One Hundred Years in the U.S. Stock Mar­kets

Autor: Hen­drik Bes­sem­bin­der, Ari­zo­na Sta­te Uni­ver­si­ty Fas­sung: 27. Sep­tem­ber 2026 Unter­su­chungs­zeit­raum: Janu­ar 1926 bis Dezem­ber 2025 Daten­ba­sis: 29.754 Akti­en von 29.081 Unter­neh­men an US-Bör­sen Umfang: 27 Sei­ten, ein­schließ­lich Tabel­len und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

100 Jah­re US-Akti­en­markt (1926–2025)

Die 7 wich­tigs­ten Ergeb­nis­se

  1. 10,1 % Ren­di­te p. a. erziel­te der US-Akti­en­markt, gegen­über 3,3 % bei kurz­fris­ti­gen Staats­an­lei­hen.
  2. −6,87 % Medi­an­ren­di­te: Die typi­sche Ein­zel­ak­tie ver­lor über ihre jewei­li­ge Bör­sen­his­to­rie an Wert.
  3. Nur 27,6 % aller Akti­en schlu­gen den Gesamt­markt.
  4. 59,1 % aller Unter­neh­men ver­nich­te­ten rela­tiv zu Staats­an­lei­hen Aktio­närs­ver­mö­gen.
  5. Nur 3,72 % der Unter­neh­men (1.082 von 29.081) erklä­ren rech­ne­risch die gesam­te Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung von 90,96 Bil­lio­nen USD.
  6. 46 Unter­neh­men ste­hen für 50 % der Ver­mö­gens­schaf­fung des gesam­ten Jahr­hun­derts.
  7. Zuneh­men­de Kon­zen­tra­ti­on: Von 2017 bis 2025 ent­fie­len 61,2 % der Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung auf nur 30 Unter­neh­men.

Größ­te Ver­mö­gens­schaf­fer (1926–2025)

Unter­neh­menVer­mö­gens­schaf­fung
Apple5,02 Bio. USD
Nvi­dia4,58 Bio. USD
Micro­soft4,03 Bio. USD
Alpha­bet3,57 Bio. USD
Ama­zon2,27 Bio. USD

Der lang­fris­ti­ge Bör­sen­er­folg wird von extrem weni­gen Gewin­nern getra­gen.

Die Stu­die spricht des­halb für brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on statt kon­zen­trier­ter Ein­zel­ak­ti­en­wet­ten: Wer die weni­gen außer­ge­wöhn­li­chen Gewin­ner ver­passt, ris­kiert eine mas­si­ve Under­per­for­mance gegen­über dem Gesamt­markt.

Nicht die durch­schnitt­li­che Aktie macht den Akti­en­markt erfolg­reich, son­dern die weni­gen außer­ge­wöhn­li­chen Gewin­ner.


1. Kern­aus­sa­ge

Die Stu­die zeigt einen grund­le­gen­den Unter­schied zwi­schen der lang­fris­ti­gen Ren­di­te des gesam­ten US-Akti­en­mark­tes und den Ergeb­nis­sen ein­zel­ner Akti­en.

Der US-Akti­en­markt hat über 100 Jah­re außer­or­dent­lich hohe Ren­di­ten erzielt. Der über­wie­gen­de Teil der ein­zel­nen Unter­neh­men hat jedoch weni­ger Ver­mö­gen geschaf­fen als eine kurz­fris­ti­ge Anla­ge in US-Staats­an­lei­hen.

Die gesam­te Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung kon­zen­triert sich auf eine sehr klei­ne Min­der­heit beson­ders erfolg­rei­cher Unter­neh­men. Die­se Kon­zen­tra­ti­on hat seit 2016 deut­lich zuge­nom­men.

Die wich­tigs­ten Zah­len

Kenn­zahlErgeb­nis
Unter­such­te Unter­neh­men29.081
Unter­such­te Akti­en29.754
Unter­su­chungs­zeit­raum100 Jah­re
Annua­li­sier­te Ren­di­te des US-Akti­en­mark­tes10,1 %
Annua­li­sier­te Ren­di­te kurz­fris­ti­ger Staats­an­lei­hen3,3 %
Medi­an­ren­di­te ein­zel­ner Akti­en über ihre jewei­li­ge Bör­sen­his­to­rie−6,87 %
Akti­en mit posi­ti­ver Gesamt­ren­di­te48,22 %
Akti­en mit höhe­rer Ren­di­te als Staats­an­lei­hen41,17 %
Akti­en mit höhe­rer Ren­di­te als der Gesamt­markt27,60 %
Gesam­te Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung90,96 Bio. USD
Unter­neh­men mit nega­ti­ver Ver­mö­gens­schaf­fung59,13 %
Unter­neh­men, auf die rech­ne­risch die gesam­te Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung ent­fällt1.082 bzw. 3,72 %

Quel­len: Sei­ten 5–6, 10–15; Tabel­len 4 und 7.

