Die guten 1970er-Jahre in Westdeutschland waren durch eine stark patriarchalisch geprägte Gesellschaft gekennzeichnet, in der Geschlechterrollen streng tradiert und gesetzlich verankert waren. Das männliche Rollenbild galt als klar definiert und war mit weitreichenden Befugnissen verbunden.
Der Mann als alleiniger Ernährer und Entscheidungsträger
Ein einziges Facharbeitergehalt reichte in der Regel aus, um eine vierköpfige Familie zu versorgen, ein Auto zu unterhalten und den Urlaub zu finanzieren. Darüber hinaus besaß der Ehemann die rechtliche Befugnis, über die Erwerbstätigkeit seiner Frau sowie über größere Anschaffungen zu entscheiden. Das sogenannte „Hausfrauenmodell” war bis zur Eherechtsreform von 1977 fest im Familien- und Eherecht verankert.
Kultur der Härte und Risikobereitschaft
Von Männern wurde eine ausgeprägte physische und psychische Unempfindlichkeit erwartet. Dies äußerte sich im ungeschützten Umgang mit hochgiftigen Substanzen wie Asbest oder dem Insektizid E605, im routinemäßigen Alkoholkonsum am Arbeitsplatz sowie in der verbreiteten Ablehnung von Sicherheitsvorkehrungen. Schutzmaßnahmen wie Sicherheitsgurte oder Helme galten nicht selten als Zeichen von Ängstlichkeit oder unzulässiger Bevormundung.
Autorität in der Erziehung
Körperliche Züchtigung – sowohl in Schulen als auch im Elternhaus – wurde weithin als legitimes und notwendiges Mittel zur Durchsetzung von Disziplin und zur Wahrung erzieherischer Autorität betrachtet.