1. Gesamtlage: Herbstbelebung beginnt ohne Schwung
- Konjunktur: Zwar legte das BIP im 2. Quartal um 0,3 % zu (gestützt durch Exporte und Staatsausgaben), doch am Arbeitsmarkt kommt die wirtschaftliche Belebung noch nicht spürbar an. Die Inflation lag im August bei 2,9 % und dämpft den Konsum.
- Arbeitsmarkt-Trend: Die sonst im September typische Herbstbelebung fiel schwach aus. Zwar sank die Arbeitslosigkeit absolut leicht, saisonbereinigt stieg sie jedoch um 12.000. Frühindikatoren (wie das IAB-Arbeitsmarktbarometer bei 99,6 Punkten) deuten auf keine baldige Trendwende hin.
2. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
- Arbeitslose:
- Im September sank die Gesamtzahl um 67.000 auf 2.994.000 Personen (unter die 3‑Millionen-Marke). Im Vorjahresvergleich sind dies jedoch 40.000 mehr.
- Arbeitslosenquote: 6,4 % (+0,1 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr; saisonbereinigt ebenfalls 6,4 %).
- Regionale Unterschiede: Niedrigste Quote in Bayern (4,2 %), höchste in Bremen (11,2 %).
- Rechtskreise:
- SGB III (Arbeitsagenturen): 1.182.000 Arbeitslose (+74.000 bzw. +7 % gegenüber Vorjahr).
- SGB II (Jobcenter): 1.812.000 Arbeitslose (-34.000 bzw. ‑2 % gegenüber Vorjahr).
- Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit):
- Lag bei 3.615.000 Personen (-65.000 zum Vormonat, saisonbereinigt ‑7.000; +25.000 im Vorjahresvergleich).
- Langzeitarbeitslosigkeit:
- 1.070.000 Personen (gut ein Drittel aller Arbeitslosen) sind länger als ein Jahr arbeitslos (+22.000 zum Vorjahr).
- Bewegungen/Chancen:
- Die Chance, aus der Arbeitslosigkeit eine reguläre Beschäftigung aufzunehmen, bleibt mit einer monatlichen Abgangsrate von 5,70 % auf historisch sehr niedrigem Niveau.
- Das Risiko, aus Beschäftigung arbeitslos zu werden (Zugangsrisiko: 0,61 %), steigt kontinuierlich an, liegt aber im Mehrjahresvergleich weiterhin relativ niedrig.
3. Beschäftigung und Kurzarbeit
- Erwerbstätigkeit (August): 45,58 Mio. Personen (-29.000 saisonbereinigt zum Vormonat; ‑236.000 bzw. ‑0,5 % zum Vorjahr).
- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Juli): 34,68 Mio. Personen (-12.000 saisonbereinigt zum Vormonat; ‑84.000 zum Vorjahr).
- Vollzeit vs. Teilzeit: Vollzeitbeschäftigung geht deutlich zurück (-236.000 auf 23,69 Mio.), während ausschließlich Teilzeit zulegt (+152.000 auf 10,99 Mio.).
- Branchen: Beschäftigungsabbau vor allem im Verarbeitenden Gewerbe (-169.000 YoY) und Handel (-59.000 YoY); Zuwächse fast nur im staatlichen/sozialen Bereich (Gesundheit +65.000, Pflege/Soziales +62.000).
- Demografie & Migration: Die Zahl deutscher Beschäftigter sinkt demografiebedingt stark (-266.000 YoY). Der Zuwachs bei ausländischen Arbeitskräften (+181.000 YoY, primär Drittstaaten wie Ukraine) kann diesen Rückgang seit Mitte 2025 nicht mehr voll ausgleichen.
- Kurzarbeit (Juli): Konjunkturelles Kurzarbeitergeld wurde für 118.000 Beschäftigte gezahlt (Kurzarbeiterquote: 0,3 %; rechnerisch 34.000 Vollzeitäquivalente gesichert), Schwerpunkt weiterhin im Verarbeitenden Gewerbe.
4. Arbeitskräftenachfrage und Stellenangebot
- Gemeldete Stellen (BA): 660.000 offene Stellen (+30.000 zum Vorjahr), die Nachfrage nach neuem Personal bleibt verhalten.
- BA-Stellenindex (BA‑X): Liegt bei 104 Punkten (+1 Punkt zum Vormonat, +6 zum Vorjahr).
- Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot (IAB-Befragung Q2): 1,02 Mio. Stellen (-11 % zum Vorquartal, ‑3 % zum Vorjahr). Die Meldequote bei der BA liegt bei 52 %.
- Engpässe: Kein allgemeiner Arbeitskräftemangel, aber weiterhin spürbare Engpässe in Pflege‑, Medizin‑, Handwerks- und Bauberufen sowie bei Erziehern und Kraftfahrern.
5. Soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit
- Im September bezogen 4.723.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter Lohnersatz- oder Grundsicherungsleistungen (-59.000 zum Vorjahr):
- Arbeitslosengeld (SGB III): 1.082.000 Bezieher (+85.000 zum Vorjahr). Die durchschnittliche Anspruchshöhe betrug bundesweit 1.361 Euro/Monat.
- Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II): 3.704.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB) (-145.000 zum Vorjahr).
- Hinweis zur Arbeitslosigkeit: Nur rund 54 % der Leistungsberechtigten sind tatsächlich arbeitslos gemeldet; der Rest befindet sich u. a. in Maßnahmen, in Schule/Studium, in Kindererziehung/Pflege, ist erwerbstätig (Aufstocker) oder arbeitsunfähig.
6. Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen & Ausbildungsmarkt
- Maßnahmen: 722.000 Personen nahmen an geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil (Aktivierungsquote: 16,4 %). Schwerpunkte: berufliche Weiterbildung (176.000 Teilnehmende) und Aktivierungsmaßnahmen (152.000 Teilnehmende).
- Ausbildungsmarkt: Die endgültige Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2025/2026 wird zum Stichtag 30. September gezogen und gemeinsam mit den Oktober-Arbeitsmarktdaten am 30. Oktober 2026 veröffentlicht.
Quelle: BA