2. Metho­dik: Was wur­de gemes­sen?

Die Unter­su­chung ver­wen­det die CRSP-Daten­bank (Cen­ter for Rese­arch in Secu­ri­ty Pri­ces). Sie berück­sich­tigt bör­sen­no­tier­te US-Stamm­ak­ti­en ein­schließ­lich Divi­den­den und Delis­ting-Ren­di­ten.

Die Daten decken zwar ein Jahr­hun­dert ab, die durch­schnitt­li­che Beob­ach­tungs­dau­er einer ein­zel­nen Aktie beträgt jedoch nur 11,7 Jah­re. Der Medi­an liegt bei 6,8 Jah­ren.

Bes­sem­bin­der unter­schei­det zwei zen­tra­le Erfolgs­grö­ßen.

2.1 Buy-and-Hold-Ren­di­te

Gemes­sen wird die Gesamt­ren­di­te einer ein­ma­li­gen Akti­en­in­ves­ti­ti­on, unter der Annah­me, dass sämt­li­che Divi­den­den in die­sel­be Aktie reinves­tiert wer­den.

Die­se Kenn­zahl beant­wor­tet die Fra­ge: Wie viel wäre aus einem ursprüng­lich inves­tier­ten Dol­lar wäh­rend der jewei­li­gen Bör­sen­his­to­rie gewor­den?

2.2 Share­hol­der Wealth Crea­ti­on (SWC)

Die zwei­te Kenn­zahl misst die zusätz­li­che Ver­mö­gens­schaf­fung aller Aktio­nä­re eines Unter­neh­mens gegen­über einer alter­na­ti­ven Anla­ge in kurz­fris­ti­gen US-Staats­an­lei­hen.

Berück­sich­tigt wer­den ins­be­son­de­re Akti­en­kurs­ver­än­de­run­gen, Divi­den­den, Akti­en­rück­käu­fe, Kapi­tal­erhö­hun­gen und ande­re Kapi­tal­trans­ak­tio­nen.

Die Ergeb­nis­se wer­den als Dol­lar­be­trä­ge zum Jah­res­en­de 2025 aus­ge­drückt.

Wich­ti­ge Abgren­zung: Posi­ti­ve SWC bedeu­tet nicht ledig­lich einen stei­gen­den Akti­en­kurs. Ein Unter­neh­men muss unter Berück­sich­ti­gung der Kapi­tal­flüs­se mehr Aktio­närs­ver­mö­gen schaf­fen als die risi­ko­freie Ver­gleichs­an­la­ge.

Auch sind die 90,96 Bil­lio­nen USD kei­ne zusätz­li­che Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung am Jah­res­en­de 2025, son­dern ein his­to­risch agg­re­gier­tes Maß der Ver­mö­gens­schaf­fung.

3. Der Gesamt­markt war erfolg­reich – die typi­sche Ein­zel­ak­tie nicht

3.1 Markt­ren­di­ten von 1926 bis 2025

Anla­geAnnua­li­sier­te Ren­di­teEnd­ver­mö­gen aus 1 USD
Gesam­ter US-Akti­en­markt, wert­ge­wich­tet10,1 %15.041 USD
Kurz­fris­ti­ge US-Staats­an­lei­hen3,3 %25,34 USD

Die geo­me­tri­sche Ren­di­te­dif­fe­renz beträgt etwa 6,8 Pro­zent­punk­te jähr­lich.

Damit doku­men­tiert die Stu­die eine erheb­li­che lang­fris­ti­ge Akti­en­ri­si­ko­prä­mie.

