.
Bereits der Unterschied zwischen 16,53 % und 14,03 % jährlich führt nach 100 Jahren zu einem fast neunfachen Unterschied im Endvermögen.
7.2 Höchste annualisierte Renditen bei mindestens 20 Jahren Börsenhistorie
| Unternehmen | Beobachtungsdauer | Annualisierte Rendite |
|---|---|---|
| Nvidia | 27,0 Jahre | 37,04 % |
| Netflix | 23,7 Jahre | 32,51 % |
| Axon Enterprise | 24,6 Jahre | 32,40 % |
| Plenum Publishing | 25,6 Jahre | 32,10 % |
| Amazon | 28,7 Jahre | 31,10 % |
| Microsoft | 39,8 Jahre | 25,36 % |
| Home Depot | 44,3 Jahre | 24,63 % |
Keine der 30 Aktien mit den höchsten annualisierten Renditen über mindestens 20 Jahre erscheint zugleich unter den 30 Aktien mit den höchsten kumulierten Renditen.
Die Untersuchung legt damit nahe, dass außergewöhnlich hohe annualisierte Renditen nicht über beliebig lange Zeiträume fortbestehen.
Quellen: Seiten 6–9; Tabellen 1–2.
8. Hat sich die typische Einzelaktienrendite im Zeitverlauf verschlechtert?
Die Analyse einzelner Jahrzehnte zeigt deutliche Unterschiede zwischen frühen und späteren Beobachtungszeiträumen.
| Kennzahl | Durchschnitt der ersten sechs Jahrzehnte (1926–1985) | Durchschnitt der letzten vier Jahrzehnte (1986–2025) |
|---|---|---|
| Aktien mit positiver Rendite | 66,61 % | 52,51 % |
| Aktien mit Rendite über Staatsanleihen | 61,21 % | 47,89 % |
| Aktien mit Rendite über dem Gesamtmarkt | 41,24 % | 31,82 % |
| Median der kumulierten Rendite | 63,64 % | 5,82 % |
Die Werte sind Durchschnitte der jeweiligen Jahrzehntskennzahlen, nicht Kennzahlen einer einzigen übergreifenden Halteperiode.
Vor allem die Medianrendite ist stark zurückgegangen.
Während sie in den ersten sechs Jahrzehnten durchschnittlich bei 63,64 % lag, betrug sie in den letzten vier Jahrzehnten nur noch 5,82 %.
Für 2016–2025 meldet die Studie sogar:
- Medianrendite der Einzelaktien: 1,44 % über das Jahrzehnt.
- Anteil der Aktien, die den Gesamtmarkt übertreffen: 24,34 %.
- Anteil mit höherer Rendite als Staatsanleihen: 47,70 %.
Der Autor verweist als mögliche Erklärung unter anderem auf die starke Zunahme kleinerer und jüngerer börsennotierter Unternehmen seit den 1970er- und 1980er-Jahren. Eine abschließende kausale Erklärung liefert die Studie nicht.
Quelle: Seiten 9–10; Tabelle 3.
9. Bedeutung für Anleger
Aus den Ergebnissen ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen. Dabei ist zwischen empirischen Befunden und daraus abgeleiteten Anlageimplikationen zu unterscheiden.
Erstens: Breite Diversifikation hat einen statistischen Vorteil.
Da wenige extreme Gewinner einen Großteil der Gesamtrendite erklären, besteht bei konzentrierten Einzelaktienportfolios das Risiko, genau diese Unternehmen nicht zu halten.
Breit diversifizierte Portfolios erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an den außergewöhnlichen Gewinnern zu partizipieren. Die Studie quantifiziert allerdings nicht den optimalen Diversifikationsgrad.
Zweitens: Die durchschnittliche Einzelaktienrendite ist für die Planung wenig repräsentativ.
Der Durchschnitt von 30.621 % steht einem Median von −6,87 % gegenüber.
Wer aus der durchschnittlichen historischen Einzelaktienrendite auf das typische Ergebnis einer zukünftigen Investition schließt, überschätzt daher möglicherweise die zu erwartende Entwicklung erheblich.
Der Autor empfiehlt, stärker die gesamte Renditeverteilung statt ausschließlich den Erwartungswert zu betrachten.
Drittens: Hohe Indexrenditen bedeuten nicht, dass die meisten Aktien erfolgreich sind.
Der Gesamtmarkt erzielte 10,1 % pro Jahr, obwohl weniger als die Hälfte der Einzelaktien eine positive Gesamtrendite über ihre jeweilige Börsenhistorie lieferte.
