Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD zum Thema „Per Haftbefehl Gesuchte seit dem Jahr 2015“.
Wichtigste Aussagen
- Für 2015 liegen der Bundesregierung keine ausreichend auswertbaren Daten vor. Auswertungen sind erst ab 2020 möglich.
- Zum 1. Juli 2026 wurde nach 148.311 Personen gefahndet; insgesamt bestanden 170.667 offene Haftbefehle, da gegen manche Personen mehrere Haftbefehle vorliegen. Unter den Gesuchten waren außerdem 94 Gefährder.
Entwicklung offener Haftbefehle
Neu ausgeschriebene Personen mit Haftbefehl:
- 2020: 77.750
- 2024: 109.290
- 2025: 107.510
Personen mit offenem Haftbefehl nach Staatsangehörigkeit:
- 2020: 32.164 Deutsche, 43.473 Ausländer, 2.113 Doppelstaater.
- 2024: 37.858 Deutsche, 68.349 Ausländer, 3.083 Doppelstaater
- 2025: 36.381 Deutsche, 68.009 Ausländer, 3.120 Doppelstaater.
Häufigste Nationalitäten
Neben Deutschen waren die größten Gruppen bei offenen Haftbefehlen regelmäßig:
- Rumänen
- Polen
- Türken
- Bulgaren
- Georgier
- Syrer
- Algerier
- Ukrainer
Für 2025 wurden beispielsweise gezählt:
- Rumänien: 9.183
- Polen: 7.193
- Türkei: 4.065
- Bulgarien: 3.866
- Syrien: 2.509
- Ukraine: 2.445
Deliktschwerpunkte 2025
Personen mit offenem Haftbefehl wurden besonders häufig gesucht wegen:
- Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze: 42.894
- Diebstahlsdelikten: 27.901
- Sonstigen Straftatbeständen (StGB): 22.856
- Vermögens- und Fälschungsdelikten: 18.070
- Gewaltkriminalität: 7.589
Politisch motivierte Kriminalität (PMK)
Die Bundesregierung erhebt seit 2012 halbjährlich offene Haftbefehle gegen politisch motivierte Straftäter. Die Zahl der offenen Haftbefehle stieg:
- 2015: 1.170 Haftbefehle zu 929 Personen
- 2020: 1.840 Haftbefehle zu 1.456 Personen
- 2024: 2.201 Haftbefehle zu 1.750 Personen
- 2025: 2.231 Haftbefehle zu 1.765 Personen
Der größte Teil entfiel jeweils auf die Bereiche PMK-rechts und sonstige Zuordnung.
Fahndungsdauer
Bei erledigten Haftbefehlen wurden:
- 2025 rund 48,4 % innerhalb von 0 bis 99 Tagen erledigt.
- Rund 29,5 % waren jedoch länger als 500 Tage offen.
Die Bundesregierung verzichtet auf die Angabe einer durchschnittlichen Fahndungsdauer, da langjährig offene Haftbefehle (etwa nach Abschiebungen) die Statistik stark verzerren würden.
Kurzfazit
Die Drucksache zeigt einen deutlichen Anstieg der offenen Haftbefehle und der davon betroffenen Personen zwischen 2020 und 2025. Besonders stark vertreten sind Ausländer unter den gesuchten Personen, wobei Rumänen, Polen und Türken die größten Gruppen bilden. Die meisten Haftbefehle stehen im Zusammenhang mit Diebstahls‑, Vermögens- und Nebengesetzdelikten, während die Zahl politisch motivierter Fahndungen ebenfalls zugenommen hat.
Quelle: [Drucksache 21/8741]