3.2 Die Ver­tei­lung der Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­ten

Über die jeweils ver­füg­ba­re Bör­sen­his­to­rie beträgt:

  • Die durch­schnitt­li­che kumu­lier­te Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­te 30.621 %.
  • Die media­ne kumu­lier­te Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­te −6,87 %.
  • Nur 48,22 % aller Akti­en lie­fern über­haupt eine posi­ti­ve Gesamt­ren­di­te.
  • Nur 41,17 % über­tref­fen kurz­fris­ti­ge Staats­an­lei­hen.
  • Ledig­lich 27,60 % schla­gen den wert­ge­wich­te­ten Gesamt­markt über den­sel­ben Zeit­raum.

Der extre­me Unter­schied zwi­schen Durch­schnitt und Medi­an ist ein zen­tra­les Ergeb­nis.

Er zeigt, dass weni­ge außer­ge­wöhn­li­che Gewin­ner den Durch­schnitt mas­siv nach oben ver­schie­ben, wäh­rend die Mehr­heit der Ein­zel­ak­ti­en weit dar­un­ter­liegt.

Bes­sem­bin­der erklärt dies mit einer stark rechts­schie­fen Ren­di­te­ver­tei­lung (posi­ti­ve skew­ness): Der Ver­lust einer Aktie ist grund­sätz­lich auf 100 % begrenzt, wäh­rend ihr theo­re­ti­sches Gewinn­po­ten­zi­al unbe­grenzt ist.

Quel­le: Sei­ten 5–6.

4. Ver­mö­gens­schaf­fung: Nur 3,72 % der Unter­neh­men erklä­ren den gesam­ten Net­to­zu­wachs

Über den Unter­su­chungs­zeit­raum ent­stan­den net­to 90,96 Bil­lio­nen USD zusätz­li­che Aktio­närs­ver­mö­gen gegen­über der Staats­an­lei­hen-Bench­mark.

Die Ver­tei­lung ist aus­ge­spro­chen ungleich.

Unter­neh­menAnzahlAnteilVer­mö­gens­schaf­fung
Mit posi­ti­ver SWC11.88440,87 %+101,63 Bio. USD
Mit nega­ti­ver SWC17.19759,13 %−10,67 Bio. USD
Gesamt­ergeb­nis29.081100 %+90,96 Bio. USD

Von den 11.884 Unter­neh­men mit posi­ti­ver SWC benö­tig­ten 10.802 zusam­men ihre Ver­mö­gens­bei­trä­ge, um die Ver­lus­te der 17.197 Unter­neh­men mit nega­ti­ver SWC aus­zu­glei­chen.

Übrig blei­ben 1.082 Unter­neh­men.

Die­se Unter­neh­men reprä­sen­tie­ren ledig­lich 3,72 % aller unter­such­ten Unter­neh­men und erklä­ren rech­ne­risch die voll­stän­di­gen 90,96 Bil­lio­nen USD Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung.

Dies bedeu­tet nicht, dass nur 1.082 Unter­neh­men posi­ti­ve Bei­trä­ge geleis­tet hät­ten. Viel­mehr wird bei der Kon­zen­tra­ti­ons­be­rech­nung die posi­ti­ve Ver­mö­gens­schaf­fung einer gro­ßen Grup­pe durch die nega­ti­ve Ver­mö­gens­schaf­fung ande­rer Unter­neh­men voll­stän­dig kom­pen­siert.

Quel­le: Sei­ten 14–15; Tabel­le 7.

5. Wel­che Unter­neh­men haben am meis­ten Ver­mö­gen geschaf­fen?

Die Rang­lis­te basiert auf abso­lu­ter Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung, nicht auf pro­zen­tua­ler Akti­en­ren­di­te.

Die zehn größ­ten Ver­mö­gens­schaf­fer, 1926–2025

RangUnter­neh­menVer­mö­gens­schaf­fungAnteil am Gesamt­wert
1Apple5,02 Bio. USD5,52 %
2Nvi­dia4,58 Bio. USD5,03 %
3Micro­soft4,03 Bio. USD4,43 %
4Alpha­bet3,57 Bio. USD3,93 %
5Ama­zon2,27 Bio. USD2,49 %
6Broad­com1,60 Bio. USD1,76 %
7Exxon Mobil1,42 Bio. USD1,56 %
8Meta Plat­forms1,39 Bio. USD1,53 %
9Tes­la1,30 Bio. USD1,43 %
10Walm­art1,20 Bio. USD1,32 %

Die zehn Unter­neh­men erklä­ren zusam­men 28,99 % der Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung eines gan­zen Jahr­hun­derts.

Die fünf füh­ren­den Unter­neh­men kom­men bereits auf 21,39 %. Die 30 füh­ren­den Unter­neh­men errei­chen 43,67 %.