Marktrendite und Erfolgshäufigkeit einzelner Aktien messen somit unterschiedliche Sachverhalte.
Viertens: Vergangene Gewinner sind nicht automatisch zukünftige Gewinner.
Die Studie zeigt, wie wichtig außergewöhnliche Unternehmen für die historische Vermögensschaffung waren. Sie liefert jedoch kein Verfahren, diese Unternehmen zuverlässig im Voraus zu identifizieren.
Eine rückblickende Rangliste der erfolgreichsten Unternehmen ist deshalb keine Prognose ihrer zukünftigen Renditen.
Fünftens: Die zunehmende Marktkonzentration schafft eine zusätzliche Dimension des Portfoliorisikos.
Breite, marktkapitalisierungsgewichtete Aktienindizes enthalten zwar viele Unternehmen, können aber faktisch zunehmend von wenigen Großkonzernen abhängen.
Dies ist eine aus den Ergebnissen naheliegende Risikoimplikation. Die Studie selbst führt keine umfassende Analyse des zukünftigen Konzentrationsrisikos durch.
10. Grenzen der Untersuchung
Für die Interpretation sind insbesondere fünf Einschränkungen relevant.
| Einschränkung | Bedeutung |
|---|---|
| US-Aktienmarkt | Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen. |
| Unterschiedliche Börsenhistorien | Einzelaktienrenditen beruhen auf stark unterschiedlichen Anlagezeiträumen. |
| Historische Daten | Die Studie dokumentiert realisierte Ergebnisse, keine zukünftigen Renditewahrscheinlichkeiten. |
| SWC statt Anlegerkontorendite | Die Dollar-Vermögensschaffung ist nicht identisch mit der tatsächlich erzielten Rendite eines durchschnittlichen Privatanlegers. |
| Mögliche Doppelzählungen | Beteiligungen börsennotierter Unternehmen an anderen börsennotierten Unternehmen können die aggregierte SWC leicht erhöhen. |
Hinzu kommen Einschränkungen der historischen Datenverfügbarkeit: AMEX-Aktien werden ab 1962 und Nasdaq-Aktien ab 1973 berücksichtigt. Für die Zeit davor ist die Marktabdeckung entsprechend enger.
Die Studie ist zudem ein Forschungsentwurf vom September 2026 und sollte nicht ohne Weiteres mit einer abschließend begutachteten Publikation gleichgesetzt werden.
11. Gesamtfazit
Die Untersuchung führt zu drei besonders relevanten Erkenntnissen.
1. Aktien waren über 100 Jahre eine sehr erfolgreiche Anlageklasse. Der wertgewichtete US-Aktienmarkt erzielte annualisiert 10,1 %, gegenüber 3,3 % bei kurzfristigen Staatsanleihen.
2. Der Erfolg des Aktienmarktes beruht auf einer extrem ungleichen Verteilung der Ergebnisse. Rund 59 % aller Unternehmen vernichteten gemessen an der Staatsanleihen-Benchmark Aktionärsvermögen. Rechnerisch erklären nur 3,72 % der Unternehmen die gesamte Netto-Vermögensschaffung.
3. Die Konzentration hat sich erheblich verschärft. Während im Zeitraum 1926–2016 noch 89 Unternehmen für die Hälfte der Netto-Vermögensschaffung verantwortlich waren, reichen für den gesamten Zeitraum 1926–2025 nur noch 46 Unternehmen aus. Für die Jahre 2017–2025 allein waren es gerade einmal 13.
Die zentrale investitionspraktische Konsequenz lautet daher:
Langfristig am Aktienmarkt investiert zu sein und langfristig die richtigen Einzelaktien zu halten, sind zwei grundlegend unterschiedliche Herausforderungen.
Die historischen Daten sprechen für den Wert breiter Diversifikation, weil außergewöhnliche Gewinner den langfristigen Markterfolg prägen und vorab schwer zuverlässig zu identifizieren sind.
Ob die jüngste Zunahme der Konzentration dauerhaft bestehen bleibt oder etwa durch die breite wirtschaftliche Nutzung künstlicher Intelligenz wieder zurückgeht, lässt Bessembinder ausdrücklich offen.
Quelle: Hendrik Bessembinder (2026), One Hundred Years in the U.S. Stock Markets, Fassung vom 27. September 2026, insbesondere Tabellen 1–7, S. 21–27. Alle Zahlen beruhen auf dem hochgeladenen Originaldokument.