Antwort der Bundesregierung vom 14.10.2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD zur Versorgungssicherheit Deutschlands mit Erdgas im Winter 2026/2027.
Wichtigste Aussagen
- Die Bundesregierung sieht derzeit keine Gasmangellage für den Winter 2026/2027. Am 13. Oktober 2026 betrug der Füllstand der deutschen Gasspeicher laut Bundesregierung 149 TWh, was bereits die gesamte Ausspeicherung des Winters 2025/2026 übersteige. Zudem lägen die Pipelineimporte bei über 2 TWh pro Tag. Preisspitzen seien allerdings möglich.
- Die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur beobachten die Versorgungslage kontinuierlich, erstellen aber keine Prognosen zu künftigen Speicherständen für November 2026 bis April 2027.
- Die Bundesregierung betont mehrfach, dass die Wintervorsorge primär Aufgabe der Gashändler sei. Diese müssten ihre Lieferverpflichtungen über Speicher, Pipelineimporte und LNG-Beschaffung absichern.
- Zu vertraglich abgesicherten Gaslieferungen liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Angaben dazu, welcher Anteil des erwarteten Gasbedarfs bereits abgesichert ist und welcher am Spotmarkt beschafft werden muss, konnten daher nicht gemacht werden.
- Zu den deutschen LNG-Terminals nennt die Bundesregierung technische Einspeisekapazitäten für den Winter:
- Wilhelmshaven 01: 34 TWh
- Wilhelmshaven 02: 32 TWh
- Brunsbüttel: 27 TWh
- Mukran: ca. 43 TWh
- Stade: Betriebsstart für November 2026 geplant.
- Deutschland habe kein LNG aus der Golfregion bezogen. Informationen über Lieferverträge anderer europäischer Staaten lägen der Bundesregierung nicht vor.
- Die Bundesregierung verfügt nach eigenen Angaben über keine Analysen dazu, welcher Anteil des seit 2021 gesunkenen industriellen Gasverbrauchs auf Effizienzsteigerungen oder Produktionsrückgänge zurückzuführen ist. Ebenso lägen keine Erkenntnisse zu Produktionsrückgängen aufgrund hoher Gaspreise vor.
- Für die Ausrufung der Alarm- oder Notfallstufe im Gasbereich gelten die Regelungen der EU-Verordnung 2017/1938. Die verwendeten Indikatoren werden laut Bundesregierung nicht vorab durch feste Schwellenwerte quantifiziert, sondern im Gesamtzusammenhang bewertet.
- Zusätzliche Risiken durch die Eskalation im Nahen Osten werden nach Angaben der Bundesregierung laufend bewertet, eine konkrete Neubewertung oder geänderte Annahmen werden in der Antwort jedoch nicht genannt.
Kurzfazit
Die Bundesregierung vertritt in der Drucksache die Auffassung, dass die deutsche Gasversorgung für den Winter 2026/2027 aktuell gesichert ist. Gleichzeitig verzichtet sie auf konkrete Prognosen zu Speicherständen und hält viele Detailinformationen zu Lieferverträgen, Beschaffungsstrategien und Krisenszenarien nicht vor bzw. verweist auf die Verantwortung der Marktteilnehmer.
Quelle: [Drucksache 21/8574]