Auf­fäl­lig ist die Domi­nanz rela­tiv jun­ger Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men. Unter­neh­men wie Apple, Nvi­dia, Micro­soft, Alpha­bet und Ama­zon haben trotz kür­ze­rer Bör­sen­his­to­rie höhe­re abso­lu­te Ver­mö­gens­bei­trä­ge gelie­fert als vie­le tra­di­ti­ons­rei­che Kon­zer­ne, die schon seit 1926 an der Bör­se notiert waren.

Quel­le: Sei­te 25; Tabel­le 5.

6. Die Kon­zen­tra­ti­on hat seit 2016 erheb­lich zuge­nom­men

Dies ist eine der wich­tigs­ten neu­en Erkennt­nis­se gegen­über Bes­sem­bin­ders ursprüng­li­cher Unter­su­chung von 2018.

6.1 Ver­gleich der Kon­zen­tra­ti­on

Anteil an gesam­ter Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fungBenö­tig­te Unter­neh­men 1926–2016Benö­tig­te Unter­neh­men 1926–2025
10 %52
25 %208
50 %8946
75 %295208
100 %1.0881.082

Der Rück­gang von 89 auf 46 Unter­neh­men beim 50-%-Schwellenwert ver­deut­licht die ver­stärk­te Kon­zen­tra­ti­on.

Noch deut­li­cher fällt sie aus, wenn aus­schließ­lich die Jah­re 2017 bis 2025 betrach­tet wer­den.

6.2 Die letz­ten neun Jah­re

Kenn­zahl1926–20162017–2025
Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung42,61 Bio. USD48,36 Bio. USD
Anteil der 30 größ­ten Ver­mö­gens­schaf­fer31,06 %61,19 %
Unter­neh­men für 50 % der Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung8913
Unter­neh­men für 75 % der Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung29577

Die Ver­mö­gens­bei­trä­ge bei­der Teil­pe­ri­oden sind ein­heit­lich zum Jah­res­en­de 2025 bewer­tet. Die Teil­pe­ri­oden ent­hal­ten zum Teil die­sel­ben Unter­neh­men.

Bemer­kens­wert ist, dass in nur neun Jah­ren von 2017 bis 2025 ins­ge­samt mehr Net­to-Ver­mö­gen geschaf­fen wur­de als in den vor­an­ge­gan­ge­nen 91 Jah­ren zusam­men.

Aller­dings ent­fie­len 61,19 % der jün­ge­ren Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung auf gera­de ein­mal 30 Unter­neh­men.

6.3 Nvi­dia als beson­ders aus­ge­präg­ter Fall

Allein Nvi­dia schuf zwi­schen 2017 und 2025 laut Stu­die:

4,51 Bil­lio­nen USD, ent­spre­chend 9,32 % der gesam­ten Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung die­ses Zeit­raums.

Im Zeit­raum bis 2016 war Exxon Mobil mit 1,23 Bil­lio­nen USD bzw. 2,89 % der größ­te ein­zel­ne Ver­mö­gens­schaf­fer.

Die Kon­zen­tra­ti­on auf ein ein­zel­nes Unter­neh­men hat damit eine erheb­lich grö­ße­re Grö­ßen­ord­nung erreicht.

Der Autor ver­weist ergän­zend dar­auf, dass Port­fo­li­os beson­ders gro­ßer Unter­neh­men bis 2013 gegen­über brei­ter diver­si­fi­zier­ten Port­fo­li­os ten­den­zi­ell zurück­blie­ben. Zwi­schen 2013 und 2025 kehr­te sich die­ses Mus­ter deut­lich um.

Die Grün­de die­ses Struk­tur­wan­dels unter­sucht die vor­lie­gen­de Stu­die jedoch nicht kau­sal.

Quel­len: Sei­ten 13–15; Tabel­len 6–7.

7. Lang­fris­ti­ges Inves­tie­ren: Ent­schei­dend sind Ren­di­te und Zeit

Die Stu­die ana­ly­siert zusätz­lich die Akti­en mit den höchs­ten kumu­lier­ten sowie den höchs­ten annua­li­sier­ten Ren­di­ten.

Dabei zei­gen sich zwei unter­schied­li­che Erfolgs­pro­fi­le.

