War­um uner­le­dig­te Auf­ga­ben im Kopf blei­ben

Wie ein Plan ent­las­ten kann

Uner­le­dig­te Auf­ga­ben besit­zen eine eigen­tüm­li­che Hart­nä­ckig­keit. Eine unbe­ant­wor­te­te Nach­richt, ein noch nicht geführ­tes Gespräch oder eine Auf­ga­be, die auf den nächs­ten Tag ver­scho­ben wur­de, kann sich immer wie­der ins Bewusst­sein drän­gen – selbst dann, wenn man sich eigent­lich mit etwas völ­lig ande­rem beschäf­ti­gen möch­te. Häu­fig wird die­ses Phä­no­men mit dem soge­nann­ten Zei­gar­nik-Effekt erklärt. Danach sol­len unter­bro­che­ne oder uner­le­dig­te Auf­ga­ben im Gedächt­nis stär­ker prä­sent blei­ben als abge­schlos­se­ne. In sei­ner klas­si­schen Form lässt sich die­ser Effekt jedoch nicht als all­ge­mein­gül­ti­ges psy­cho­lo­gi­sches Gesetz betrach­ten. Neue­re Unter­su­chun­gen zeich­nen ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild.

Ent­schei­dend scheint weni­ger zu sein, dass uner­le­dig­te Auf­ga­ben grund­sätz­lich bes­ser erin­nert wer­den, son­dern dass offe­ne Zie­le unse­re Auf­merk­sam­keit wei­ter bean­spru­chen kön­nen. Solan­ge eine Ange­le­gen­heit als rele­vant und noch nicht abge­schlos­sen wahr­ge­nom­men wird, kann sie gedank­lich immer wie­der auf­tau­chen. Sol­che auf­dring­li­chen Gedan­ken sind beson­ders stö­rend, wenn man sich kon­zen­trie­ren, abschal­ten oder zur Ruhe kom­men möch­te. Das Gehirn behan­delt das offe­ne Vor­ha­ben gewis­ser­ma­ßen wei­ter­hin als etwas, das noch Auf­merk­sam­keit benö­tigt.

Dabei kann bereits ein kon­kre­ter Plan einen bemer­kens­wer­ten Unter­schied machen. Wer fest­legt, wann und wie eine Auf­ga­be wei­ter­ge­führt wer­den soll, muss sie nicht zwangs­läu­fig sofort erle­di­gen, um men­tal etwas Abstand zu gewin­nen. Die offe­ne Ange­le­gen­heit erhält dadurch eine Struk­tur. Aus einem dif­fu­sen „Das muss ich noch machen“ wird bei­spiels­wei­se ein kla­res „Mor­gen um neun Uhr beant­wor­te ich die Nach­richt und klä­re anschlie­ßend den Ter­min“. Ein sol­cher Plan besei­tigt die Auf­ga­be nicht, kann aber ihre stän­di­ge gedank­li­che Prä­senz redu­zie­ren.

Gera­de des­halb kann es hilf­reich sein, uner­le­dig­te Din­ge nicht ledig­lich auf­zu­schrei­ben, son­dern mög­lichst kon­kret fest­zu­hal­ten, was als Nächs­tes gesche­hen soll. Eine lan­ge Lis­te unspe­zi­fi­scher Ver­pflich­tun­gen kann im ungüns­tigs­ten Fall sogar zusätz­li­chen Druck erzeu­gen. Prä­zi­se nächs­te Schrit­te geben dage­gen Ori­en­tie­rung. Nicht „Steu­er machen“, son­dern „Unter­la­gen zusam­men­su­chen und feh­len­de Bele­ge notie­ren“; nicht „Pro­jekt fer­tig­stel­len“, son­dern „mor­gen die Ein­lei­tung über­ar­bei­ten und anschlie­ßend die offe­nen Zah­len prü­fen“. Je kla­rer der nächs­te Schritt for­mu­liert ist, des­to weni­ger muss er im Kopf stän­dig neu orga­ni­siert wer­den.

Die­ser Gedan­ke spielt auch am Abend eine Rol­le. Gera­de beim Ein­schla­fen begin­nen vie­le Men­schen damit, den kom­men­den Tag gedank­lich durch­zu­ge­hen. Offe­ne Auf­ga­ben, mög­li­che Pro­ble­me und uner­le­dig­te Ver­pflich­tun­gen tre­ten dann beson­ders deut­lich her­vor, weil äuße­re Ablen­kun­gen feh­len. Eini­ge Minu­ten, in denen die wich­tigs­ten Auf­ga­ben für die nächs­ten Tage kon­kret auf­ge­schrie­ben wer­den, kön­nen des­halb hilf­reich sein. Die Auf­ga­ben sind damit zwar noch nicht erle­digt, aber sie müs­sen mög­li­cher­wei­se nicht mehr mit der­sel­ben Dring­lich­keit men­tal fest­ge­hal­ten wer­den.

Eine To-do-Lis­te wirkt dabei ver­mut­lich weni­ger wie ein magi­scher Schal­ter als wie eine Form der gedank­li­chen Aus­la­ge­rung. Infor­ma­tio­nen, die zuver­läs­sig fest­ge­hal­ten und mit einem nächs­ten Schritt ver­se­hen sind, müs­sen nicht stän­dig aktiv ver­füg­bar gehal­ten wer­den. Das kann das Gefühl ver­mit­teln, die Kon­trol­le über offe­ne Ange­le­gen­hei­ten zurück­zu­ge­win­nen. Beson­ders vor dem Schla­fen­ge­hen kann die­se klei­ne Form der Pla­nung des­halb sinn­vol­ler sein als der Ver­such, alle uner­le­dig­ten Din­ge allein im Kopf zu sor­tie­ren.

Die prak­ti­sche Kon­se­quenz ist über­ra­schend ein­fach: Nicht jede offe­ne Auf­ga­be muss sofort erle­digt wer­den, damit sie weni­ger belas­tet. Häu­fig reicht es bereits, sie aus einem unbe­stimm­ten Zustand her­aus­zu­ho­len. Wer klar for­mu­liert, was noch zu tun ist, wann es gesche­hen soll und wel­cher kon­kre­te Schritt als Nächs­tes folgt, schafft men­ta­le Ord­nung. Der ent­schei­den­de Effekt liegt damit mög­li­cher­wei­se weni­ger im Abschluss einer Auf­ga­be als in der Gewiss­heit, dass sie nicht ver­ges­sen ist und bereits einen fes­ten Platz im eige­nen Plan hat.


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