7.1 Höchs­te kumu­lier­te Ren­di­ten über sehr lan­ge Zeit­räu­me

Unter­neh­menZeit­raumAnnua­li­sier­te Ren­di­teEnd­wert aus 1 USD
Altria Group100 Jah­re16,53 %4.421.136 USD
Vul­can Mate­ri­als100 Jah­re14,03 %501.591 USD
Kan­sas City Sou­thern95,9 Jah­re14,24 %350.776 USD
IBM100 Jah­re13,58 %337.812 USD
Gene­ral Dyna­mics100 Jah­re13,43 %298.081 USD

Die 30 Akti­en mit den höchs­ten kumu­lier­ten Ren­di­ten erziel­ten im Durch­schnitt eine annua­li­sier­te Ren­di­te von 13,00 %, bei einer durch­schnitt­li­chen Bör­sen­his­to­rie von 93,9 Jah­ren.

Die außer­ge­wöhn­li­chen End­ver­mö­gen ent­ste­hen folg­lich weni­ger durch dau­er­haft extre­me Jah­res­ren­di­ten als durch hohe, über sehr lan­ge Zeit­räu­me auf­recht­erhal­te­ne Ren­di­ten.

Bereits der Unter­schied zwi­schen 16,53 % und 14,03 % jähr­lich führt nach 100 Jah­ren zu einem fast neun­fa­chen Unter­schied im End­ver­mö­gen.

7.2 Höchs­te annua­li­sier­te Ren­di­ten bei min­des­tens 20 Jah­ren Bör­sen­his­to­rie

Unter­neh­menBeob­ach­tungs­dau­erAnnua­li­sier­te Ren­di­te
Nvi­dia27,0 Jah­re37,04 %
Net­flix23,7 Jah­re32,51 %
Axon Enter­pri­se24,6 Jah­re32,40 %
Ple­num Publi­shing25,6 Jah­re32,10 %
Ama­zon28,7 Jah­re31,10 %
Micro­soft39,8 Jah­re25,36 %
Home Depot44,3 Jah­re24,63 %

Kei­ne der 30 Akti­en mit den höchs­ten annua­li­sier­ten Ren­di­ten über min­des­tens 20 Jah­re erscheint zugleich unter den 30 Akti­en mit den höchs­ten kumu­lier­ten Ren­di­ten.

Die Unter­su­chung legt damit nahe, dass außer­ge­wöhn­lich hohe annua­li­sier­te Ren­di­ten nicht über belie­big lan­ge Zeit­räu­me fort­be­stehen.

Quel­len: Sei­ten 6–9; Tabel­len 1–2.

8. Hat sich die typi­sche Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­te im Zeit­ver­lauf ver­schlech­tert?

Die Ana­ly­se ein­zel­ner Jahr­zehn­te zeigt deut­li­che Unter­schie­de zwi­schen frü­hen und spä­te­ren Beob­ach­tungs­zeit­räu­men.

Kenn­zahlDurch­schnitt der ers­ten sechs Jahr­zehn­te (1926–1985)Durch­schnitt der letz­ten vier Jahr­zehn­te (1986–2025)
Akti­en mit posi­ti­ver Ren­di­te66,61 %52,51 %
Akti­en mit Ren­di­te über Staats­an­lei­hen61,21 %47,89 %
Akti­en mit Ren­di­te über dem Gesamt­markt41,24 %31,82 %
Medi­an der kumu­lier­ten Ren­di­te63,64 %5,82 %

Die Wer­te sind Durch­schnit­te der jewei­li­gen Jahr­zehnts­kenn­zah­len, nicht Kenn­zah­len einer ein­zi­gen über­grei­fen­den Hal­te­pe­ri­ode.

Vor allem die Medi­an­ren­di­te ist stark zurück­ge­gan­gen.

Wäh­rend sie in den ers­ten sechs Jahr­zehn­ten durch­schnitt­lich bei 63,64 % lag, betrug sie in den letz­ten vier Jahr­zehn­ten nur noch 5,82 %.

Für 2016–2025 mel­det die Stu­die sogar:

  • Medi­an­ren­di­te der Ein­zel­ak­ti­en: 1,44 % über das Jahr­zehnt.
  • Anteil der Akti­en, die den Gesamt­markt über­tref­fen: 24,34 %.
  • Anteil mit höhe­rer Ren­di­te als Staats­an­lei­hen: 47,70 %.

Der Autor ver­weist als mög­li­che Erklä­rung unter ande­rem auf die star­ke Zunah­me klei­ne­rer und jün­ge­rer bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men seit den 1970er- und 1980er-Jah­ren. Eine abschlie­ßen­de kau­sa­le Erklä­rung lie­fert die Stu­die nicht.

Quel­le: Sei­ten 9–10; Tabel­le 3.

9. Bedeu­tung für Anle­ger

Aus den Ergeb­nis­sen erge­ben sich meh­re­re Schluss­fol­ge­run­gen. Dabei ist zwi­schen empi­ri­schen Befun­den und dar­aus abge­lei­te­ten Anla­ge­im­pli­ka­tio­nen zu unter­schei­den.

Ers­tens: Brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on hat einen sta­tis­ti­schen Vor­teil.

Da weni­ge extre­me Gewin­ner einen Groß­teil der Gesamt­ren­di­te erklä­ren, besteht bei kon­zen­trier­ten Ein­zel­ak­ti­en­port­fo­li­os das Risi­ko, genau die­se Unter­neh­men nicht zu hal­ten.

Breit diver­si­fi­zier­te Port­fo­li­os erhö­hen die Wahr­schein­lich­keit, an den außer­ge­wöhn­li­chen Gewin­nern zu par­ti­zi­pie­ren. Die Stu­die quan­ti­fi­ziert aller­dings nicht den opti­ma­len Diver­si­fi­ka­ti­ons­grad.

Zwei­tens: Die durch­schnitt­li­che Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­te ist für die Pla­nung wenig reprä­sen­ta­tiv.

Der Durch­schnitt von 30.621 % steht einem Medi­an von −6,87 % gegen­über.

Wer aus der durch­schnitt­li­chen his­to­ri­schen Ein­zel­ak­ti­en­ren­di­te auf das typi­sche Ergeb­nis einer zukünf­ti­gen Inves­ti­ti­on schließt, über­schätzt daher mög­li­cher­wei­se die zu erwar­ten­de Ent­wick­lung erheb­lich.

Der Autor emp­fiehlt, stär­ker die gesam­te Ren­di­te­ver­tei­lung statt aus­schließ­lich den Erwar­tungs­wert zu betrach­ten.

Drit­tens: Hohe Index­ren­di­ten bedeu­ten nicht, dass die meis­ten Akti­en erfolg­reich sind.

Der Gesamt­markt erziel­te 10,1 % pro Jahr, obwohl weni­ger als die Hälf­te der Ein­zel­ak­ti­en eine posi­ti­ve Gesamt­ren­di­te über ihre jewei­li­ge Bör­sen­his­to­rie lie­fer­te.

Markt­ren­di­te und Erfolgs­häu­fig­keit ein­zel­ner Akti­en mes­sen somit unter­schied­li­che Sach­ver­hal­te.

Vier­tens: Ver­gan­ge­ne Gewin­ner sind nicht auto­ma­tisch zukünf­ti­ge Gewin­ner.

Die Stu­die zeigt, wie wich­tig außer­ge­wöhn­li­che Unter­neh­men für die his­to­ri­sche Ver­mö­gens­schaf­fung waren. Sie lie­fert jedoch kein Ver­fah­ren, die­se Unter­neh­men zuver­läs­sig im Vor­aus zu iden­ti­fi­zie­ren.

Eine rück­bli­cken­de Rang­lis­te der erfolg­reichs­ten Unter­neh­men ist des­halb kei­ne Pro­gno­se ihrer zukünf­ti­gen Ren­di­ten.

Fünf­tens: Die zuneh­men­de Markt­kon­zen­tra­ti­on schafft eine zusätz­li­che Dimen­si­on des Port­fo­lio­ri­si­kos.

Brei­te, markt­ka­pi­ta­li­sie­rungs­ge­wich­te­te Akti­en­in­di­zes ent­hal­ten zwar vie­le Unter­neh­men, kön­nen aber fak­tisch zuneh­mend von weni­gen Groß­kon­zer­nen abhän­gen.

Dies ist eine aus den Ergeb­nis­sen nahe­lie­gen­de Risi­ko­im­pli­ka­ti­on. Die Stu­die selbst führt kei­ne umfas­sen­de Ana­ly­se des zukünf­ti­gen Kon­zen­tra­ti­ons­ri­si­kos durch.

10. Gren­zen der Unter­su­chung

Für die Inter­pre­ta­ti­on sind ins­be­son­de­re fünf Ein­schrän­kun­gen rele­vant.

Ein­schrän­kungBedeu­tung
US-Akti­en­marktDie Ergeb­nis­se las­sen sich nicht ohne Wei­te­res auf ande­re Län­der über­tra­gen.
Unter­schied­li­che Bör­sen­his­to­ri­enEin­zel­ak­ti­en­ren­di­ten beru­hen auf stark unter­schied­li­chen Anla­ge­zeit­räu­men.
His­to­ri­sche DatenDie Stu­die doku­men­tiert rea­li­sier­te Ergeb­nis­se, kei­ne zukünf­ti­gen Ren­di­te­wahr­schein­lich­kei­ten.
SWC statt Anle­ger­kon­to­ren­di­teDie Dol­lar-Ver­mö­gens­schaf­fung ist nicht iden­tisch mit der tat­säch­lich erziel­ten Ren­di­te eines durch­schnitt­li­chen Pri­vat­an­le­gers.
Mög­li­che Dop­pel­zäh­lun­genBetei­li­gun­gen bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men an ande­ren bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men kön­nen die agg­re­gier­te SWC leicht erhö­hen.

Hin­zu kom­men Ein­schrän­kun­gen der his­to­ri­schen Daten­ver­füg­bar­keit: AMEX-Akti­en wer­den ab 1962 und Nasdaq-Akti­en ab 1973 berück­sich­tigt. Für die Zeit davor ist die Markt­ab­de­ckung ent­spre­chend enger.

Die Stu­die ist zudem ein For­schungs­ent­wurf vom Sep­tem­ber 2026 und soll­te nicht ohne Wei­te­res mit einer abschlie­ßend begut­ach­te­ten Publi­ka­ti­on gleich­ge­setzt wer­den.

11. Gesamt­fa­zit

Die Unter­su­chung führt zu drei beson­ders rele­van­ten Erkennt­nis­sen.

1. Akti­en waren über 100 Jah­re eine sehr erfolg­rei­che Anla­ge­klas­se. Der wert­ge­wich­te­te US-Akti­en­markt erziel­te annua­li­siert 10,1 %, gegen­über 3,3 % bei kurz­fris­ti­gen Staats­an­lei­hen.

2. Der Erfolg des Akti­en­mark­tes beruht auf einer extrem unglei­chen Ver­tei­lung der Ergeb­nis­se. Rund 59 % aller Unter­neh­men ver­nich­te­ten gemes­sen an der Staats­an­lei­hen-Bench­mark Aktio­närs­ver­mö­gen. Rech­ne­risch erklä­ren nur 3,72 % der Unter­neh­men die gesam­te Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung.

3. Die Kon­zen­tra­ti­on hat sich erheb­lich ver­schärft. Wäh­rend im Zeit­raum 1926–2016 noch 89 Unter­neh­men für die Hälf­te der Net­to-Ver­mö­gens­schaf­fung ver­ant­wort­lich waren, rei­chen für den gesam­ten Zeit­raum 1926–2025 nur noch 46 Unter­neh­men aus. Für die Jah­re 2017–2025 allein waren es gera­de ein­mal 13.

Die zen­tra­le inves­ti­ti­ons­prak­ti­sche Kon­se­quenz lau­tet daher:

Lang­fris­tig am Akti­en­markt inves­tiert zu sein und lang­fris­tig die rich­ti­gen Ein­zel­ak­ti­en zu hal­ten, sind zwei grund­le­gend unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen.

Die his­to­ri­schen Daten spre­chen für den Wert brei­ter Diver­si­fi­ka­ti­on, weil außer­ge­wöhn­li­che Gewin­ner den lang­fris­ti­gen Markt­er­folg prä­gen und vor­ab schwer zuver­läs­sig zu iden­ti­fi­zie­ren sind.

Ob die jüngs­te Zunah­me der Kon­zen­tra­ti­on dau­er­haft bestehen bleibt oder etwa durch die brei­te wirt­schaft­li­che Nut­zung künst­li­cher Intel­li­genz wie­der zurück­geht, lässt Bes­sem­bin­der aus­drück­lich offen.

Quel­le: Hen­drik Bes­sem­bin­der (2026), One Hundred Years in the U.S. Stock Mar­kets, Fas­sung vom 27. Sep­tem­ber 2026, ins­be­son­de­re Tabel­len 1–7, S. 21–27. Alle Zah­len beru­hen auf dem hoch­ge­la­de­nen Ori­gi­nal­do­ku­ment.

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